Moschusochsen unter den Pelz geblickt

31. August 2009, 12:25
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Wärmebilder: Kälber sind genauso gut isoliert wie erwachsene Tiere - und das heißt: achtmal besser als Wollschafe

Sydney/Gießen - Mit Wärmekameras untersuchten Biologen um Adam Munn von der Universität Sydney Moschusochsen und stießen dabei auf einige interessante Ergebnisse, wie sie in der Zeitschrift "Physiological and Biochemical Zoology" berichten. Etwa dass die Jungtiere Wärme genauso gut speichern können wie die zotteligen ausgewachsenen Exemplare.

Die bis zu eineinhalb Meter hohen Moschusochsen (Ovibos moschatus), die trotz ihres Namens näher mit Schafen und Ziegen verwandt sind als mit Rindern, sind in der arktischen Tundra in Grönland, Kanada, Sibirien, Alaska und Skandinavien heimisch, wo sie Temperaturen von minus 40 Grad Celsius und darunter ertragen müssen. Bisher nahm man an, dass Jungtiere besonders kälteempfindlich sind, da sie eine größere Hautoberfläche im Vergleich zu ihrem Körpervolumen besitzen und ihre Körpermasse dadurch der Kälte noch direkter ausgesetzt ist. Die Todesrate unter den Kälbern ist hoch - doch dürfte die Kälte dafür nicht der ausschlaggebende Grund sein, so die australischen Forscher. 

Wärmemessung

Mittels Infrarot-Technik erhoben sie bei einer Gruppe von Moschusochsen in Alaska, wie viel Wärme die Tiere von ihrer Felloberfläche an die kalte Außenluft und an den gefrorenen Boden abgaben. Die Messung erfolgte während der Nahrungssuche im Winter, wo die Tiere den extremsten niedrigen Temperaturen direkt ausgesetzt sind. Das Ergebnis: Sowohl Kälber als auch erwachsene Kühe geben nur zwei bis sechs Prozent der täglichen aufgenommenen Energie an die Umgebung ab, sogar bei einer Temperatur von minus 50 Grad Celsius. "Die Größe des Körpers dürfte bei Moschusochsen für das Überleben in der Kälte zweitrangig sein", so Munn. Eine Entwarnung für die Bedrohung von Moschusochsen und anderen großen arktischen Pflanzenfressen könne man allerdings nicht geben, da Nahrungsknappheit und andere ökologische Ursachen weiterhin ein großes Problem für das Überleben darstellten.

"Moschusochsen-Kälber werden im Mai geboren. Damit sind sie in den ersten Lebensmonaten den extremsten Temperaturen nicht ausgesetzt", erklärt der Gießener Wildbiologe Klaus Volmer. In den ersten Lebensmonaten erhalten die Tiere eine hochkonzentrierte fetthaltige Milch, die sie schützt, bis zum Winter wird der Stoffwechsel dann auf pflanzliche Nahrung umgestellt. Wie die Energieaufnahme in diesen kritischen Monaten erfolgt, ist in der Tierwelt einzigartig. "Moschusochsen sind die extremsten Raufutterfresser, die es gibt. Sie ernähren sich von allem, was sie finden, genauso gut von vertrockneten Ästen, Schilf oder Zwergsträuchern", betont Volmer.

Schutzschichten

In der Wärmeisolierung sind Moschusochsen ebenfalls sehr raffiniert. "Der wichtigste Wärmeschutz sind ihre langen, dickzottigen Haare", erklärt der Biologe. Das lange, mehrschichtige und dichte Winterfell, das die Tiere am ganzen Körper bis hinunter zu den Hufen bedeckt, verleiht ihnen ein besonders massiges Aussehen. Bezogen auf das Gewicht ist das Moschusochsen-Fell achtmal wärmer als Schafswolle. Ein wichtiger Wärmeschutz sind auch die Fettdepots der bis zu 400 Kilo schweren Kolosse. Daneben nimmt man an, dass sie ihr Blut bei kaltem Wetter direkt aus ihren Extremitäten pumpen können, um so weniger zu frieren. (pte/red)

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