"3": "Jenseits von einem Megabit ist die Geschwindigkeits- sensibilität sehr gering"

26. August 2009, 10:29
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Der kleinste heimische Mobilfunker rüstet sein Netz noch heuer auf, sagt CEO Berthold Thoma

Mehr als ein Jahr ist es her, da feierte Digital-TV am Handy (DVB-H) anlässlich der EURO Premiere, und "3" gehörte zu den frühen Lizenznehmern. Der Heuler, den sich die unter Kostendruck stehende Mobilfunker erhofft haben, wurde DVB-H nicht - zumindest begegnet man kaum jemandem, der gerade am Handy fernsieht.

"Wir verkaufen es gut, DVB-H ist eines unserer bestgehenden Angebote"

Tut es dem "3"-Chef Berthold Thoma leid, in digitales TV investiert zu haben? Nein, er bereue es nicht, "wir verkaufen es gut, DVB-H ist eines unserer bestgehenden Angebote", sagt Thoma im Gespräch mit dem Standard. Der Engpass seien Endgeräte, nur zwei gibt es für DVB-H. Darum werde TV am Handy vor allem über Internet konsumiert, per Multimediahandy oder Datenmodem, "unser TV-Konsum liegt bei 200.000 Kunden" von 724.000, Stand März 2009. "TV am Handy ist sehr relevant, es ist der zweitwichtigste Grund für eine ,3'-Entscheidung", sage die Marktforschung (an erster Stelle liege die große Geräteauswahl des kleinsten der vier heimischen Mobilfunker). Handy-Fernseher lieben offenbar Gewohntes, der meistgesehene Kanal ist ORF 1, erst dann folgen Musik- und Sport-Videoangebote, "obwohl alle Studien sagen, dass man bei Handy-TV einfache Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten brauche", wie sie Videoclips bieten.

Sparkurs

Weil Video über Internet ein "Bandbreitenfresser" ist - sie nehmen sehr viel Kapazität des Netzes in Anspruch -, ist auch der weitere Netzausbau eine Priorität für "3". Thoma ist bei seiner Ankündigung nicht bescheiden: Das gesamte Netz - 4000 Basisstationen - solle heuer noch aufgerüstet werden, auf die derzeit schnellste Datentechnologie HSPA+, was eine Verdreifachung der Kapazität bringt (21 Megabit pro Sekunde). Bis Jahresende sollen erste Kunden dies nutzen können.

Zwar wäre "3"-Eigentümer Hutchison Whampoa "generell" auf Sparkurs, räumt Thoma wirtschaftliche Schwächen der Muttergesellschaft indirekt ein, "aber gezielt. Unser Werbeaufwand ist 30 Prozent weniger, dafür investieren wir in Österreich einen dreistelligen Millionenbetrag in den Netzausbau", rund 100 Mio. Euro.

Die neuen Stationen sollen bereits auf die nächste Mobilfunk-Generation vorbereitet sein, "LTE" (Long Termin Evolution). Zwar gibt es dafür derzeit noch keine kommerziellen Endgeräte. Aber 2011 soll dann das von Nokia Siemens gelieferte Netz auch "Endkunden mit einer weiter beschleunigten Leistung von 100 Megabit zur Verfügung stehen", erklärt Thoma. Eine solche Übertragungsgeschwindigkeit würde es ermöglichen, eine DVD in rund sechs Minuten herunterzuladen - womit sie, wie berichtet, mit dem Ausbau des Festnetzes konkurrieren kann.

"Jenseits von einem Megabit ist die Geschwindigkeitssensibilität sehr gering"

Allerdings sieht die praktische Seite anders aus, räumt Thoma ein. Die höhere Leistung bringe in erster Linie ausreichende Kapazität für die wachsende Zahl an mobilen Internetnutzern und werde kaum für extrem schnelle Übertragungen verwendet werden. "Jenseits von einem Megabit ist die Geschwindigkeitssensibilität sehr gering, das haben wir auch gesehen, als wir Restposten eines 1,8-Megabit-Modems" - State of the Art ist 7,2 Mbit - "verkauft haben: 80 Prozent waren damit zufrieden."

Wäre es nicht möglich, unterschiedliche Leistung für unterschiedliche Nutzer zu verkaufen? "Schwer, weil für den doppelten Preis müsste man die zehnfache Leistung bieten. Es gibt dafür keinen Stein der Weisen." Realistisch seien derzeit Geschwindigkeiten von 1,5 Megabit pro Sekunde - womit besagte DVD ein paar Stunden braucht, bis sie am PC gelandet ist, mit dem Ausbau "geht das ein Stück nach oben. Der eigentliche Gewinn ist Verlässlichkeit und hohe Kapazität in Non-Peak-Zeiten", wenn wenige Nutzer surfen.

225.000 Spielfilme in DVD-Länge

Bei Verkauf von Datenkarten für mobiles Internet sieht sich "3" inzwischen mit einem monatlichen Anteil von 40 Prozent als Marktführer; zwar habe Mobilkom insgesamt die meisten Datenkunden, aber nach einem Bericht des Regulators würde "3" das größte Datenvolumen - 450 Terabyte im Monat, rund 225.000 Spielfilme in DVD-Länge - in seinem Netz befördern.
Zur EURO wurde DVB-H am Handy eingeführt. Die meisten TV-Übertragungen laufen jedoch über Internet. Dafür und für andere Dienste rüstet "3" sein Netz noch heuer auf, sagt CEO Berthold Thoma. (Helmut Soudich, DER STANDARD Printausgabe, 26. August 2009)

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