"Krise soll Frauen keinenfalls zurückzudrängen"

26. August 2009, 13:05
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Diskussion mit der Frauenministerin über Partizipation von Frauen in Politik und Wirtschaft: Kinderbetreuung und Kampfgeist im Vordergrund

Alpbach/Wien - Im Rahmen der Alpbacher Reformgespräche haben Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Nationalratsabgeordnete Adelheid Fürntrath-Moretti, Chrisitine Zulehner (WIFO) sowie Verbund-Vorstand Ulrike Baumgartner-Gabitzer am Mittwoch das Thema Partizipation von Frauen in Politik und Wirtschaft diskutiert. Im Mittelpunkt standen mögliche Maßnahmen, die Frauen vermehrt in verantwortungsvolle Positionen in Wirtschaft und Politik bringen können und diesbezügliche bestehende Hindernisse.

Die Runde war sich einig, dass der Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsplätze für bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf unumgänglich ist sowie auch ein Aufbrechen alter Rollenbilder. Mädchen sollten beispielsweise schon früh die Möglichkeit haben, sich auch mit "frauenuntypischen" Berufsfeldern auseinander setzen zu können. In der frühen Kindererziehung könnte man ansetzen, um starre Verhaltensweisen abzubauen und das traditionelle Frauenbild zu verändern.

Kinderbetreuung für Unter-Dreijährige ausbauen

Heinisch-Hosek betonte, dass "die Krise keinesfalls dazu da sein soll, Frauen zurückzudrängen". Es dürfe gerade jetzt nicht darauf vergessen werden, wie weit Frauen schon gekommen sind, dass sie aber noch deutlich in Führungspositionen nachrücken sollen. WIFO-Zulehner verwies darauf, dass "Studien bestätigen, dass geringere Lohnunterschiede dort zu finden sind, wo Frauen auf mehr Kinderbetreuungsplätze zurückgreifen können. Die frühere Rückkehr bedeutet eine kürzere Unterbrechung und somit auch einen Gehaltsfortschritt". Auch Fürntrath-Moretti, die als Bundesvorsitzende von "Frau in der Wirtschaft" über 100.000 Unternehmerinnen in Österreich vertritt, strich flexible Kinderbetreuung und vor allem Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren als wichtige Rahmenbedingungen hervor: "Gerade auch für Unternehmerinnen, die keinen '9 to 5 job' haben."

Bei Jobwahl verstärkt Kriterium Einkommen beachten

Fürntrath-Moretti setzt weiters auf die Vorbildwirkung, um Frauen in die Politik zu bringen: "Wichtig ist, Frauen neugierig zu machen, sich in die Politik einzuklinken und ihnen sichtbar zu machen, dass wir wirklich etwas bewegen können."

Frauen müssten auch lernen, bei der Berufswahl wirklich auf die eigenen Bedürfnisse zu schauen, waren sich die Teilnehmerinnen des Arbeitskreises einig. Männer würden vermehrt auf die eigene Verwirklichung achten und sich bewusst Jobs aussuchen, die gutes Einkommen bringen und den eigenen Interessen entsprechen. Frauen hätten bei ihrer Berufswahl oft die Familienplanung im Hinterkopf und würden ihre berufliche Entwicklung hinten ansetzen.

Auch das bei vielen Frauen fehlende Durchsetzungsvermögen war Thema: "Wenn ich an der Macht beteiligt sein möchte, muss ich darum kämpfen", so Baumgartner-Gabitzer vom Verbund. (red)

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