Hitze bringt chronisch Kranke in Lebensgefahr

26. August 2009, 15:01
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Körper kann sich an Temperaturschwankung nur schlecht anpassen - Kühlung wird erst später aktiviert

Ottawa - Patienten mit chronischen Krankheiten und alte Menschen leiden am meisten unter den extremen Temperaturen im Sommer und befinden sich oft sogar in Lebensgefahr. Das berichten Forscher der Universität Ottawa im Canadian Medical Association Journal. Für Menschen der Altersgruppe ab 60 Jahren erhöht sich bei Hitze das Sterberisiko um bis zu 92 Prozent. Daneben leiden Senioren im Sommer oft an Krankheiten und Verletzungen, die von Hitze ausgelöst werden. Schlaganfall, Erschöpfung oder Hitzekrampfkönnen die Folgen sein. Auch Menschen, die an Fettsucht, Herzkrankheiten, Diabetes oder Atembeschwerden leiden, sind gefährdet. Der Grund: Alle diese Vorbedingungen reduzieren die Fähigkeit des Körpers, sich an Temperaturschwankungen anzupassen.

Ältere Körper kompensieren Hitze schlechter

Warum sonst gesunde Pensionisten so schlecht gegen die Hitze gewappnet sind, zeigten physiologische Studien im Labor. Im Alter spürt der Körper die Hitze erst später und kann viel langsamer mit kühlenden Maßnahmen reagieren, wozu etwa eine Änderung der Blutverteilung im Körper und Schwitzen zählen. Weiters verzögert sich auch die Fähigkeit, Durstgefühl zu entwickeln und rasch darauf zu reagieren, und die Erholung von einer Dehydrierung des Körpers ist weit langwieriger. "Ungeklärt ist, ob die verschlechterte Wärmeregulierung den ganzen Körper betrifft oder bloß die lokalen Mechanismen des Wärmeverlustes wie Schwitzen oder Blutfluss", so Studienautor Glen Kenny. Senioren mit niedrigem Einkommen und Bildungsstand waren in der Erhebung mehr gefährdet, was die Autoren auf die schlechtere Wohnqualität zurückführen, zudem auch Menschen in sozialer Isolation. Betroffen sind auch Obdachlose, da sie besonders schlecht vor extremer Hitze geschützt sind und zusätzlich oft an körperlichen oder geistigen Problemen leiden.

Das Thema Hitzeschutz bei alten Menschen wird in Zukunft immer aktueller werden. Denn wenn auch infolge der globalen Erwärmung kältebedingte Todesfälle zurückgehen, steigt die Zahl der jährlichen Hitzetoten. Der Landschaftsökologe Jürgen Breuste von der Universität Salzburg betont , dass sich besonders Städte immer mehr erwärmen, was entsprechende Gegenmaßnahmen auch seitens der Stadtplanung erfordere. "Grünflächen und Parks bringen für ihre Besucher, jedoch auch für die Atemluft der umliegenden Straßen Kühlung. Ihre nahe Verfügbarkeit ist somit besonders für die Gesundheit von Hitze-vorbelasteten Menschen wie etwa Pensionisten wichtig", so Breuste. 

Medizinisches Personal soll Vorkehrungen treffen

"Ärzte und Gesundheitsbedienstete sollen sich des Risikos stärker bewusst werden, damit sie Betroffene im richtigen Umgang mit Hitze beraten können", fordern die Autoren. Klimaanlagen verringern laut Studie das Sterberisiko um 80 Prozent, Ventilatoren immerhin noch 30 Prozent. "Bisher ist der Hitzeschutz bei Senioren vor allem in Pflegeheimen ein Thema", erklärt Peter Zeman vom Deutschen Zentrum für Altersfragen. "Das Pflegepersonal ist angewiesen, bei Hitze für eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr oder nach Möglichkeit für die Kühlhaltung der Räumlichkeiten zu sorgen." Durch solche Vorkehrungen konnten bisher Horrorszenarien wie die Häufung von Hitzetoten in Frankreich 2003 verhindert werden. (pte/red)

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    Ventilatoren senken das Hitzetod-Risiko um 30 Prozent

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