Moskitoschutz aus der Natur

26. August 2009, 19:00
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US-Forscher entdecken im Obst Duftstoffe, die das Stechmücken-Radar ausschalten

Riverside/London - Stechmücken besitzen in ihren Antennen ein hochempfindliches Sensorium, um ihre unfreiwilligen Blutspender zu finden. Vor allem orientieren sich Gelsen und ihre Artverwandten dabei an dem von uns und anderen Blutwirten ausgearteten Kohlendioxid sowie an unseren Körperdüften - also unter anderem der Milchsäure im Schweiß oder verschiedenen Fettsäuren und Ammoniak.

Auf Kohlendioxid reagieren auch Fruchtfliegen ganz besonders empfindlich - und zwar erstaunlich paradox: Wenn sie sich in Gefahr wähnen, sondern sie nämlich ebenfalls CO2 ab, dass ihren Artgenossen als Warnung dient. Weil aber auch ihre Hauptnahrungsmittel - reifes Obst oder fermentierte Hefe - das Treibhausgas abgeben, stellt sich die Frage, wie die Fruchtfliegen sich quasi "überwinden", trotz CO2 auf ihre Futterquelle zu fliegen.

Stefanie Turner und Anandasanker Ray von der kalifornischen Universität Riverside ist nun die Lösung dieses Rätsels gelungen. Die beiden Insektenforscher entdeckten nämlich vom Obst abgegebene Duftstoffe, die verhindern, dass die auf Kohlendioxid spezialisierten Nervenzellen in den Fruchtfliegenantennen funktionieren. Als besonders wirksam erwiesen sich zwei Düfte, nämlich der von Hexanol und 2,3-Butandiol, zwei Alkohol-Verbindungen, wie die beiden Forscher in "Nature" (online) berichten.

Was aber hat das gelöste Fruchtfliegenrätsel mit einem Schutz vor Stechmücken zu tun? Ganz einfach: Ray und Turner haben getestet, ob sich mit diesen beiden Duftstoffen auch Stechmücken verwirren lassen - konkret: Vertreterinnen von Culex quinquefasciatus, die das gefährliche West-Nil-Virus übertragen. Damit wurden seit 1999 allein in den USA fast 29.000 Menschen infiziert, fast 1000 von ihnen starben daran. (Im Vorjahr wurde es übrigens auch in Österreich erstmals nachgewiesen.)

Bei den Experimenten zeigte sich tatsächlich, dass Cutex-Stechmücken ganz ähnlich auf die Duftstoffe reagieren wie Fruchtfliegen, so Ko-Autor Ray: Auch ihre CO2-empfindlichen Nervenzellen in den Antennen wurden durch die Duftstoffe lahmgelegt, was es ihnen unmöglich machte, CO2 in menschlichem Atem aufzuspüren.

Rays Universität hat bereits ein Patent angemeldet, und er selbst möchte eine Start-up-Firma gründen, um auf Basis seiner Entdeckung billige Antimückenmittel zu entwickeln. Sein Interesse an Stechmücken und den durch sie übertragenen Krankheiten war übrigens auch privat motiviert: Als Kind litt er an Malaria, und seine Frau hat sich vor ein paar Jahren mit dem Dengue-Virus infiziert. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 27.8.2009)

  • Kopf und Antenne einer Stechmücke, deren CO2-Radar durch bestimmte Alkohole ausgeschaltet wird.
    foto: s. turner

    Kopf und Antenne einer Stechmücke, deren CO2-Radar durch bestimmte Alkohole ausgeschaltet wird.

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