Kein Ende der Gewalt

26. August 2009, 14:27
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Justiz-Chef in Kunduz getötet - Taliban verurteilen Anschlag in Kandahar und weisen Verantwortung zurück

Kabul - In Afghanistan dreht sich die Gewaltspirale auch nach der Präsidentenwahl unvermindert weiter. Bei dem verheerenden Anschlag in der im Süden des Landes gelegenen Stadt Kandahar vom Dienstag sind nach jüngsten Angaben mindestens 43 Menschen getötet worden. 65 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Innenministerium am Mittwoch in Kabul mit. Bei den Opfern handle es sich ausschließlich um Zivilisten. Unter ihnen ist auch ein lokaler Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), wie die Organisation bestätigte.

Justiz-Chef von Kuduz getötet

Bei einem von Taliban verübten Bombenanschlag in Kunduz im Norden ist am Mittwoch der Chef der Provinz-Justizbehörde, Kari Jahangir, ums Leben gekommen. Ein Sprengsatz sei am Morgen in dem Wagen des hohen Beamten explodiert, als dieser auf dem Weg zur Arbeit gewesen sei, wie Provinz-Polizeichef Abdul Razak Yakubi mitteilte. Ein Taliban-Sprecher sagte, Kämpfer hätten die Bombe in dem Wagen versteckt und ferngezündet.

Taliban weisen Verantwortung zurück

Die Taliban haben jede Verantwortung für den Anschlag in Kandahar zurückgewiesen und die Tat verurteilt. "Wir waren an dem Anschlag nicht beteiligt", sagte Taliban-Sprecher Kari Yussif Ahmadi der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. "Wir verurteilen den Angriff scharf." Ein Hotel und zwölf Wohnhäuser seien bei dem "antiislamischen Angriff" in der früheren Taliban-Hochburg am Dienstagabend vollständig zerstört worden, teilte das Innenministerium mit. Zum Zeitpunkt der Detonation hatten sich viele Afghanen zum abendlichen Fastenbrechen während des Ramadan in ihren Häusern oder in Restaurants versammelt. Nach Angaben der Provinzregierung in Kandahar sind unter den Toten vier pakistanische Mitarbeiter einer japanischen Baufirma.

Der Polizeichef der Südregion, Gholam Ali Wahdat, sagte, der Sprengstoff sei in einem Lastwagen versteckt gewesen. Die Behörden hatten zunächst von mehreren Autobomben gesprochen. Neben Präsident Hamid Karzai verurteilten die Vereinten Nationen und die USA den Anschlag.

Erste Teilergebnisse

Zu dem Anschlag war es kurz nach Kundmachung der ersten Teilergebnisse der Präsidentschaftswahl gekommen, zu deren Boykott die Taliban aufgerufen hatten. Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) hatte am Dienstagabend Ergebnisse aus rund zehn Prozent der Wahllokale bekanntgegeben. Nach diesen Trends liegt Amtsinhaber Karzai nur etwa zwei Prozentpunkte vor seinem wichtigsten Herausforderer, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah.

Die IEC wollte am Mittwochabend in Kabul weitere Teilergebnisse veröffentlichen. Sollte sich der Trend fortsetzen und keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielen, wäre ein zweiter Wahlgang notwendig. Dann würden Anfang Oktober nur noch die beiden stimmenstärksten Kandidaten antreten. Abdullah hat dem Karzai-Lager Manipulationen vorgeworfen. Bei der Beschwerdekommission waren bis Dienstag beinahe 800 Beschwerden über den Wahlverlauf und die Modalitäten der Stimmenauszählung eingegangen. Die Zahl der Wahlberechtigten wurde von 17 auf 15 Millionen herabgesetzt. (APA/AFP)

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    Das endgültige Wahlergebnis liegt noch nicht vor.

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