Personalberaterin Ursula Stowasser über Daumen, die nach oben zeigen, dünne Luft in Führungsetagen und strategische Berufsplanung für Einsteiger
derStandard.at: Einerseits werden derzeit viele Menschen gekündigt, andererseits wird kolportiert, dass trotzdem Mitarbeiter gesucht werden? Wie ist die Lage am Jobmarkt aus Ihrer Sicht?
Stowasser: Ohne Zweifel hat die vielbesprochene Wirtschaftskrise ihre Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Als kleines Unternehmen in der Personalberatung, das besonders nahe am Kunden arbeitet und auf langfristige Beziehungen zu unseren Kunden setzt, haben wir einen Einbruch aber nicht gespürt. Das mag daran liegen, dass wir wenige Konzerne, aber viele etablierte mittelständische Betriebe beraten.
Ja, es werden Mitarbeiter gesucht, und es sind auch hochqualifizierte Kandidaten am Markt. Wir sehen aber schon eine Veränderung bei unseren Kunden, vor allem in der Herangehensweise und bei den Bedürfnissen der Mitarbeiterauswahl. Ebenso sehen wir einen vermehrten Bedarf bei der Beratung in Sachen Organisationsentwicklung, das heißt Unternehmen sind bestrebt Bestehendes zu optimieren, wo sie früher vielleicht mehr auf Expansion gesetzt haben.
derStandard.at: Wie schauen die Chancen für Jobsuchende im Assistenz- und der Finanzbereich aus?
Stowasser: Der Assistenz- und der Finanzbereich, unsere Kernkompetenzen, müssen beide vertrauensvoll und hochwertig besetzt sein. Sollte ein Unternehmen Mitarbeiter abbauen müssen, sind es nicht diese beiden Bereiche, die zu allererst betroffen sind. Hands-on Typen und Kandidaten die über den Tellerrand hinausschauen und vorausschauend denken, haben sicher die besten Chancen. Wenn Teams effizient zusammenarbeiten müssen, ist es besonders wichtig, dass der Kandidat nicht nur die erwarteten Qualifikationen mitbringt, sondern auch, dass er in das Team passt.
derStandard.at: Welche Leute werden gesucht?
Stowasser: Eigenschaften wie Loyalität, Diskretion und Professionalität sind bei Assistentinnen und Assistenten besonders gefragt. Wer Stabilität und eine stetige Weiterentwicklung - beruflich wie persönlich - in seinem Lebenslauf vermitteln kann, wird immer gefragt sein. Fremdsprachen sind nach wie vor eine wichtige zusätzliche Qualifikation, da immer mehr Unternehmen international agieren. Wer einen "unruhigen" Lebenslauf vorweist, viele verschiedene Tätigkeiten in kurzen Abständen absolviert hat, könnte als unbeständig gelten und hat es in Zeiten wie diesen nicht einfach.
derStandard.at: Wie erleben Sie die Stimmung unter Job suchenden Führungskräften? Ist die Luft derzeit auch "oben" dünner?
Stowasser: Die anfängliche Irritation von Mitte/Ende 2008 weicht langsam aber sicher der Zuversicht, dass die Talsohle durchschritten ist. Haben sich Anfang dieses Jahres viele Manager noch ruhig und abwartend verhalten, tendieren jetzt etliche von ihnen wieder in Richtung Veränderung, suchen neue Herausforderungen. Ich glaube, dass uns ein spannender und positiver Herbst bevorsteht. Immer mehr Daumen zeigen nach oben und die Unternehmen fühlen sich wieder sicherer, was ihre Zukunftsplanung anbelangt.
derStandard.at: Was raten Sie Berufseinsteigern im Moment?
Stowasser: Wer noch nicht mit Erfahrungen im Arbeitsmarkt punkten kann, sollte besonders viel Wert auf perfekte Bewerbungsunterlagen und ein gepflegtes Auftreten bei Vorstellungsgesprächen legen. Wir haben immer mehr Anfragen von Berufseinsteigern, die Unterstützung suchen um einen optimalen Start in die Berufswelt zu schaffen. In diesen Workshops sitzen Jungakademiker genauso, wie Maturanten und ambitionierte Absolventen von Pflichtschulen.
derStandard.at: Wie die Karriere nun planen?
Stowasser: Wir empfehlen eine mittel- und langfristige Planung des Berufslebens. Wer sich seine persönliche Strategie für seine Weiterentwicklung zurecht legt, hat gute Karten zukünftige Arbeitgeber mit seinem Weitblick zu beeindrucken. Internationale Erfahrungen wirken sich ebenso positiv im Lebenslauf aus, wie Maßnahmen zur Persönlichkeitsentwicklung. Eine qualifizierte Berufspraxis parallel zum Studium erhöht den Wettbewerbsvorteil enorm und kann (fast) als Jobgarantie gesehen werden.
derStandard.at: Ist es für suchende Firmen in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation einfacher, gute Kräfte zu finden?
Stowasser: Wir sehen es als unsere Aufgabe als Personalberater, ausschließlich "gute Kräfte" zu vermitteln. Wie einfach oder schwierig das in der jeweiligen Situation ist, darf der Kunde gar nicht merken. In unserem Pool befinden sich qualifizierte Kandidaten, die wir jederzeit empfehlen können.
Viele Neukunden wenden sich an uns, weil sie sich dieser Aufgabe selbst nicht mehr gewachsen fühlen oder weil sie bei der Mitarbeitersuche in Eigenregie keine Erfolge erzielen konnten. Nach anfänglicher Euphorie aufgrund zahlreicher Bewerbungen, als Reaktionen auf Inserate direkt vom Arbeitgeber, folgt oft die Enttäuschung einer mageren "Ausbeute". Kunden mit diesen Selbsterfahrungen danken uns Personalberatern meistens mit besonderer Treue. (Marietta Türk, derStandard.at, 22.9.2009)