Causa Alijew

Justiz soll Beziehung von "Folterer" Alijew und Landeschef Pröll klären

26. August 2009, 16:57
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    foto: apa/techt

    Armangul Kapasheva und Sholpan Khasenova fahren schwere Geschütze auf: Um Ex-Botschafter Alijew rechtlich belangen zu können, klagen die Kasachinnen die Staatsanwaltschaft, die Bezirkshauptmannschaft Horn und - wegen Menschenrechtsverletzung - die Republik Österreich.

Kasachinnen zeigen Staatsanwalt und Bezirkshauptmannschaft an - Anwälte wollen Auslieferung oder Prozess gegen kasachischen Ex-Botschafter erzwingen - Alijew will im U-Ausschuss reden

"Es reicht!" Mit großen Transparenten rufen Armangul Kapasheva und Sholpan Khasenova zur Anklage. Die beiden kasachischen Frauen vermissen ihre Ehemänner. Sehr viel spricht dafür, dass sie getötet wurden. Eigentlich alles. Wen klagen Kapasheva und Khasenova aber an? Zum einen Rakhat Alijew, früher mächtiger Politiker in Kasachstan, dann kasachischer Botschafter in Wien, heute untergetaucht. Zum anderen die österreichischen Behörden, die österreichische Justiz, die Alijew weder an die kasachische Justiz ausliefert noch selbst ausreichend ermittelt, wie die beiden Frauen kritisieren.

Aber der Reihe nach: Kapasheva und Khasenova stehen mit ihren Transparenten vor dem österreichischen Parlament. Die Plakate zeigen Fotos ihrer eigenen Kinder, die ihre Väter verloren haben. Umringt sind die Frauen von Anwälten, Anwaltsgehilfen, Journalisten, Pressefotografen. Die Wiener Anwaltskanzlei Lansky, Ganzger & Partner macht jetzt nämlich Druck, dass Bewegung in den Fall Alijew kommt, der für die Staatsanwaltschaft, wie die Kanzlei beklagt, gar kein Fall mehr sei.

"Gewalttäter" Alijew unbehelligt

Anwalt Gabriel Lansky scheint sich, was Alijew betrifft, jedenfalls sicher zu sein. Der ehemalige Chef der kasachischen Finanzpolizei und frühere stellvertretende Außenminister, der bei seiner Regierung in Ungnade gefallen war und im Falle einer Auslieferung wohl um sein Leben fürchten müsste, sei "ein Schreckgespenst", sagt Lansky, "ein Schwerverbrecher", der eine "Blutspur" hinter sich gezogen und der persönlich gefoltert habe. Doch es geht schon lange nicht mehr nur um Alijew. "Wie kann es sein, dass dieser Mann jahrelang in Saus und Braus leben kann, von den Sicherheitsbehörden, von der Justiz geschützt", bringt es Rechtsanwältin Anna Zeitlinger auf den Punkt.

Lansky bläst daher zum dreifachen juristischen Angriff: Es wurde Anzeige erstattet wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs in der Bezirkshauptmannschaft (BH) Horn. Diese hatte Alijew und seinem Anhang, sagt Lansky, innerhalb von zwei Tagen sämtliche Aufenthaltstitel genehmigt, nachdem Alijew aus unbekannten Gründen beschlossen hatte, seinen Wohnsitz von Wien nach Niederösterreich weg zu verlegen. Zweitens gibt es eine Strafanzeige gegen die Staatsanwaltschaft Wien, weil nicht ausreichend ermittelt worden sei. Konkret greift Lansky Staatsanwalt Peter Seda an. "Wenn der Herr Dr. Seda den kasachischen Standard" in Rechtssachen eingehalten hätte, zürnt der Anwalt, "dann wüssten wir vielleicht, wo die beiden vermissten Männer heute sind". Zu guter Letzt bemühen die Anwälte den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, denn die Verweigerung der Akteneinsicht durch die Opfer sei als eine Verletzung der Opferrechte zu sehen. Geklagt wird hierbei die Republik Österreich.

Hoffnung auf U-Ausschuss

Dass die Pressekonferenz zeitgleich abgehalten wird mit der Vereidigung der Mitglieder des parlamentarischen U-Ausschusses, in dem es ja auch um Kasachstan gehen soll, bestreiten die Kläger nicht. Kapasheva, die ihren Ehemann seit zweieinhalb Jahren vermisst, sagt, sie setze "sehr große Hoffnung" ins Parlament, denn sie habe bereits aufgegeben, "im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens die Wahrheit" zu finden. Konkret soll im Ausschuss - neben zahlreichen anderen Punkten - die Beeinflussung durch Geheimdienste, etwa des kasachischen, untersucht werden, der möglicherweise Politiker für seine Zwecke einspannte. Ein solcher Zweck könnte auch die Auslieferung des in Ungnade gefallenen Ex-Botschafters Alijew gewesen sein.

Lanskys Partner, der Rechtsanwalt Gerald Ganzger, zu seinen Erwartungen an den Ausschuss: "Wir sind gelernte Österreicher. Solche Ausschüsse können eine eigene Dynamik bekommen, und es wäre für die politische Hygiene auch wichtig", die offenen Fragen rund um die De-facto-Immunität Aliyevs (Nicht-Auslieferung an Kasachstan plus Nicht-Ermittlung in Österreich) zu untersuchen. Noch nie habe er, Ganzger, "einen Fall erlebt, in den Politik und Justiz so verwoben sind".

Rolle von Landeshauptmann Pröll unklar

Diese Interpretation legt auch Lansky nahe, wenn er erzählt, der frühere kasachische Geheimdienstchef Alnur Mussajew habe von "engsten Beziehungen" Alijews zum Innenministerium und zum "'governor' von Niederösterreich", also Landeshauptmann Erwin Pröll berichtet. Zwar beeilt sich Lansky zu sagen, er könne die Wahrheit dieser Behauptungen nicht beurteilen. Auf Nachfrage meint er aber, er würde es befürworten, wenn sich die Justiz dieses Verhältnis näher ansehe, zumal die Niederlassungsbewilligung für Alijew und seine Freunde von der BH Horn durchaus schnell bearbeitet wurde.

Tatsächlich wurde beim rasanten Behördenweg von hoher Stelle nachgeholfen, wie Leopold Grünner, Leiter der Innenrevision in der niederösterreichischen Landesregierung, im Gespräch mit derStandard.at verrät. Laut Akt gab es eine Weisung durch die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit (im Innenministerium), dadurch habe die die BH - weil weisungsgebunden - eben "flotter gemacht", so Grünner. Er erkenne aber keine Unregelmäßigkeiten seitens der BH Horn. Die Bewilligung für Alijew sei "sehr rasch" erteilt worden, was für Grünner aber wegen der Weisung des Ministeriums "nicht besonders überraschend" sei. Im vorliegenden Akt kann Grünner jedenfalls "keine Ausschlussgründe" sehen, warum Alijew die Niederlassung in Horn verweigert werden hätte sollen. Aus welchem Antrieb der Kasache sich "in Horn und nicht in Dripsdrü" ansiedeln wollte, könne er natürlich nicht sagen, dafür sei die BH auch nicht verantwortlich.

Alijew will im U-Ausschuss sprechen

Ex-Botschafter Alijew selbst meldete sich am Mittwochnachmittag per Aussendung ebenfalls zu Wort: Auch er hoffe auf Aufklärung durch den U-Ausschuss, allerdings insofern, dass "die Angriffe und gezielten Desinformationen" gegen ihn, die "mit großem Aufwand von kasachischen KGB-Agenten gesteuert und in österreichischen Medien platziert" würden, dort entkräftet werden sollen.

Ex-Geheimdienstchef Mussajew, der ihn massiv angegriffen hatte, sei "genauso Opfer dieses diktatorischen Systems (der aktuellen Machthaber in Kasachstan, Anm.) wie die bemitleidenswerten beiden Ehefrauen" der offiziell verschollenen beiden Männer, deren Entführung "absurderweise" ihm angelastet werde. Alijew, der sich selbst als verfolgten "Oppositionspolitiker" sieht, glaubt, dass die beiden Männer noch am Leben und vom kasachischen KGB-Geheimdienst unter Hausarrest gehalten werden. Er habe volles Vertrauen in Österreichs Justiz und Behörden und wäre "selbstverständlich" bereit, auch im Ausschuss seinen "Beitrag zur Aufklärung kasachischer KGB- Geheimdienstaktivitäten in Österreich" zu leisten.

Wie weit der parlamentarische U-Ausschuss im juristischen Verwirrspiel tatsächlich helfen kann, bleibt abzuwarten. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 26.8.2009)

Kommentar posten
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walter1899
02
Pröll als Spion?

Oder Unterstützer?
Wieso geht es in dieser Causa nur gegen die beiden Regierungsparteien?
Ich würde auch bei der FPÖ einmal genau nach gucken!

Wr. Bezirksrätin 83
 
01
31.8.2009, 10:13
österreichischer Pass (& Staatsidentität) kann in Östistan GEKAUFT werden

mit ein paar Millionen Euro..wievielen genau, weiß ich jetzt nicht genau.

Aaaaber; sowas ist ein gutes Geschäft.

Weltweit sinds nur wenige Länder, in denen das käuflich ist..

Ob das dahinter steckt?

Der Onkel aus Bananistan
 
00
28.8.2009, 23:45
Weiß man, was der Mann ausgerechnet in Horn gemacht hat?


Wollte er ins Konvikt eintreten und als "Pater Harmlos" untertauchen?

Oder: Was haben dem Pröll die Horner getan, dass er ausgerechnet DENEN ein solches Sicherheitsrisiko antun wollte?


Wer Angst schürt ist ein Staatsfeind!
10
Vielleicht hat er ins Horn geblasen?

Soviel Unsinn hab ich noch nie gehört!
ich bin nicht unbedingt für die ÖVP aber kann man nicht zu einem anderen Thema gehen?

per verser
13
29.8.2009, 11:44

in horn sitzen besonders treue schwarze, das ist eine hochburg dieser bande.

Trommler
11
27.8.2009, 14:00
mich

würde ja schon interessieren, wer diesen beiden "ach so armen" witwen die reisen durch europa und so "billige" anwälte wie lansky bezahlt... da steckt doch wieder der geheimdienst dahinter, aber diesemal geschieht es direkt vor dem parlament... echt traurig ist das.

fabian
04
27.8.2009, 18:32
dieser trommler ist ...

... ganz unmissverständlich neu, attraktiv, zielstrebig und ideenreich.

DeaMeista
01
27.8.2009, 12:44
Rolle von Landeshauptmann Pröll unklar

Statist?

Hansi Huber
07
27.8.2009, 12:11
Weisung

und alle sind glücklich und zufrieden.

Der Herr LH Pröll wusste ja auch nicht, was er tat und außerdem wollte er niemandem schädigen und überhaupt hat der Hund der Nichte ihn dazu angestiftet...

Saskia Fabian
 
01
28.8.2009, 08:07
genau, denn nicht zu wissen was man eigentlich tut, ist eine der voraussetzungen um in der bananenrepublik landeshauptmann zu werden

Dormouse
23
27.8.2009, 10:54

das wars dann mit der präsidentenwahl tät ich sagen...österreich, das land der weisungen :D

Thousand
10
27.8.2009, 10:27

"...dadurch habe die die BH - weil weisungsgebunden - eben "flotter gemacht", so Grünner."

deutsche Sprache schwere Sprache

oder hat auch bei dieser Berichterstattung der kasachische Geheimdienst seine Finger im Spiel?

DnaDoc
03
27.8.2009, 09:42

Was sind das nur für Zustände in unserem Land?
Gewaltentrennung ist offenbar ein Fremdwort für unsere Politiker, Justiz- und Exekutiv- und sonstige Beamte geworden.

An den Standard: Dank der guten Recherchen von Journalisten sind ja in letzter Zeit einige Fälle von Verflchtungen zwischen Polizei, Justiz und Politik aufgedeckt worden. Macht es Sinn, einen zusmmenfassenden Artikel der Fälle alleine der aktuellen Legislaturperiode zu machen, in denen die Gewalten des Staates in Hörigkeit bzw. Gefälligkeit agierten, um sich nicht zu besudeln?
Mir kommt vor, es wird immer leichter für best. Akteure, sich über gesetzliche und moralische Grenzen hinwegzusetzen. Dabei kommen sie ja ihrer eigentlichen Aufgabe oft mit Nichten nach.

observer1002
01
27.8.2009, 12:56
Vielleicht sogar "mit Nichten und Neffen ..."?

Flann O'Brien
310
27.8.2009, 08:51

Dubiose Plutokraten erhalten in kürzester Zeit Aufenthaltstitel, unbescholtene 16-Jährige werden abgeschoben. So schaut sie aus, die christliche Nächstenliebe der ÖVP.

Walter Tiefenthaler
511
27.8.2009, 02:49
proell...

...waere hervorragend als diktator einer bananenrepublik geeignet gewesen. leider hat er die verheissung 'schatz im silbersee' nicht erfasst. aber beamter ist auch gut...

per verser
11
29.8.2009, 11:47

sie verkennen sie situation gründlich: pröll ist quasi diktator - seine bananenrepublik heißt niederösterreich. es ist eine schattendiktatur. schattendiktatur ist überhaupt eine spezialität der övp genrell, spätestens seit schüssel.

eine kostprobe:

http://www.youtube.com/watch?v=GxOnpOAZXyQ

und so einer soll bundespräsident werden?

Walter Tiefenthaler
00
29.8.2009, 13:51
sie haben recht...

...aber so meucheln und foltern, wie er gern wuerd kann er halt doch nicht...

hellfast
02
27.8.2009, 01:59

ein ziemlich kurzer artikel zu einem sehr verwirrenden fall. man möge sich die falter artikel vor 6-8wochen dazu zu gemüte führen.

nur soviel: kasachstan ist keine demokratie, und die art, mit der der geheimdienst versucht hat, alijew nach kasachstan zu bringen, wirft auch viele rätsel auf...

charly K.
12
27.8.2009, 09:19
kasachstan ist keine demokratie

na, ist vielleicht pröllistan eine?

Kanister
00
27.8.2009, 12:15
Auf dem Papier, ja.

Demokratische Mitbestimmung jenseits der VP verbaut sich das Wahlvolk jedoch von Mal zu Mal selbst.

Selbst gewählt, selbst schuld - Bauernschädln halt

rundblicker
00
27.8.2009, 11:13

BITTE übersiedeln Sie nach Kasachstan!

dieBestatter2009
02
27.8.2009, 12:35

Mir ist lieber sie gehen.
Leute was Übersiedelungswünsche posten sind die ärmsten unter uns geistigen Eliten.

Wo wollens hin ?

tramezzino
00
27.8.2009, 10:11

ja - auch wenn man kein övp wähler ist. ziemlich dumme polemik.

Thoumääääs
00
27.8.2009, 10:04
jop

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