Gästezahl stabil - Umsatz sinkt

26. August 2009, 17:07
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Die Nahmärkte retten Salzburgs Tourismusbilanz

Der ressortzuständige Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) sieht sogar Anlass für eine Jubelmeldung: "Juli-Tourismus: Salzburg trotzt Wirtschaftskrise" , ließ er dieser Tage über den Parteipressedienst verlauten. Und tatsächlich: Die Zahlen schauen gar nicht schlecht aus. Mit einem Nächtigungsminus von 0,3 Prozent gegenüber dem Juli 2008 sind die Gästezahlen trotz Finanz- und Wirtschaftskrise stabil.

Vor allem die Deutschen (plus 17,5 Prozent), die Österreicher (plus acht Prozent) und die Italiener (plus 4,9 Prozent) kompensierten die ausbleibenden US-Amerikaner (minus 20 Prozent) und Briten (minus 12,6 Prozent).

Bert Brugger, Geschäftsführer der städtischen Tourismus Salzburg Gesellschaft, sieht im Gespräch mit dem STANDARD freilich keinen Grund zur Euphorie: "Da werden Nächtigungen mit Umsatz vermischt. Es gibt einen massiven Druck auf die Preise." Laut Brugger hätten in der Landeshauptstadt die Hotelpreise um bis zu 20 Prozent nachgegeben. Wenn ein Gast durchschnittlich 140 Euro pro Tag ausgebe und wenn davon 60 Euro für die Unterkunft entfielen, dann sei der Umsatzrückgang spürbar. Die Altstadtkaufleute merken den Umsatzrückgang ebenfalls: minus 20 Prozent oder mehr, so die ersten Schätzungen für die noch laufende Festspielsaison.

Auch bei den Nächtigungszahlen ist Brugger zurückhaltend: Für 2009 rechnet er mit einem Minus von rund fünf Prozent. Gerade bei den Festspielen - deren Besucher stellen im August rund ein Drittel der Nächtigungen - habe "das Firmengeschäft" nachgelassen: "Es schickt sich nicht zu klotzen." Trotzdem werde man auch heuer die Marke von zwei Millionen Nächtigungen in der Stadt wieder erreichen, so Brugger. Das Minus gehe von "hohem Niveau" aus.

So sieht auch der Chef der Salzburger Land Tourismus (SLT), Leo Bauernberger, die Entwicklung: Bei einem landesweiten Rückgang der Übernachtungen um vier Prozent in den ersten sieben Monaten liege man auf die letzten fünf Jahre umgerechnet bei plus 1,2 Prozent - "ein passables Ergebnis" .

Bauernberger will übrigens nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich machen: Dass in der ersten Sommerhälfte die Gäste aus den Niederlanden weggebrochen wären, "lag am Wetter" . Bei den Niederländern sei der Anteil der Campingurlauber besonders hoch. Bei Briten oder Schweden wiederum wäre der ungünstige Wechselkurs ein Thema.

Dass es aufgrund des Preisdrucks auch Dumpingaktionen gibt, leugnet Bauernberger nicht: 30 Euro für eine Nacht in einem Vier-Sterne-Haus könne vorkommen. "Flächendeckend ist das aber nicht." (neu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2009)

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