Umsatz bricht weg

26. August 2009, 18:04
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Der Finanzdienstleister AWD wurde im ersten Halbjahr vom Konjunktureinbruch erwischt und stellt sich in Österreich neu auf

Im Halbjahr sind dem Finanzdienstleister AWD Umsatz und Gewinn weggeschmolzen. In Österreich steht ein Minus von zehn Millionen Euro in der Bilanz. Jetzt soll das Kostensenkungsprogramm beschleunigt werden.

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Wien - Der Finanzdienstleister AWD wurde im Halbjahr vom Konjunktureinbruch und von den Turbulenzen rund um die Branche der Finanzberater voll erwischt: Die Umsätze der AWD-Gruppe brachen im Jahresabstand um 20 Prozent auf 258,3 Mio. Euro ein. Unterm Strich blieb ein Verlust von 8,9 Mio. Euro, nach einem Gewinn von 20 Mio. Euro. Die Region Österreich & Osteuropa koppelte sich von dieser Entwicklung nicht ab. Der Umsatz in Österreich und CEE halbierte sich fast auf 35,6 Mio. Euro. Das Ebit lag im Halbjahr bei minus 10,3 Mio. Euro, nach plus 7,1 Mio. Euro im Halbjahr des Vorjahres.

Sparkurs wird beschleunigt

Angesichts dieses Ergebnisses wird das im ersten Quartal eingeleitete Sparprogramm beschleunigt. 2010 sollen die Fixkosten konzernweit um bis zu 30 Mio. Euro gesenkt werden, sagte AWD-Sprecher Stefan Suska. Die Vertriebs- und Verwaltungskosten sollen auf 170 Mio. Euro sinken. "Klares Ziel ist es, die AWD-Gruppe vom Jahr 2010 an wieder auf einen stabilen und profitablen Wachstumskurs zu bringen" , sagte Suska.

Die Einsparungsmaßnahmen sollen vor allem über "Kostenstraffung auf der Sachebene" passieren. Beim Personal werde nur "eine knappe Handvoll" eingespart, sagte Suska. Angesetzt werde der Rotstift vor allem beim Marketing. So wurde etwa das Sponsoring von Eintracht Frankfurt eingestellt und auch die Namensrechte beim AWD-Dome in Bremen gekündigt.

In Österreich wird das Geschäftsmodell erneuert. Mit mehr Transparenz und Qualität möchte der vielkritisierte Finanzdienstleister wieder durchstarten, der Standard berichtete. In Zukunft werde es bei AWD nur mehr staatlich geprüfte Finanzberater geben.

In der Beratung werde AWD künftig auf breitgestreute Fonds zurückgreifen und nicht auf einzelne Aktien, erklärte AWD-Österreich Vorstand Ralph Müller vor kurzem. Kunden erhalten künftig bei jeder Finanzberatung drei Produktvorschläge, bei der die Berater über Vor- und Nachteile der Produkte aufklären müssen. Die Kunden seien aber nach wie vor sehr zurückhaltend bezüglich Finanzentscheidungen, sagte Müller. Beim Provisionsmodell für Berater werde es keine "epochalen" Änderungen geben. Die Provisionen müssen dem Kunden auch in Zukunft offengelegt werden.

In Österreich laufen gegen AWD mehrere Klagen, in punkto Fehler bei der Beratung. Neo-Österreich-Chef Müller wies darauf hin, dass mögliche Urteile sich nur auf "einen geringen Prozentsatz" der Kunden beziehen würden. Er erwarte dadurch keinen großen Kostenaufwand. Die Höhe der Vorsorge für Prozessrisiken wollte man aber nicht nennen. Das werde erst in der Jahresbilanz veröffentlicht, heißt es. (bpf, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2009)

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