Europäisches Technologie-Institut: Ein KIC-Antrag aus Österreich

26. August 2009, 13:50
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TU Graz leitet Antrag im Energie-Bereich - Zweites heimisches Vorhaben gescheitert - Mehrere Beteiligungen an ausländischen Projekten

Nur ein Konsortium unter österreichischer Leitung hat sich um die ersten Wissens- und Innovationsgemeinschaften (Knowledge and Innovation Community, KIC) des im Aufbau befindlichen Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) beworben: die Technische Universität (TU) Graz mit einem "Europazentrum für nachhaltige Energie". Eine zweite Initiative um den Gründer und Leiter des Software Park Hagenberg, Bruno Buchberger, platzte im Zuge der Antragsvorbereitung. Weitere Bewerbungen unter österreichischer Führung waren im Infrastruktur- und Wissenschaftsministerium nicht bekannt. Es gibt aber österreichische Einrichtungen, die als Partner in anderen KIC-Anträgen unter ausländischer Führung auftreten.

"eCANDO"

Die Ausschreibung der ersten KICs endet am Freitag (27.8.). Die Entscheidung fällt gegen Ende des Jahres. An der Bewerbung der TU Graz unter dem Titel "eCANDO" sind auch Forscher der TU Wien als Partner beteiligt.

Ein zweites KIC unter österreichischer Führung ist bereits während der Antragstellung gescheitert: Buchberger hatte im Bereich Informationstechnologie (IT) ein Projekt zum Thema Innovationen für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) geplant gehabt. Doch in Deutschland durften laut Buchberger Unis im selben thematischen Bereich nur bei einem Antrag vertreten sein - der ursprünglich geplante Partner der Oberösterreicher sprang deshalb ab, es folgten "im Schneeballeffekt" weitere, so Buchberger gegenüber der APA.

"Innovation for MegaInformation-Communication"

Nun ist der Softwarepark Hagenberg, gemeinsam mit der Uni Linz, nur mehr als Partner in einem anderen Bewerberkonsortium vertreten, das laut Infrastrukturministerium unter dem Titel "Innovation for MegaInformation-Communication" (iMIC) läuft. An einem weiteren Antrag im Bereich IT sind laut Wissenschaftsministerium Forscher der TU Wien als Partner im Projekt "Future Internet Innovation Institute" (F3i) mit dabei, koordiniert wird es von der Universidad Politecnica de Madrid (Spanien). Unter Beteiligung der TU Wien sowie des Austrian Institute of Technology (AIT) wird vom bereits bestehenden Cluster "Energy Hills" mit Zentrale in Aachen (Deutschland) ein KIC-Antrag im Bereich Energie eingereicht, das Schwerpunktthema sind nachhaltige Städte.

Das Infrastrukturministerium hat den österreichischen Teilnehmern für den Fall einer erfolgreichen Einreichung bereits insgesamt 6,4 Mio. Euro für 2010 bis 2013 aus dem Klimafonds und Forschungsprogrammen des Ressorts reserviert: So könnten aus dem Ressort von Ministerin Doris Bures (S) bis zu maximal vier Mio. Euro an das Grazer Projekt "eCANDO" fließen. Beim Wissenschaftsministerium könnte es für die Grazer Forscher im gleichen Zeitraum ebenfalls bis zu vier Mio. Euro geben. Für die heimischen Teilnehmer sind in Hahns Ressort 2010 bis 2013 insgesamt rund acht Mio. Euro - für den Fall erfolgreicher Bewerbungen - geparkt.

Keimzelle

Die Etablierung eines KICs zählt derzeit sicherlich zu einem der prestigeträchtigsten Projekte in Europa, bilden sie doch künftig millionenschwere "Keimzellen" der Forschung des EIT mit Hauptsitz in Budapest. Im Zuge der ersten Ausschreibung sollen bis zu drei KICs gebildet werden, Anträge müssen zumindest in einen der Bereiche Energie, Klima und Informationstechnologien (IT) fallen. Die KICs mit einer Laufzeit von sieben bis 15 Jahren, bestehen aus Partnerschaften zwischen Industrie, Forschungseinrichtungen und Unis, sie sollen innovationsorientierte Spitzenforschung und Ausbildung betreiben. Sie sind mit bis zu 100 Mio. Euro Umsatz pro Jahr angesetzt, wobei rund 25 Prozent aus den Budgettöpfen des EIT fließen - weitere Mittel kommen aus öffentlicher Hand und von Unternehmen.

Das EIT soll als Flaggschiff der Forschung in Europa aufgebaut werden. Dabei ist es mehr ein "virtuelles Institut" mit Verwaltungssitz in Budapest, seine Forschungszentren sind die KICs. Derzeit läuft der Auswahlprozess des Direktors für das EIT. Dieser werde vermutlich nicht vor Mitte September feststehen, hieß es seitens des EIT. (APA)

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