Messerstichartige, elektrisierende Schmerzen

26. August 2009, 16:26
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Missempfindungen treten laut einer Studie seltener auf, wenn die Prothese als Teil des Körpers wahrgenommen wird

Drei von vier Arm- oder Beinamputierten leidet unter Phantomschmerz. Das hat eine Befragung von 537 Amputierten ergeben, die deutsche Forscher um Uwe Kern (Wiesbaden) durchgeführt haben. Entscheidend für die Häufigkeit von Phantomschmerz ist die Nutzung einer Prothese: Wird sie als mit dem Körper verschmolzen wahrgenommen, tritt seltener Phantomschmerz auf. Wichtiges Ergebnis der größten europäischen Studie zu diesem Thema war außerdem, dass 62 Prozent aller Amputierten unter Schlafstörungen leiden - unabhängig davon ob sie Phantomschmerz haben oder nicht.

"Da Schlafmangel wiederum das Schmerzempfinden verstärkt und durch Erschöpfung Prothesen weniger genutzt werden, muss das klinisch unbedingt berücksichtigt werden", sagt Kern. Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Der Schmerz" veröffentlicht, dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS).

Prothese kann Phantomschmerz lindern

Messerstichartige, elektrisierende Schmerzen oder Kribbeln sind die häufigsten Missempfindungen, die im amputierten Körperglied wahrgenommen werden. Gut die Hälfte (56 Prozent) der Betroffenen empfinden diese Schmerzen bis zu fünf Stunden am Tag, 28 Prozent sogar Tag und Nacht. Das Vorkommen von Phantomschmerz hängt deutlich mit der Nutzung einer Prothese zusammen: Wird die Prothese als Fremdkörper empfunden, traten deutlich häufiger Schmerzen auf, als wenn die Prothese als mit dem Körper verschmolzen wahrgenommen wird (88 Prozent bzw. 62 Prozent). Welche Faktoren das 'Verschmelzen' mit der Prothese begünstigen, ist dementsprechend derzeit Gegenstand einer Folgeuntersuchung unter Leitung des Wiesbadener Schmerztherapeuten.

Schlafstörungen

Besondere Aufmerksamkeit gebührt den Forschern zufolge Schlafstörungen, über die mehr als 60 Prozent aller Amputierten klagten. Unter den von Phantomschmerzbetroffenen berichteten sogar mehr als 77 Prozent von Ein- oder Durchschlafstörungen. "Hier sollte z.B. darauf geachtet werden, dass wirksame Analgetika über Nacht in retardierten Formen gegeben werden oder der Einsatz trizyklischer Antidepressiva abends erwogen wird", unterstreicht Kern. (red, derStandard.at)

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    Wird die Prothese als Fremdkörper wahrgenommen, treten eher Schmerzen auf

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