Gasprojekt unter Beschuss

26. August 2009, 16:52
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Australien fixiert Erschließung riesiger Felder

Canberra - Der australische Umweltminister Peter Garrett hat am Mittwoch grünes Licht für den Ausbau eines gigantischen Erdgasprojektes gegeben. Danach kann der amerikanische Ölkonzern Chevron im Verlauf der nächsten 20 Jahre vor der nordwestaustralischen Küste Erdgas im Gesamtwert von über 42 Milliarden US-Dollar fördern.

Der Brennstoff soll auf der Barrowinsel verflüssigt und in Tankschiffen in alle Welt verfrachtet werden. Vergangene Woche hatte die australische Regierung mit dem staatseigenen chinesischen Konzern PetroChina einen Vertrag über die Abnahme von Gas im Wert von über 40 Mrd. US-Dollar unterzeichnet. Der Rekordvertrag folgte dem Abschluss einer ähnlichen Abnahmevereinbarung mit Indien im Wert von 21 Mrd. Dollar.

Chevron arbeitet im Gebiet Gorgon mit Shell und Exxon Mobil zusammen. Die beiden Partner sind mit je 25 Prozent beteiligt. Laut Chevron sollen pro Jahr 15 Mio. Tonnen flüssiges Erdgas produziert werden. Das Projekt schaffe 6000 Arbeitsplätze. Dass die Regierung die Abnahmeverträge noch vor dem Entscheid des Umweltministers bekanntgegeben hatte, wurde von Kritikern als Zeichen dafür gewertet, dass das Projekt "beschlossene Sache" sei.

Garrett wies diesen Vorwurf am Mittwoch zurück. Er habe das größte Projekt der australischen Geschichte "unter Auflagen" bewilligt. Das Vorhaben werde die bedrohten Tierarten auf der Barrowinsel nicht gefährden, obwohl es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Umweltverbände zeigten sich empört über den Entscheid. Sie forderten erneut, die Gasverflüssigungsanlage solle auf dem Festland gebaut werden.

Auch äußerten Experten Zweifel an der Sicherheit der geplanten Sequestrierung von CO2-Gas, das bei der Produktion des Erdgases entsteht. Nach Plänen von Chevron sollen pro Jahr 3,5 Mio. Tonnen dieses klimaschädigenden Stoffes im Gestein 2000 Meter tief unter der Insel endgelagert werden. Laut Medienberichten kam jedoch eine Expertenkommission zu dem Schluss, die Felsformationen unter der Barrowinsel seien nicht hundertprozentig gasdicht. (Urs Wälterlin, Canberra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2009)

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