Stimmen zur Krise Teil 8

"Spannender, positiver Herbst steht bevor"

Marietta Türk, 22. September 2009, 13:27
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    foto: stowasser personalberatung

    Zur Person

    Ursula Stowasser ist Geschäftsführerin der Stowasser Personalberatung in Wien

Personalberaterin Ursula Stowasser über Daumen, die nach oben zeigen, dünne Luft in Führungsetagen und strategische Berufsplanung für Einsteiger

derStandard.at: Einerseits werden derzeit viele Menschen gekündigt, andererseits wird kolportiert, dass trotzdem Mitarbeiter gesucht werden? Wie ist die Lage am Jobmarkt aus Ihrer Sicht?

Stowasser: Ohne Zweifel hat die vielbesprochene Wirtschaftskrise ihre Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Als kleines Unternehmen in der Personalberatung, das besonders nahe am Kunden arbeitet und auf langfristige Beziehungen zu unseren Kunden setzt, haben wir einen Einbruch aber nicht gespürt. Das mag daran liegen, dass wir wenige Konzerne, aber viele etablierte mittelständische Betriebe beraten.

Ja, es werden Mitarbeiter gesucht, und es sind auch hochqualifizierte Kandidaten am Markt. Wir sehen aber schon eine Veränderung bei unseren Kunden, vor allem in der Herangehensweise und bei den Bedürfnissen der Mitarbeiterauswahl. Ebenso sehen wir einen vermehrten Bedarf bei der Beratung in Sachen Organisationsentwicklung, das heißt Unternehmen sind bestrebt Bestehendes zu optimieren, wo sie früher vielleicht mehr auf Expansion gesetzt haben.

derStandard.at: Wie schauen die Chancen für Jobsuchende im Assistenz- und der Finanzbereich aus?

Stowasser: Der Assistenz- und der Finanzbereich, unsere Kernkompetenzen, müssen beide vertrauensvoll und hochwertig besetzt sein. Sollte ein Unternehmen Mitarbeiter abbauen müssen, sind es nicht diese beiden Bereiche, die zu allererst betroffen sind. Hands-on Typen und Kandidaten die über den Tellerrand hinausschauen und vorausschauend denken, haben sicher die besten Chancen. Wenn Teams effizient zusammenarbeiten müssen, ist es besonders wichtig, dass der Kandidat nicht nur die erwarteten Qualifikationen mitbringt, sondern auch, dass er in das Team passt.

derStandard.at: Welche Leute werden gesucht?

Stowasser: Eigenschaften wie Loyalität, Diskretion und Professionalität sind bei Assistentinnen und Assistenten besonders gefragt. Wer Stabilität und eine stetige Weiterentwicklung - beruflich wie persönlich - in seinem Lebenslauf vermitteln kann, wird immer gefragt sein. Fremdsprachen sind nach wie vor eine wichtige zusätzliche Qualifikation, da immer mehr Unternehmen international agieren. Wer einen "unruhigen" Lebenslauf vorweist, viele verschiedene Tätigkeiten in kurzen Abständen absolviert hat, könnte als unbeständig gelten und hat es in Zeiten wie diesen nicht einfach.

derStandard.at: Wie erleben Sie die Stimmung unter Job suchenden Führungskräften? Ist die Luft derzeit auch "oben" dünner?

Stowasser: Die anfängliche Irritation von Mitte/Ende 2008 weicht langsam aber sicher der Zuversicht, dass die Talsohle durchschritten ist. Haben sich Anfang dieses Jahres viele Manager noch ruhig und abwartend verhalten, tendieren jetzt etliche von ihnen wieder in Richtung Veränderung, suchen neue Herausforderungen. Ich glaube, dass uns ein spannender und positiver Herbst bevorsteht. Immer mehr Daumen zeigen nach oben und die Unternehmen fühlen sich wieder sicherer, was ihre Zukunftsplanung anbelangt.

derStandard.at: Was raten Sie Berufseinsteigern im Moment? 

Stowasser: Wer noch nicht mit Erfahrungen im Arbeitsmarkt punkten kann, sollte besonders viel Wert auf perfekte Bewerbungsunterlagen und ein gepflegtes Auftreten bei Vorstellungsgesprächen legen. Wir haben immer mehr Anfragen von Berufseinsteigern, die Unterstützung suchen um einen optimalen Start in die Berufswelt zu schaffen. In diesen Workshops sitzen Jungakademiker genauso, wie Maturanten und ambitionierte Absolventen von Pflichtschulen.

derStandard.at: Wie die Karriere nun planen?

Stowasser: Wir empfehlen eine mittel- und langfristige Planung des Berufslebens. Wer sich seine persönliche Strategie für seine Weiterentwicklung zurecht legt, hat gute Karten zukünftige Arbeitgeber mit seinem Weitblick zu beeindrucken. Internationale Erfahrungen wirken sich ebenso positiv im Lebenslauf aus, wie Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung. Eine qualifizierte Berufspraxis parallel zum Studium erhöht den Wettbewerbsvorteil enorm und kann (fast) als Jobgarantie gesehen werden.

derStandard.at: Ist es für suchende Firmen in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation einfacher, gute Kräfte zu finden?

Stowasser: Wir sehen es als unsere Aufgabe als Personalberater, ausschließlich "gute Kräfte" zu vermitteln. Wie einfach oder schwierig das in der jeweiligen Situation ist, darf der Kunde gar nicht merken. In unserem Pool befinden sich qualifizierte Kandidaten, die wir jederzeit empfehlen können. 

Viele Neukunden wenden sich an uns, weil sie sich dieser Aufgabe selbst nicht mehr gewachsen fühlen oder weil sie bei der Mitarbeitersuche in Eigenregie keine Erfolge erzielen konnten. Nach anfänglicher Euphorie aufgrund zahlreicher Bewerbungen, als Reaktionen auf Inserate direkt vom Arbeitgeber, folgt oft die Enttäuschung einer mageren "Ausbeute". Kunden mit diesen Selbsterfahrungen danken uns Personalberatern meistens mit besonderer Treue. (Marietta Türk, derStandard.at, 22.9.2009)

Kommentar posten
24 Postings
mimi74
00
2.10.2009, 13:37
intoleranz

die postings strotzen von Intoleranz, bsonders gscheite glauben die weisheit gepachtet zu haben,
hier finden sich die unfairen, aggressiven Schreiberlinge ein - oder seid ihr alle überfrustriert?

Sabine Werner
01
25.9.2009, 16:51
Oh Gott,

wenn ich dieses unsägliche Geschwafel schon höre, ein unruhiger Lebenslauf???? Wir sind nicht mehr im Jahre 1978 - Halllllooooo Aufwachen - wo ein jeder in seinem Job bleiben kann bis er in die Pensi geht; es gibt Fusionen, Kürzungen, Mobbing, Zusammenlegungen usw. usw. usw. usw. --- achja, ist eh immer der AN schuld. Mich wundert bei solchen Aussagen gar nicht mehr, das immer mehr Leute ihren Lebenslauf und die dazugehörigen Papiere "schönen" um in so einem vorurteilsgetränkten Milieu überhaupt noch einen Fuß auf den Boden zu kriegen :(

Management Quatscher
00
26.9.2009, 11:43

Das Seltsame an den Wünschen/Empfehlungen dieser Personalberater ist, dass sie den sonst geäußerten Empfehlungen widersprechen.

Seit Jahren plärren diese Berater einem die Ohren voll, dass man "flexibel" sein müsse, dass man damit rechnen muss "mindestens 5mal in seinem Leben den Beruf zu wechseln", .... bla bla bla. Und dann beschweren sie sich über Leute mit einem "unruhigen" Lebenslauf.

Sie würden sich aber gleichzeitig auch über Leute mit einem "ruhigen" Lebenslauf beschweren. Das sind dann unflexible Sesselkleber und Beamtennaturen.

RS69
 
00
26.9.2009, 11:00

Genau das ist aber die Aussage: Es gibt eben einen Utnerschied - Eben den, ob Sie Ihren Job so gestalten, dass SIE vorgeben, wann und wohin Sie wechseln, oder ob Sie einfach dahintreiben, und immer genau dann wechseln, wenn der Arbeitgeber "Danke, das war's" sagt.

Genau diesen aktiven Umgang mit den Rahmenbedingungen - oder eben das passive treiben lassen - kann man aus dem Lebenslauf raus lesen.

Bei ein bis zwei Wechseln mag ja mal was nicht gepasst haben - das stört nicht. Andere Wechsel führen zu einer Verbesserung - das kommt gut.

Immer wieder nach kurzer Zeit Wechseln lässt die Vermutung aufkommen, dass sie auch bei diesem Job nicht lange bleiben würden.

Sabine Werner
01
27.9.2009, 10:01

Lieber RS69,
das kann man sich aber nicht immer aussuchen!!!! Es gibt dabei auch Leute die viel Glück, und solche die viel Pech haben. Oder ist eine zweimalige Fusion, und bei der nächsten Firma ein Geschäftsführerwechsel der mit eisernem Besen alle "Alten" rauswirft auch eine Frage der persönlichen Schuld? Oder eine Karenzvertretung, die nun mal ein Jahr dauert, und nicht länger?

Management Quatscher
00
26.9.2009, 14:25

das kann man sich nur leider nicht immer aussuchen.

Wenn die Bude kracht, muss man wechseln, auch wenn das nicht geplant war und mit dem Wechsel kein Aufstieg verbunden ist.

Die "Motive" für den Wechsel kann man nur in einem persönlichen Gespräch erfahren und nicht aus einem 2seitigen Lebenslauf herauslesen (es gibt oft schon Gemeckere, wenn der Lebenslauf länger als eine Seite ist)

RS69
 
00
26.9.2009, 17:03

Klar - nicht immer. Aber jedesmal sollte einem das auch nicht passieren. Meist merkt man, wenn's nicht läuft. Und dann kann man schon auch reagieren.

Sabine Werner
01
27.9.2009, 10:02

Reagieren schon, aber so schnell wieder einen adäquaten Job zu finden ist nicht so einfach.

Alpha Centaurus
00
25.9.2009, 07:35
Aliens

Die Aliens sind unter uns. Die Außerirdischen wollen uns vernichten und weil bis jetzt alle Versuche erfolglos waren, versuchen sie es als Personalberater.

Und die Chance stehen nicht schlecht...

Management Quatscher
00
25.9.2009, 13:21

Widerstand ist zwecklos.
Sie werden beraten.

Doktor Juris
04
23.9.2009, 14:39
Interessant

ist die Branche schon so am Sand, dass man so eine kleine Bude als Sprachrohr für abeglutschte Gemeinplätze braucht?

Management Quatscher
00
23.9.2009, 20:09

man muss das umgekehrt sehen.

Eine Pimperlbude braucht auch Werbung.

Eine klassische Anzeige wird sich eine Pimperlbude nicht leisten können/wollen, deshalb das "Interview" hier im Karrierestandard.

Man kann sich Werbung auch ernetworken.

KTHXBYE
04
23.9.2009, 10:54
"Wer sich seine persönliche Strategie für seine Weiterentwicklung zurecht legt, hat gute Karten zukünftige Arbeitgeber mit seinem Weitblick zu beeindrucken"

Ich plane, geliebter Führer von Nordkorea zu werden. Habe ich jetzt den Job als Häuslputzer?

RS69
 
00
23.9.2009, 17:40

Soweit der Unterschied zwischen einer Strategie und feuchten Träumen.

KTHXBYE
01
24.9.2009, 09:07

Was sich dann in der Realität der durch solche Personaler herangezüchteten High Potentials dann auch niederschlägt. Richtig erkannt.

Wolfgang Oswald
02
22.9.2009, 23:42
Vergleiche: die 3 Lügen der Musiker

1. "Das klang schon ganz gut."

2. "Das Geld ist schon überwiesen."

3. "Wir werden Dich anrufen."

Da gibt's doch einen Haufen Parallelen?! ;)

Management Quatscher
03
22.9.2009, 21:02

... diese Berater sind immer für ein munteres Späßchen zu haben.



Doktor Juris
00
23.9.2009, 14:35

Richtig Herr Quatscher,

ich denke zuerst immer, Ach was, da kann ja eh nix kommen, aber wenn man diese Artikel/Interviews bis zum Ende durchhält, wird man fast immer mit einem gütigen Lächeln belohnt.

Aufpasser1
05
22.9.2009, 15:33
unruhige Lebensläufe

da muss ich immer lachen, wenn sich Personalisten in geschützten Werkstätten zu Leuten äußern, die durch Firmenpleiten, unakzeptable Arbeitsbedingungen und weil es einfach Branchen gibt, in denen es immer schon eine hohe Fluktuation gab, häufig den Job gewechselt haben. Diese sind nicht die Schlechtesten, wie meine Erfahrung gezeigt hat.

Doktor Juris
00
23.9.2009, 14:42

1. Die CV´s von Personalern sind auch nicht immer "ruhig"
2. Leute, die 35 Jahre das gleiche machen und daher einen dieser bevorzugten "ruhigen" Lebensläufen haben, die solln bevorzugt werden, meinetwegen, aber die tun mir unendlich leid.
(Wobei ich mir in diesem Fall nicht denken kann, dass bei so jemanden bei einer Potentialanalyse irgendwelche Managementkompetenzen herauskommen können)

Winter20
00
23.9.2009, 13:04
Unruhige Lebensläufe

sind gerade für Personalberater typisch. In Zeiten schlechter Konjunktur sparen viele Firmen in den HR-Abteilungen und da bleibt dann den HR-"Spezialisten" häufig nur der Weg in die Selbständigkeit.

Management Quatscher
05
22.9.2009, 21:21

Paradoxon der Personalberatung:

wer oft den Job wechselt ist schlecht
(Jobhopper, unzuverlässig)

wer lange in einem Unternehmen bleibt ist schlecht (unflexibler Sesselkleber)

Letztendlich wird eh derjenige genommen, der den Beratern am meisten sympathisch ist; möglichst jung weil billig ist auch ein großer Bonus - Qualifikation und Erfahrung hin oder her.

Wird natürlich nicht offen gesagt (weil sozial nicht akzeptable Antwort) aber halt umschrieben mit Floskeln wie "Soft Skills" und "ins Team passen" und "schauen nicht nur auf die fachliche Qualifikation".

Der übliche Berater-Quatsch. Hands-on, teamfähig, über den Tellerrand schauen, loyal, Weiterentwicklung, schöner Lebenslauf, .... bla bla bla

Sortini
04
22.9.2009, 15:10
Management Quatscher, wo bist du?

Wir brauchen dich hier...

Management Quatscher
03
22.9.2009, 20:59
Hands-on !

Ich bin schwer am Überlegen, ob ich mich gleich morgen von der Tante beraten lasse.

Einfach so. Nur zur Gaudi.




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