"Putsch von innen"

Milizverbände: Landesverteidigung vor dem Kollaps

26. August 2009 13:31
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    Foto: apa/ hochmuth

    Laut den Milizverbänden soll die Landesverteidigung "vor dem Kollaps" stehen.

Milizsoldaten richten schwere Vorwürfe gegen Polit- und Militärführung - Generalstabschef weist Kritik zurück

Wien - Mit einem dramatischen "Hilferuf" hat am Mittwoch die Miliz vor einem Kollaps des Bundesheers gewarnt und schwere Vorwürfe gegen Polit- und Militärführung erhoben. Michael Schaffer, Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände, sprach von einem schleichenden "Putsch von innen". Das in der Verfassung verankerte Milizsystem würde absichtlich ausgehungert und runtergefahren. Das Bundesheer könne für Einsätze längerer Dauer nur noch etwa 5.000 Soldaten aufbringen, sagte Schaffer, der angesichts dieser Entwicklung "schon längst" den obersten Befehlshaber, Bundespräsident Heinz Fischer, "am Zug" sieht."

Der "absichtliche" Abbau der Miliz sei durch die Abschaffung von Truppenübungen, die Verkürzung der Wehrdienstzeit, die Auflösung von Milizverbänden und fehlende Rahmenbedingungen für die Rekrutierung vorangetrieben worden. Vom 55.000 Mann starken Bundesheer sind 24.000 Berufsbedienstete. Für die vorgesehenen 30.000 Milizionäre würden nur etwa 0,6 Prozent des Gesamtbudgets von rund zwei Mrd. Euro verwendet.

Landesverteidigung "vor dem Kollaps"

Das am Papier 55.000 Mann starke Militär könne nur noch 5.000 bis 7.000 ausgebildete Soldaten für einen militärischen Einsatz aufbringen. Einsätze könnten auch nicht länger als zwei bis drei Wochen aufrechterhalten werden. Die gerne behaupteten 10.000 Soldaten würden lediglich für Einsätze kurzer Dauer mit frisch Eingerückten, mit Kanzleipersonal, Köchen und Kraftfahrern erreicht. Damit sei nicht nur die Bundesheerreform gescheitern, sondern die gesamte Landesverteidigung gefährdet. Diese stünde "vor dem Kollaps". Im Falle der Nichtbesinnung an das Verfassungsgebot der milizartigen Heeresstruktur wäre auch die allgemeine Wahrpflicht obsolet.

Der politischen Ressortführung warf Schaffer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Salzburger Bataillonskommandanten Gernot Schreyer und dem Präsidenten des Vorarlberger Militärverbandes, Manfred Bauer, vor, seit Jahren nur persönliche und parteipolitische Interessen zu verfolgen. Das Verteidigungsministerium sei seit Robert Lichal (V - Minister von 1987 bis 1990) von keinem Fachminister mehr geführt worden. Verantwortlich für die "Demontage" der Miliz sei auch der Generalstab - "der Fischkopf stinkt zum Himmel", so Bauer. Die Soldaten hätten "jegliches Vertrauen" in die Politik und in die Militärführung verloren.

Generalstabchef weist Darstellung der Milizverbände zurück

Der ehemalige Milizbeauftragte und jetzige Generalstabschef Edmund Entacher hat die Kritik der Milizverbände, die er in einer Aussendung als "Verein" bezeichnete, als "überzogen" zurückgewiesen. "Die Aussagen entsprechen nicht der Realität", so Entacher. Außerdem sei es fragwürdig, von einem "Putsch" zu sprechen, den es nicht gebe, sagte der oberste General. Die Milizionäre hatten am Mittwoch der Führung vorgeworfen, das Milizsystem absichtlich auszuhungern und und vor einem "Kollaps" des Bundesheeres gewarnt.

Entacher gestand, dass das Bundesheer "in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen und unter Budgetdruck steht". Diesen Herausforderungen müsse man sich aber als Soldat stellen und "sie sind bewältigbar". Die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres sei jedoch "im erwartbaren Spektrum gegeben". "An der Einsatzbereitschaft und Auftragserfüllung des Bundesheeres besteht auch in den kommenden Jahren kein Zweifel", so der General.

Für innerösterreichische Einsätze stünden, etwa 5.000 voll ausgebildete Soldaten und etwa 5.000 Soldaten als Hilfskräfte, also insgesamt 10.000 Soldaten, zur Verfügung. Erst vor wenigen Wochen habe das Bundesheer im Hochwasser-Einsatz bewiesen, zu welchen Leistungen es fähig sei. "Mit Stichtag heute stand das Bundesheer mehr als 238.000 Stunden im Hochwassereinsatz zum Schutz der Bevölkerung", sagt Entacher. "Dies ist neben den Aufgaben im Grenzraum und den Auslandseinsätzen möglich."

"Der Befüllungsgrad der Milizeinheiten liegt derzeit bei über 90 Prozent." Das hieße aber nicht, dass die Miliz nicht weiter attraktiviert und gestärkt werden müsse. "Insbesondere müsse die volle Übungsfähigkeit hergestellt werden. Daran arbeiten wir", so der General. (APA)

 

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Martha B.
09.09.2009 11:09
Wir haben schon vor 20 Jahren auf dem letzten Loch gepfiffen.

Warum soll das heute besser sein?
Ich finde, der Artikel beschreibt ganz gut, was los ist.
Mann von Martha, Milizoffz

Börek Obama
22.12.2009 10:47

eine frage an den hern offizier. wenn ich während einer bevorstehenden übung voraussichtlich im ausland sein werde beruflich, habe ich da mit konsequenzen zu rechnen bzw. wie handle ich das am besten?

coder24
09.09.2009 14:11
Bei der Miliz ists leider echt ein Trauerspiel :(

Die letzte *wirkliche* Übung an der ich teilgenommen hab war so um 2002 oder 2003.
(Also wo echt mal eine vollständige Kompanie Milizler da war und nicht nur eine "Kaderübung").

Bzgl. Situation bei Ausrüstung & Material etc. brauch ich ihnen sicher nichts erzählen ...

mfg,
ein MilizUO

Strudel Pudel
31.08.2009 09:30

Eine seriöse Sicherheitspolitik müsste Gelder dort verwenden, wo es wirkliche Bedrohung gibt.
z.B. Gewalt in der Familie, da wird aber nur ein Bruchteil dessen investiert, was das Militär kostet.
Oder bei der Polizei. Man denke z.B. daran wie oft Kellnerinnen von unangenehmen Gästen belästigt werden. Oder Einbrüche und sonstige Kriminalität.
Für die Polizeiarbeit, insbesondere für die Prävention ist kein Geld da. Aber für Militär-Spielzeug schon. Vielleicht weil die Anbieter von militärischem Gerät den Parteien mehr Geld sponsern können?

LL MM
29.08.2009 22:07

Gott sei Dank gibt es nicht mehr diese Miliz-Zwangsverpflichtung. Das war an Sinnlosigkeit nicht mehr zu überbieten.

Saurer Zivi
30.08.2009 13:35
Ich mach Ihnen ein grünes Stricherl - weil Sie einen wichtigen Beitrag geleistet haben.

Es gibt eben manche in Ö, die den gesamten Moloch der Ergänzungsabteilungen (von der Verlautbarung auf dem Bezirksämtern aller wehrpflichtigen Jungbürger "sog. Proskriptionslisten", Einberufung über Verwaltung bis zur Rechtsabteilung) auf jeden Fall erhalten sehen wollen.

Obwohl sich das System, wie Sie es aus eigener Erfahrung durschnittlich und richtig beurteilt haben, vollkommen obsolet u anachronistisch darstellt.

saxophon
09.09.2009 11:48

Und woher bekommt Ö dann im Ernstfall genügend Soldaten, Du Schlaumeier?
Diese Grundsatzfrage wurde bislang noch nie beantwortet.

Soph Isticus
09.09.2009 13:40
woher bekommen andere Länder OHNE wehrpflicht genügend soldaten?

woher bekommt Ö genügend Lehrer_innen, genügend Arbeiter_innen für den Straßen- und Hausbau?

Genügend Ärtzte?

Warum sollte für Soldaten etwas anderes gelten??

Paul Dresten
09.09.2009 21:08
Die bekommen ja auch nicht genug Soldaten.

saxophon
09.09.2009 16:36

Weil es sich hier um die Landesverteidigung handelt, und die durch spezielle Eigenschaften gekennzeichnet ist.
wie z.B.
*)plötzlicher, massiv erhöhter Personalbedarf.
Darum Wehrpflicht, damit die jene die einst den Grundwehrdienst absolvierten, einberufen werden können.

*)Finalität
Wenn bei der LV etwas schiefgeht, dann sind die Folgen massiv und möglicherweise unumkehrbar.

*)höchste Gefahr für die handelnden Personen
Weshalb viele versuchen der Situation auszukommen, auch Berufssoldaten. Aus Sicht des Einzelnen verständlich, aber für den Staat und seine Bevölkerung schlecht.

Saurer Zivi
09.09.2009 22:25
das war ev mal so, vor 30-50 Jahren. der Faktor des Internets zur Völkerverbindung und damit Wahrung des Weltfriedens ist noch

unerforscht, aber ich wage zu behaupten er ist gewaltig.

ich wage zu behaupten, dass viele menschen dadurch einfach "fauler" geworden sind. man geht nicht mehr auf die bank, nicht mehr aufs postamt, in den supermarkt nur noch, wenn man sich die home-delivery nicht leisten kann, in bibliotheken auch nicht mehr, weil vieles downloadable ist.

warum sollten wir nun in den krieg gehen wollen? diese idee wird heute vielen menschen noch abstruser u suspekter als sie ihnen schon vor 30-50 j war. damals gab es noch die bösen Russen! dieselben, deren Erdgas uns jährlich wärmt!

gegen wen wollen Sie krieg führen, wenn der durschnittliche österreicher intensive kontakte mit personen aus dem ausland unterhält?

das feindbild ist gestorben.

saxophon
11.09.2009 09:40

Ohne Kommunikation gibt es keinen Krieg, neue Kommunikationsmittel waren daher immer eher kriegsfördernd, und Kommunikationseinrichtungen immer das erste Angriffsziel(z.B. Unterwasser-Telefonkabel im 1. Weltkrieg).
Und das Internet hat z.B. schon die Organisation von Revolten erleichtert.

saxophon
10.09.2009 07:51
Es gibt kein Ende der Geschichte und somit auch kein Ende der Kriegsgeschichte

Das Internet wird übrigens bereits als Kriegsmittel und Machtdemonstration eingesetzt.
So kappten die Amerikaner im Februar 2008 mehrere Glasfaserkabel um den Internetverkehr im Nahen Osten zum erliegen zu bringen.
Hintergrund:
Saudi-Arabien wollte eine eigenständigere Finanzpolitik machen, mit der langfristigen Aussicht Öl in Euro statt in Dollar zu verkaufen.
Gleichzeitig wollte SA eine Annäherung an den Iran und der Iran wiederum öffnete gerade eine neue Öl-Börse.
Der wirtschaftliche Schaden für den Nahen Osten war enorm, auch für Ägypten(Kollateralschaden)
Putin lies damals russische Kampfbomber aufsteigen(offiziell Manöver), um die Verbindungen nach Rußland zu schützen. Diese wurden nicht angerührt.

saxophon
10.09.2009 07:46

[...]warum sollten wir nun in den krieg gehen wollen?[...]
Warum sollten sie im Zivilleben überfallen, vergewaltigt, ausgeraubt oder ermordet werden wollen?
Weil sie sich die Welt in der sie leben müssen, nun einmal nicht aussuchen können.
Wer vernünftig ist, der lernt sich zu verteidigen, bevor der Ernstfall eintritt.
LV ist nichts anderes auf der staatlichen Ebene.
Du machst einen klassichen, typischen, uralten Denkfehler: Der Überbringer der schlechten Botschaft ist für Dich der Schuldige.
Gleiches Prinzip: Der türkische Sultan lies früher den Überbringern schlechter Nachrichten den Kopf abhacken.
Übrigens sterben noch immer Millionen Menschen jährlich in zahlreichen Kriegen. Internet oder SMSen hin oder her.

LL MM
30.08.2009 06:58

Kann mir bitte einer der Rotstrichler erklären, was an den Milizübungen, zu denen normale Wehrpflichtige alle zwei Jahre verdonnert wurden, so großartig war?

Ich weiß da nämlich, wovon ich rede.

Saurer Zivi
30.08.2009 13:42
durch Auflassen der Ergänzungsabteilungen...

würden Millionen an Mannstunden wegfallen und ebenso Millionen an Euro erspart bleiben.

Der Aufwand der zur Feststellung der Tauglichkeit getrieben wird, was alleine schon eine animalische Übung ist - so wie Stücke Fleisch werden Männer hinsichtlich ihrer Verwendung als Kanonenfutter "gemustert" - dieser Aufwand alleine ist bereits exzessiv, menschenunwürdig u enorm.

Ganz abgesehen davon, dass sich schlaue Wehrpflichtige durch Verlegung ihres Wohnsitzes in EU-Nachbarländer mit guter Aussicht auf Erfolg der Zustellung eines Einberufungsbefehles durch ö Behörden entziehen können.

Strudel Pudel
31.08.2009 09:27

[...]so wie Stücke Fleisch werden Männer hinsichtlich ihrer Verwendung als Kanonenfutter "gemustert"[...]
Wenn schon diese (relativ harmlose) Erfahrung so demütigend ist, dann müssten diese Männer doch eifrige Vorkämpfer gegen Zwangs- und Notprostitution werden.
Stattdessen werden sie zu Freiern, die diese Systeme am leben halten. Ohne Rücksicht auf die Leiden anderer Menschen.

Saurer Zivi
31.08.2009 15:46
für die meisten männer im wk 2 war das die eintrittskarte zur fahrt in den tod.

leseempfehlung: nachricht vom verlust der welt, inge rowhani-ennemoser. in diesem buch wird eine biographie eines einfachen soldaten aufgerollt.

dadurch dass er tauglich und somit wehrpflichtig war, war er kriegstauglich und damit kanonenfutter.

bis zu seinem ende vor leningrad. seine gefährten gabe an, er habe keinerlei schmuck oder andere wertgegenstände bei seinem tod durch "den Feind" besessen.

die wehrpflicht war und ist die eintrittskarte zur fahrt in den tod.

wer das anders sieht, möge sich besinnen.

saxophon
09.09.2009 11:49

Ohne Wehrpflicht hätten die Allierten aber auch nicht Hitler besiegt.
Darauf bitte mal besinnen.

Soph Isticus
09.09.2009 13:25
ohne wehrpflicht wäre hitler nicht zu dem geworden, der durch eine alliierte wehrpflicht zu besiegen gewesen wäre. mal darauf besinnen!

Paul Dresten
11.09.2009 17:55
Mit Wehrpflichtigen alleine? Gar nichts!

Ohne seine Berufstruppen SS und SA hätte Hitler sich nicht lange genug an der Macht halten können um den 2 Weltkrieg zu entfesseln. Von den über 120 Attentatsversuchen auf ihn waren mehr als die Hälfte aus den Reihen der Wehrmacht.

saxophon
09.09.2009 16:38

Und? Was ändert das?
Wir müssen auf die Welt so reagieren, wie sie nun mal ist.
Was wäre, wenn alle lieb und friedlich sind, steht nicht zur Debatte.
Es gibt diese eine Welt, und dieser müssen wir uns behaupten.

Saurer Zivi
09.09.2009 22:15
würden wir auf diese welt so reagieren, wie sie ist, wären wir jetzt in der ursuppe bzw würden als affen auf den bäumen sitzen.

manche männer scheinen mir tatsächlich dort zurückgeblieben zu sein.

es ist höchst bedauerlich, dass es noch immer keinen ordentlichen Rollenwandel von/für Männer gegeben hat. Frauen haben einen raketenhaften Aufstieg hingelegt: 1900: 1 frau mit studium, 2009: bei weitem mehr frauen an den unis.

männer werden zusehends am arbeitsplatz verdrängt. warum sollte das BH nicht ebenso diese radikale Feminisierung der Gesellschaft hinnehmen?

Je mehr ich gesehen u gehört habe, umso stärker bin ich der Überzeugung, dass es sinnvoller wäre, jungen Männern KEINERLEI WAFFENzwang aufzuerlegen.

in jedem anderen lebensabschnitt ist das ein eisernes u heiliges tiefenpsycholog prinzip - nichts gegen den willen der person durchzusetzen.

saxophon
10.09.2009 07:58

[...]es ist höchst bedauerlich, dass es noch immer keinen ordentlichen Rollenwandel von/für Männer gegeben hat.[...]
Rollenwandel hin oder her. Die LV muss immer gewährleistet sein.

[...]warum sollte das BH nicht ebenso diese radikale Feminisierung der Gesellschaft hinnehmen?[...]
Natürlich wäre es sinnvoll und gerecht, wenn auch Frauen Wehrdienst leisten müssten.
Leider ist die Aversion unserer Politiker gegen die militärische LV aber so groß, dass sie bislang nicht den Mut dazu finden.

[...]dass es sinnvoller wäre, jungen Männern KEINERLEI WAFFENzwang aufzuerlegen. [...]
Bei der LV geht es nicht primär um Gesellschaftspolitik, sondern eben um Landesverteidigung.

Strudel Pudel
01.09.2009 07:14

Allgemeiner: Das Militär als solches ist die Eintrittskarte in den Tod.
Nicht nur für die Soldaten, sondern auch für ihre zivilen Opfer.
Wobei wir von einem neuen Weltkrieg allerdings noch ein Stück entfernt sind. Und ein heutiger Mann kann ja auch Zivildienst machen.
Du bist meinem Einwand übrigens geschickt ausgewichen: Das Menschen zu einem Stück Fleisch erniedrigt werden ist furchtbar, und zwar immer und überall.
Allerdings finde ich es ein wenig scheinheilig wenn ein Mann sich über die Musterung beklagt und dann in ein Bordell mit Zwangsprostituierten geht um diese dann zu feiern.

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