"Ein Mythos des Sports"

    26. August 2009, 12:31
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    DEUTSCHLAND:

    "Abendzeitung": "'Angst habe ich auf der Streif, aber nicht vor dem Tod.' Ski-Legende Toni Sailer (73) erlag Krebsleiden. Olympiasieger, Weltmeister, Schauspieler, Vorbild und Volksheld: 'Er war der Größte überhaupt!' Mit Sailer ist nicht nur der vielleicht größte Skisportler aller Zeiten, sondern auch ein Symbol für den Wiederaufbau Österreichs gestorben. Was den Deutschen das 'Wunder von Bern', der Gewinn der Fußball-WM 1954, das sind den Österreichern die Sailer-Spiele 1956 in Cortina d'Ampezzo. Damals, nur ein Jahr nach dem Staatsvertrag raste der "Schwarze Blitz von Kitz" mit seiner weißen Zipfelmütze zu drei Olympischen Goldmedaillen und vier Weltmeistertiteln."

    "Bild", in der "Fußball-Kaiser" Franz Beckenbauer über seinen Freund Toni Sailer schrieb: "Nur der Krebs konnte Toni Sailer besiegen. Mit Toni Sailer hat die Welt einen Jahrhundertsportler verloren. Als kleiner Bub bin ich mit pochendem Herzen zu ihm hingegangen: Herr Sailer, bittschön ein Autogramm. Er war der erste Mensch, den ich darum gebeten habe."

    "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Trauer um den 'schwarzen Blitz von Kitz'. Sailer war der erste österreichische Superstar, der Held einer ganzen Nation. Dabei nahm er in seiner Karriere nur an zwei Großereignissen teil, allerdings so erfolgreich wie kein anderer alpiner Skirennläufer."

    "Frankfurter Rundschau": "Der erste Popstar des Skisports. Die neue Zeit brauchte und fand ein neues Massenmedium. Wer weiß, ob Anton Engelbert Sailer sonst der erste Popstar des Skirennsports hätte werden können. Doch die Heldentaten, die der gerade mal 21-jährige Sohn eines Spenglers aus Kitzbühel Ende Jänner, Anfang Februar 1956 in Cortina d'Ampezzo vollbrachte, gingen als TV-Bilder um die halbe Welt. Die Olympischen Winterspiele in den Dolomiten waren die ersten, die im Fernsehen übertragen wurden. Segen und wohl auch ein wenig Fluch zugleich für Sailer, der die alpinen Wettbewerbe beherrschte und - angesichts der Spezialisierung heute fast unvorstellbar - die Goldmedaillen in Abfahrt, Slalom und Riesenslalom gewann. Will man den Stellenwert des Phänomens Toni Sailer für die zweite österreichische Republik richtig einordnen, kommt man, zumal als Deutscher, um einen sporthistorischen Vergleich nicht herum. Was der Bundesrepublik ihre 54er-Weltmeister, war den gerade erst vollends souverän gewordenen Nachbarn anderthalb Jahre darauf ihr Sailer-Toni. Zumal der 'Blitz aus Kitz' etwas vorweisen konnte, das im heraufdämmernden Fernseh-Zeitalter fast genauso wichtig war wie sein sportliches Ausnahmetalent: Er sah gut aus. Fesch, wie die Österreicher sagen."

    "Hamburger Abendblatt": "'Der schwarze Blitz' Toni Sailer ist tot. Er war eine Legende: Sportler, Sänger, Schauspieler - auf jedem dieser Gebiete erfolgreich."

    "Stuttgarter Nachrichten": "Österreich verliert mit Toni Sailer einen Helden. Beidhändig fest die handgestrickte Zipfelmütze über den sauber gekämmten Scheitel gezogen, ein schräger Blick hinauf zum Hang, und ab ging's: Toni Sailer, der gestern in Innsbruck starb, war Urbild und Inbegriff der Ski-Legende. Noch die berühmtesten unter seinen Nachfahren, Franz Klammer oder Hermann Maier, müssen sich an ihm messen lassen. Schuld daran war vor allem der Jahrgang: Als der Glasergeselle aus dem damals schon beliebten Kitzbühel bei den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo seine drei Goldmedaillen einfuhr, war das demütige Nachkriegsösterreich gerade dabei, wieder wer zu werden. Es fehlte noch ein Held. Was die deutschen Vettern mit dem Wunder von Bern zelebrierten, begingen anderthalb Jahre später die Österreicher mit ihrem Blitz von Kitz."

    "Stuttgarter Zeitung": "Weltberühmt - und doch einer von uns. Das Multitalent Toni Sailer ist tot. Österreich trauert um einen seiner bekanntesten Söhne. Kaum einer hat es zu mehr Ruhm und Bekanntheit gebracht. Bestenfalls Niki Lauda und Arnold Schwarzenegger dürfen sich als ähnlich berühmte Vertreter ihrer Nation bezeichnen. Doch der Rennfahrer und der Muskelmann stehen mit Sailer nicht ganz auf einer Stufe. Denn schon zu Lebzeiten wurde der Toni von seinen Landsleuten nur noch Legende genannt. Die Österreicher sind sich (...) darüber im Klaren: ohne den Toni hätte sich die Republik wohl nie zur bedeutendsten Skination der Welt entwickelt."

    "Süddeutsche Zeitung": "Das Einzigartige an der Ski-Karriere des gelernten Glaserers und Spenglers aus Kitzbühel war, dass sie so makellos war, obwohl sie nur fünf Jahre währte - mehr Zeit brauchte Sailer nicht, um sich als Sportler zu vollenden."

    ITALIEN:

    "Gazzetta dello Sport": "Adieu Sailer. Der Star des Schnees, den die Frauen liebten, ist gestorben. In seiner Karriere hat er alles gewonnen, dann ist er zum Film gewechselt, mit ihm ist der alpine Skisport populär geworden."

    "Corriere dello Sport": "Sailer Adieu! Er war der erste Star des Skisports. Vor ihm hatte niemand bei den Olympischen Winterspielen drei Ski-Rennen gewonnen. Groß, elegant, mager und mit einem gewinnenden Lächeln: Sailer war erst 20 Jahre alt, als er mit seinem unermesslichen Talent in Cortina gewann. Sailer eroberte auch einen Platz im Film und im Theater. Er war ein wahres Talent, doch seine Leidenschaft für den Skisport hat ihn nie verlassen."

    "Tuttosport": "Adieu großer Sailer, ein Star nicht nur auf Skiern. Er war einer der größten Skifahrer aller Zeiten. Die Österreicher trauern jetzt um ihre riesige Sportlegende, einen der ersten Sportmythen, eine Persönlichkeit, nicht nur im Skisport".

    "La Stampa": "Der schwarze Schneeblitz ist gestorben. Toni Sailer war eine Legende, ein Mythos des Sports. Es wäre jedoch zu wenig, ihn nur als Skiheld zu bezeichnen. Nach vielen halsbrecherischen Abfahrten ist er nach einem harten Kampf gegen eine schwere Krankheit in den Olymp der Meister gewandert. Er war ein Skifahrer von unermesslicher Eleganz und Klasse, das Lieblingskind der Schneegötter. Und es hätte auch nicht anders sein können, wenn man bedenkt, dass er in Kitzbühel, im Herzen des österreichischen Skisports, geboren worden war."

    "Corriere della Sera": "Österreich verabschiedet sich von Toni Sailer, dem ersten Skifahrer der Moderne. Der alpine Skisport verliert eine seiner legendärsten Persönlichkeiten, einen Sportler, der zu anderen Welten gewandert ist und einen Platz im Film erobert hat."

    SCHWEIZ:

    "Blick": "'Der schwarze Blitz aus Kitz' ist tot. Die Sportwelt trauert um einen seiner größten Helden. Kein anderer hat den Skisport in den 50er-Jahren so beeindruckend geprägt wie der 'schwarze Blitz aus Kitz'."

    "Neue Zürcher Zeitung": "Er hatte seine Rennkarriere in einem Alter (23) beendet, in dem etwa Hermann Maier noch nicht einmal richtig an der Weltelite schnuppern durfte. Trotzdem platzt Toni Sailers Trophäenschrank. Der stets braungebrannte, stets gewinnend lächelnde Naturbursche war für Nachkriegsösterreich bald mehr als nur ein dreifacher Olympiasieger. Er wurde zur Lichtgestalt, die unbewusst mitgeholfen hatte beim Abbau von Komplexen und Schuldgefühlen nach dem Nazi-Terror. Als der vielseitig Begabte das Metier wechselte und als Filmstar Triumphe feierte, wurde im Ausland die Zahl seiner Anhänger, vor der Haustür in Kitzbühel hingegen die Zahl seiner Neider größer. Und das, obwohl sich der 'schwarze Blitz von Kitz' als unbezahlbare (Kino-)Werbung für den Heimatort erwies, speziell in Japan. Dort warteten 140.000 Menschen auf dem Flughafen, um ihn zu empfangen."

    "Tagesanzeiger": "Er war der erste Popstar des Skisports. Der Erste, der aus der weißen Sportwelt ausbrach, um seine Popularität auf einer anderen Bühne zu versilbern. Österreichs Sportler des 20. Jahrhunderts. Ein Rennfahrer, der seiner Zeit noch weiter voraus war, als es Usain Bolt heute ist. Als Zwanzigjähriger gewann er bei den Olympischen Winterspielen von Cortina 1956 alle drei Goldmedaillen, zwei Jahre später, bei der Heim-WM von Badgastein, wurde er in der von ihm entfachten Massenhysterie dreifacher Weltmeister. Trotz unheimlichem Druck. Um seinen Fans zu entwischen, habe er sein Haus vor sechs Uhr früh verlassen müssen, erzählte er einmal, und er habe nicht vor Mitternacht zurückkehren können. Er war technisch der Beste und im Kopf der Stärkste. Ein Überflieger, dessen Ruhm auch 50 Jahre danach nicht verblichen ist. Ein Blick auf die Zahlen genügt, um zu begreifen, wie gut Toni Sailer als Rennfahrer war. Im Olympia-Riesenslalom von Cortina verlor Anderl Molterer als Zweiter 6,2 Sekunden, in der Abfahrt blieb der Schweizer Raymond Fellay um 3,5 Sekunden geschlagen, im Slalom der Japaner Chiharu Igaya um 4,0. Dabei war Sailer erst 20. Und erstmals bei Titelkämpfen dabei."

     

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