Ein riskantes Spiel

26. August 2009, 19:20
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Noch hat die SPD das Trauma von Hessen nicht überwunden, da will sie einen neuen Versuch mit den Linken wagen

Wahlkampf 2009 in Deutschland. Es ist kein Hochwasser in Sicht. Auch planen die USA keinen neuen Angriff auf den Irak. Kurzum: Auf ein Wunder, das SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier am 27. September ins Kanzleramt bringen könnte, warten die Sozialdemokraten ebenso verzweifelt wie vergeblich.

Aber wenn das Glück nicht kommen mag, dann muss man bekanntlich nachhelfen. Also hat man sich im Willy-Brandt-Haus in Berlin einen bemerkenswerten Strategiewechsel ausgedacht. Zwar rangiert Linksparteichef Oskar Lafontaine auf der dortigen Beliebtheitsskala in Höhe der Schweinegrippe. Auch mit seinen Getreuen in den Bundesländern wollte man bisher so wenig wie möglich zu tun haben.

Aber nun ermuntert Steinmeier die wackeren Wahlkämpfer an der Saar und in Thüringen geradezu, mit den Linken zu koalieren. Diese Handlungsanleitung ist ein hochriskantes Spiel. Noch hat die SPD das Trauma von Hessen nicht überwunden, da will sie einen neuen Versuch mit den Linken wagen. Zwar machen es die SPD-Landeschefs klüger als damals Andrea Ypsilanti: Sie haben von Beginn des Wahlkampfs an erklärt, dass sie auch mit der Linken können.

Dennoch könnte der Preis für Steinmeiers Schwenk hoch sein. Kommt tatsächlich Rot-Rot, steht auch die Bundes-SPD wieder im Ruch, sich demnächst mit den Linken zusammentun zu wollen. Das mag zwar vor der Bundestagswahl Kräfte aus dem linken Lager mobilisieren. Aber die politische Mitte würde sich mit Grausen abwenden. Und auf die ist jeder angewiesen, der in Deutschland Kanzler werden will.  Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 27.8.2009)

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