Auftakt-Niederlage für Paischer bei WM

26. August 2009, 10:59
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Erste Reaktion: "Das schnelle Ende war so nicht eingeplant"

Rotterdam  - Als Ludwig Paischer 2004 bei den Olympischen Spielen als Medaillenanwärter in der ersten Runde als Verlierer von der Matte gestiegen war, hatte er wenigstens das Gefühl, gut gekämpft zu haben. Das war am Mittwoch bei den Judo-Weltmeisterschaften in Rotterdam nicht der Fall. Der topgesetzte 27-Jährige unterlag gleich zum Auftakt dem Italiener Elio Verde, den er im April bei der EM in Tiflis im Bronzekampf besiegt hatte, und war ebenso ausgeschieden wie später sein Teamkollege Andreas Mitterfellner (bis 66 kg), der dem Ukrainer Sergej Drebot im Golden Score mit Ippon unterlag.

Der Olympia-Silbermedaillengewinner aus Österreich war in einer Traumform in die Niederlande gereist, nach dem Sieg im Grand Slam von Rio de Janeiro hatte er in den folgenden Trainingslagern die Gegner der Reihe nach auf die Matte gelegt - auch höhergewichtige. "Ich bin natürlich auch schwer enttäuscht. Ich habe keine Erklärung dafür. Sicher, Verde ist nicht so schlecht, aber Lupo hat sich gestern super gefühlt. Doch heute hat er sich nicht auf ihn einstellen können, von Aggressivität war nicht viel zu sehen", sagte Nationaltrainer Udo Quellmalz. Noch im Training am Vortag sei Paischer so explosiv gewesen, davon war am Wettkampftag nichts zu bemerken.

"Irgendwie leer, ausgelaugt"

Paischer selbst musste sich nach dem Kampf erst einmal übergeben. Aufgrund der frühen Beginnzeit hatte er nicht viel gefrühstückt, und wohl auch nicht viel davon verdaut. "Ich hatte nach dem letzten Training am Vortag 59 Kilogramm, vielleicht hat mir ein bisschen Energie gefehlt. Ich war nicht so spritzig heute, irgendwie leer, ausgelaugt", erklärte Paischer. "Die Tagesverfassung hat nicht gepasst, und wenn der Körper nicht stimmt, kannst nicht vorne dabei sein. Am Ende ist mir dann die Zeit davongelaufen, da habe ich riskiert und Ippon bekommen."

Sofort nach der schmerzlichen Niederlage war Paischer mit Ursachenforschung beschäftigt. "Vielleicht war ich zu gut drauf. Vielleicht habe ich mir selbst zu viel Druck gemacht." Der Straßwalchener hat bereits WM-Medaillen in Silber und Bronze zu Hause und hatte als Ziel ganz klar die Goldmedaille angegeben.

"Heuer wird das Jahr, in dem ich ganz oben stehen kann, habe ich mir gedacht", erzählte Paischer. Die Erkenntnis folgte nun in Rotterdam. "Auch ich bin keine Maschine." Neben dem Weltranglistenersten sind auch der koreanische Peking-Olympiasieger Min Ho Choi sowie Titelverteidiger und Lokalmatador Ruben Houkes früh ausgeschieden. Houbkes war auch Olympiadritter, gemeinsam mit dem Usbeken Rischod Sobirow, der in Rotterdam ebenfalls nicht weit kam. Ebenso wie Europameister Arsen Galstian aus Russland.

Nicht alles hinterfragen

Nach der EM findet auch die WM mit verkürzter Hoffnungsrunde statt, womit eine Auftaktniederlage auch der Abschied vom Turnier bedeutet. Die Topposition in der Weltrangliste brachte Paischer nicht viel - nicht einmal ein Freilos in Runde eins. Man muss schon drei Kämpfe en suite gewinnen, um am Ende noch irgendwie dabei zu sein.

Paischer blickt bereits wieder nach vorne, er habe schon zu viel mitgemacht, als dass dadurch jetzt die Welt zusammenbreche, meinte er. "Ich muss jetzt nicht Judo oder das ganze System hinterfragen. Aber natürlich muss ich das analysieren, muss mich in der Niederlage hinterfragen. Aber ich sehe das als Herausforderung."

Ein Kampf, eine Niederlage lautet auch die Bilanz von Mitterfellner, der seinen Kontrahenten eigentlich sehr gut in Griff gehabt hatte. "Ich bin sehr enttäuscht, denn ich hätte bei dieser WM nur gewinnen können, das ist mir nicht gelungen. Ein paar Minuten, und alles ist vorbei", lautete der enttäuschte Kommentar. "Heute sind wir nur Zuschauer", sagte auch Quellmalz. (APA)

ERGEBNISSE:

Herren:

Klasse bis 60 kg: 1. Georgij Santaraia (UKR) - 2. Hiroaki Hiraoka (JPN) - 3. ex aequo Elio Verde (ITA) und Hovhannes Dawtjan (ARM) - 5. ex aequo Nestor Khergiani (GEO) und Vahid Sarlak (IRI).

Ludwig Paischer (AUT) nach Erstrundenniederlage unplatziert

Klasse bis 66 kg: 1. Tsagaanbaatar Hashbaatar (MGL) - 2. Sugoi Uriarte (ESP) - 3. ex aequo Miklos Ungvari (HUN) und An Jeong-Hwan (KOR) - 5. ex aequo Alim Gadanow (RUS) und Dan Fasie (ROM).

Andreas Mitterfellner (AUT) nach Erstrundenniederlage unplatziert

Damen:

Klasse bis 48 kg: 1. Tomoko Fukumi (JPN) - 2. Oiana Blanco (ESP) - 3. ex aequo Chung Jung-Yeon (KOR) und Frederique Jossinet (FRA) - 5. ex aequo Alina Dumitru (ROM) und Sara Menezes (BRA)

Keine Österreicherin am Start

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