Teils zweifelhafte Produkte verkauft

26. August 2009, 11:33
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"Konsument": Noch immer Mängel bei Anamnese - Beratungsqualität noch immer mangelhaft

Wien - Bereits zweimal hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) bis dato die Beratungsqualität in Apotheken unter die Lupe genommen: 2006 in Wien und 2008 in Tirol. Für den September-"Konsument" haben die Tester insgesamt 31 Apotheken in den restlichen sieben Bundesländern nach dem bereits bewährten Schema getestet. Im Vergleich zu den früheren Tests lassen sich laut dem Testmagazin bei der Beratungsqualität nur geringe Fortschritte erkennen: Noch immer werden Fragen zur Krankengeschichte vernachlässigt und teils zweifelhafte Produkte verkauft. Nur drei der 31 Apotheken erhalten insgesamt ein "gut". Der Großteil schneidet "durchschnittlich" bis "weniger zufriedenstellend" ab. 

Testkäufer

Wie bereits bei den beiden früheren Tests ließen sich zwei Testpersonen in den Apotheken beraten: eine Mutter, die sich um ihr hustendes und hoch fieberndes Kleinkind sorgt und eine 64-jährige Frau mit einem Body Mass Index von 33, die möglichst rasch abnehmen möchte. Das Ergebnis zur Beratung der Mutter fällt mehrheitlich "durchschnittlich" aus: In zwei Salzburger Apotheken erkundigte man sich bei der Mutter nur nach dem Alter des Kindes. Neun Apotheker wollten nicht einmal wissen, wie lange die Krankheitssymptome bereits bestanden haben. Zwar wurde der Mutter in den meisten Fällen nahegelegt, einen Arzt aufzusuchen. Aber nur in vier Apotheken wurden der Mutter keine Produkte verkauft und sofort an den Kinderarzt beziehungsweise die Klinik verwiesen. In elf Fällen unterblieben jedoch beim Verkauf von Präparaten die dazugehörigen Anwendungshinweise. Positiv: Antibiotika wurden trotz Nachfrage diesmal nicht verkauft. 

Bei der Schlankheitsberatung fällt das Urteil vorwiegend "weniger zufriedenstellend" aus - und doch besser als beim letzten Test in Tirol. Immerhin erkundigten sich sieben Apotheker nach dem Gesundheitszustand der Testperson und zweimal wurde ihr ein Arztbesuch nahegelegt. Bei wesentlichen Fragen - etwa nach dem gewünschten Gewichtsverlust oder nach dem Zeitraum, in dem sie abnehmen möchte - hielten sich die Apotheker dagegen zurück. Zudem wurden teils umstrittene Produkte wie "alli" angeboten. Lediglich in einer Apotheke in Graz ging die Testperson leer aus. Dort wurde ihr geraten, sich an Ernährungsexperten zu wenden und ihre Ernährung umzustellen. 

Apotheken planen vermehrt Schulungen 

Die Österreichische Apothekerkammer reagierte mit einer Stellungnahme auf die Testergebnisse: "Wir nehmen die Aussage der Zeitschrift "Konsument natürlich ernst und werden dieses Ergebnis intern ausführlich besprechen", so Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer. Testkäufe würden aber immer nur ein sehr begrenztes Schlaglicht auf die Realität werfen.

Natürlich wollen Apotheker ihre Kunden gut beraten, Fortbildung und Schulung hätten in diesem Berufsstand einen sehr hohen Stellenwert. Offenbar gebe es allerdings Situationen, in denen die Apotheker dieses Wissen nicht optimal in die Kundenberatung einbauen können. "Wir werden den Schwerpunkt nun in Richtung Kommunikation mit den Kunden weiter ausbauen", so Burggasser. Die 1246 Apotheken seien beliebte Testobjekte bei diversen Instituten und die Ergebnisse mannigfaltig. So habe zum Beispiel Readers Digest auf Grund einer breit angelegten Umfrage auch heuer wieder die Apotheker zu den vertrauenswürdigsten Berufen gekürt. (red, derStandard.at)

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    Nicht immer werden Konsumenten gut beraten, der "Konsument" testete Apotheken in allen Bundesländern

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