"Locker bleiben, aber nicht locker lassen"

  • Franz Küberl.
    foto: caritas/orf

    Franz Küberl.

Franz Küberl wollte als Kind Lokführer werden, jetzt ist er Präsident der Caritas - Über Beruf, Arbeitseifer und private Erfolge

"Mindestsicherung, bessere Asyl und Fremdengesetze und tatkräftige Entwicklungspolitik." Das wünscht sich Franz Küberl im E-Mail-Karriere-Telegramm von der österreichischen Politik. Der 56-Jährige steht seit 13 Jahren an der Spitze der Caritas.

derStandard.at: Wie sieht der typische Arbeitstag von Franz Küberl aus?

Küberl: Zeitungsstudium beim Frühstück, etwa 8.30 Arbeitsbeginn in Wien oder Graz, Besprechungen mit TeamleiterInnen und engen MitarbeiterInnen, journalistische Termine, Gespräche mit PolitikerInnen, Besprechungen in Caritas-Einrichtungen, Treffen mit Menschen, die soziale Projekte initiieren möchten, Termine mit kirchlichen Verantwortlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, abends Halten von Vorträgen oder Teilnahme an Diskussionen oder anderen Veranstaltungen.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Küberl: Zwischen 60 und 70 Stunde.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Küberl: Mit der Familie, mit Freunden, beim Tarock, im Theater, beim Lesen, beim Bergwandern.

derStandard.at: Welches Erfolgsgeheimnis haben Sie, um Berufliches und Privates zu vereinbaren?

Küberl: Trotz der vielen Arbeit für Familien und Freunde Zeit nehmen. Wenn ich mir nicht jetzt Zeit für sie nehme, wer würde mich etwa mit 70 als Freund bezeichnen?

derStandard.at: Wie lautet Ihre berufliche Devise?

Küberl: Locker bleiben, aber nicht locker lassen.

derStandard.at: Wer oder was nervt Sie in Ihrem Job am meisten?

Küberl: Alles was mit Ungerechtigkeit zu tun hat. Wenn Menschen nicht Menschen zugewandt sind. Manchmal nervt mich natürlich auch, wenn etwas nicht so geht, wie ich es will.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg und was war der größte Karriereflop?

Küberl: Karriereerfolg: Immer dann, wenn es mir gelungen ist, dass Menschen aus schwierigen Lebenssituation in bessere gekommen sind.

Flop: Immer dann, wenn ich miterleben muss, dass Menschen ohne Chance auf eine bessere Entwicklung ihres Lebens weitermachen müssen.

derStandard.at: Was möchten Sie an Ihrem Job nicht missen?

Küberl: Die unzähligen Menschen, die bereit sind sich zugunsten anderer einzusetzen.

derStandard.at: Haben sie ein berufliches Vorbild, an dem Sie sich orientieren?

Küberl: Mir imponiert mein Vorgänger Helmut Schüller immer noch.

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Küberl: Ich hätte gerne drei Wünsche frei: Mindestsicherung, bessere Asyl- und Fremdengesetze und tatkräftige Entwicklungspolitik.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie als Kind?

Küberl: Lokführer.

derStandard.at: Welche drei Eigenschaften schätzen Sie an Mitarbeitern?

Küberl: Eigenständigkeit, Kreativität und Herzhaftigkeit. (om, derStandard.at, 22.12.2009)

Zur Person:

Franz Küberl wurde am 22. April 1953 in Graz geboren. Nach der Pflichtschule absolvierte er die Handelsschule. Seine berufliche Laufbahn begann er als Diözesansekretär der Katholischen Arbeiterjugend der Steiermark. 1976 wurde er
Bundessekretär der Katholischen Jugend Österreichs.

Von 1986-1993 war er Generalsekretär der Katholischen Aktion Steiermark. 1994 wurde Küberl Direktor der Caritas der Diözese Graz-Seckau. Seit Dezember 1995 ist er Präsident der Caritas Österreich. Er trat in dieser Funktion die Nachfolge von Helmut Schüller an.

Küberl ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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