Steigende Hoffnung auf Erholung

26. August 2009, 10:52
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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert sich weiter, die Unternehmen beurteilen ihre Lage zunehmend positiv

München - Nach der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte stehen die Zeichen in der deutschen Wirtschaft auf Erholung. Unerwartet deutlich verbesserte sich im August die Stimmung in den Unternehmen, wie das Münchner ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Die 7.000 befragten Firmen blicken deutlich optimistischer auf die kommenden Monate und beurteilten auch zum zweiten Mal in Folge ihre aktuelle Lage besser.

"Die Wirtschaft in Deutschland erholt sich langsam von ihrem Fall", erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Der ifo-Geschäftsklimaindex als wichtiges Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft kletterte im August zum fünften Mal in Folge und zwar von 87,4 Punkte auf 90,5 Punkte. "Die Wirtschaft kommt wieder auf die Beine. Aber ob sie alleine gehen kann, muss sich zeigen", dämpfte ifo-Experte Klaus Abberger zu hohe Erwartungen. Noch stützten vor allem Konjunkturmaßnahmen die Erholung.

Produktion zieht an

In den Unternehmen ziehe zwar die Produktion wieder an, die Firmen hätten diese in der Krise aber auch sehr stark heruntergefahren, erklärte Abberger den positiven Trend. Im Vergleich zur Situation vor einem Jahr sei die Lage der Unternehmen derzeit weiterhin erheblich schlechter. Der Großteil sei noch unzufrieden. "Wir sind zunächst mal im Tal angekommen", meinte der ifo-Experte.

Der Teilindex zur aktuellen Lage kletterte um fast zwei Punkte auf 86,1 Punkte. Die Erwartungen verbesserten sich noch deutlicher, der entsprechende Teilindex legte um 4,6 Punkte auf 95 Punkte zu und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2008.

Die Industrieunternehmen sehen immerhin eine Entspannung in ihrer schwierigen Geschäftssituation und rechnen laut ifo im kommenden halben Jahr nicht mehr mit einer Verschlechterung der Geschäfte. Auch die Exporterwartungen sind wieder optimistischer. Die Firmen wollen zwar weiterhin Stellen abbauen, aber nicht mehr ganz so viele wie ursprünglich geplant.

Verbesserung der Geschäftserwartungen

"Die allmähliche Verbesserung der Geschäftserwartungen sagt vor dem Hintergrund der gerade überwundenen tiefen Rezession noch nichts über das Ausmaß der Erholung aus", meinte der Analyst der Nord LB, Mario Gruppe. Es werde einige Zeit dauern, bis die Rezession komplett verarbeitet sein werde.

Die Wirtschaft werde eher "vor sich hindümpeln" oder im schlechteren Fall noch einmal ein Stück weit schrumpfen, meinte auch ifo-Experte Abberger. Ein Risikofaktor sei der Arbeitsmarkt. So bleibe abzuwarten, ob es nach Ablauf der Kurzarbeit eine Entlassungswelle gebe. Unsicher sei auch, ob die Unternehmen wieder genügend Kredite bekämen.

Im Groß- und Einzelhandel sowie in der Baubranche ist die Lage laut der ifo-Umfrage derzeit stabil. Im Großhandel wurden Geschäftslage und Aussichten besser beurteilt als im Juli. Im Einzelhandel wurde die aktuelle Lage zwar etwas schlechter eingeschätzt, die Erwartungen hellten sich aber auf. Im Baugewerbe sahen die Firmen die aktuelle Lage etwas positiver als im Vormonat, den Geschäftsverlauf der kommenden Monate aber bewerteten sie zurückhaltend.

Angesichts der deutlich entspannteren Lage in den Firmen könne der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr nicht ganz so heftig ausfallen, wie vom ifo erwartet, sagte Abberger. "Es könnte etwas besser kommen", meinte er. Noch im Juni gingen die Forscher davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 6,3 Prozent und nächstes Jahr um 0,3 Prozent sinkt. "Möglicherweise sind die 6 Prozent eher im pessimistischen Bereich", erklärte der ifo-Forscher.

Optimismus unter Deutschen

Die Deutschen glauben insgesamt einer Umfrage zufolge zunehmend an eine Ende der Wirtschaftskrise. 39 Prozent der Befragten gingen derzeit davon aus, dass es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht, berichtete das Magazin "Stern" am Mittwoch. Ein Drittel rechnet demnach mit einer weiteren Talfahrt der Konjunktur. Noch vor einem Jahr erwarteten den Angaben zufolge fast zwei Drittel der Deutschen eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Nur zwölf Prozent seien damals der Meinung gewesen, dass es mit der Wirtschaft wieder nach oben geht. Für die repräsentative wöchentliche Untersuchung wurden 2.500 Menschen befragt. (APA/AP)

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    Die Wirtschaft sieht sich schon wieder etwas schwungvoller unterwegs...

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