Japans Exporte schwächeln

26. August 2009, 16:50
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Japans exportabhängige Wirtschaft hat einen Dämpfer erlitten. Erstmals seit drei Monaten gingen die Ausfuhren im Juli wieder zurück

Japans exportabhängige Wirtschaft hat einen Dämpfer erlitten. Erstmals seit drei Monaten gingen die Ausfuhren im Juli wieder zurück. Schuld daran war vor allem schwache Nachfrage aus China.

Tokio/Berlin – Die Handelsbilanz der zweitgrößten Volkswirtschaft bestärkte zwei zentrale Zweifel an der ersehnten Erholung: Die weltweiten Konjunkturprogramme drohen wie ein Strohfeuer zu verpuffen, und die Lokomotive China scheint nicht so stark zu ziehen wie gedacht. Auch der Erholung im exportorientierten Deutschland fehlt offenbar noch die Substanz.

Der vielbeachtete Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts wies zwar eine deutlich bessere Stimmung in der Wirtschaft aus, die Experten halten die Entwicklung jedoch noch nicht für nachhaltig. Im August ist der Ifo-Index zum fünften Mal in Folge von 87,4 Punkten auf 90,5 Punkte gestiegen.

"Die japanischen Daten deuten darauf hin, dass die Erholung an Schwung verliert" , sagte Chef-Volkswirt Seiji Shiraishi von HSBC Securities. Damit sei fraglich, ob die Exportwirtschaft weiter Boden gutmachen könne, wenn die Konjunkturprogramme nun ausliefen, ohne dass die Nachfrage weltweit tatsächlich anspringe. Angesichts anhaltend schwacher Arbeitsmärkte dürften demnach weder in den USA noch in Europa Konsumenten das Rad weiter drehen und die Wirtschaft ankurbeln.

Die japanischen Exporte blieben im Juli auf bereinigter Basis um 1,3 Prozent unter dem Vormonat. Dies war das erste Minus nach zwei Monaten mit Aufschlägen. Zugleich beschleunigte sich der Rückgang der Exporte nach China. Auch die Ausfuhren in die USA ließen im Jahresvergleich stärker nach als im Vormonat. Damit blieb die Lage bei einem Gesamtrückgang der japanischen Ausfuhren um 36,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr denkbar schwach.

Weniger Stahlexporte

China führte im Juli fast ein Drittel weniger japanischen Stahl ein als noch vor einem Jahr, nachdem sich das Minus im Juni noch auf ein knappes Fünftel beschränkt hatte. Die Zahl machte Experten stutzig, die sie als Hinweis auf die Zugkraft des chinesischen Aufschwungs verstanden. Materialexporte nach China werden in den kommenden Monaten eine größere Aufmerksamkeit erhalten" , sagte Juno Nishioka, Chef-Stratege für Japan bei RBS Securities.

Auch insgesamt bezog China wieder weniger Produkte aus Asiens größter Wirtschaft: Japans Export in das Riesenreich ging um 26,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, im Juni belief sich das Minus noch auf 23,7 Prozent. Der Rückgang der Ausfuhren in die USA beschleunigte sich auf knapp 40 Prozent nach 37,6 Prozent im Juni. "Die Japaner sind ein typisches Beispiel für die asiatischen Exporteure" , sagte David Cohen von Action Economics in Singapur. "Und die Erholung von einer Rezession, die durch eine Finanzkrise ausgelöst wurde, verläuft einfach in der Regel schleppend." (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2009)

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    Japans vorläufiger Handelsbilanzüberschuss vervierfachte sich im Juli gegenüber dem Vorjahr auf vier Mrd. Dollar. Die Exporte fielen zwar im Juli um 36,5 Prozent, aber das wurde durch fallende Importe überkompensiert.

    Gesunkene Rohölimporte und eine schwache Binnennachfrage seien für den Rückgang verantwortlich.

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