Geistiges Eigentum: Neudefinition gefordert

26. August 2009, 10:00

Medienwissenschafter Bolz: "Aus der Gutenberg-Galaxis längst ausgetreten"

Dass mit geistigen und kulturellen Leistungen in Zeiten des Internet immer weniger Geld zu verdienen ist, spüren sowohl Plattenfirmen als auch Medienhäuser. Während die einen mit illegalen Downloads in Tauschbörsen kämpfen, sehen sich die anderen immer stärker mit der Frage konfrontiert, wie man mit Online-Inhalten denn eigentlich Profit machen kann, wenn niemand mehr dafür bezahlen will. Der Berliner Medienwissenschafter Norbert Bolz schlägt einen gänzlich neuen Weg vor: Er verlangt eine Neudefinition geistigen Eigentums und propagiert Modelle wie eine Kultur-Flatrate im Internet, wie er am Rande des Forum Alpbach im Gespräch mit der APA erläuterte.

Veraltet

"Das Copyright, so wie wir es kennen, entspringt der Buchkultur. Wir sind aber aus dieser 'Gutenberg-Galaxis' längst ausgetreten", meint Bolz. Zwar bräuchten Kulturleistungen weiter Schutz, "aber die Übertragung von Rechtsrahmen aus dem 18. Jahrhundert auf die Welt des Internet ist zum Scheitern verurteilt".

Eine Möglichkeit sei die Idee, geistige Arbeit mit "Indizes" oder Trademarks zu versehen, die wie Wasserzeichen funktionieren und Originale kennzeichnen. "Damit könnte man zwar auf alles zugreifen, aber die Tatsache nicht verwischen, dass dieses Wissens-Item nicht von einem selbst stammt."

Analogie

Gemäß eines anderen Modells würden kleinste Wissenseinheiten in einer Analogie zu den im Datenbereich kleinsten Einheiten der "Bits" definiert und die Nutzung dieser mit kleinen Geldbeiträgen abgegolten, so Bolz. Über die Wasserzeichen müsste es auch möglich sein, dass man für weiterverarbeitete Texte einen Obolus bezahlen muss, was letztendlich eine weit rigorosere Regelung als das bestehende Copyright bedeuten würde.

Bolz hält auch die immer wieder ins Spiel gebrachte kulturelle Flatrate für einen gangbaren Weg: Dabei würde "von jedem, der überhaupt Zugang zu geistigem Eigentum haben will, eine Art Grundgebühr verlangt". Die daraus gewonnenen Mittel würden auf die Kulturschaffenden verteilt.

Spezialisiert

Den Medienunternehmen rät er, im Internet auf spezialisierte Angebote zu setzen. "Die Menschen sind nicht mehr bereit, für allgemeine Informationen zu zahlen, für detaillierte, ausdifferenzierte, hochanalytische Informationen" dagegen schon. Ein Vorbild in dieser Hinsicht ist für ihn die Financial Times, die neben den allgemeinen News, die auf der Website gratis abrufbar sind, einen kostenpflichtigen Bereich mit tiefgehender Wirtschaftsanalyse biete.

Bolz glaubt grundsätzlich nicht, dass das Internet viele Medien überflüssig machen wird, da jedes eine eigene "Gestaltqualität" habe, die nicht auf dem Computer reproduzierbar ist. "Einen tollen Roman als Taschenbuch kann man auch bedenkenlos zum Strand mitnehmen. Jedes 'alte' Medium wird sich einregeln in eine ökologische Nische, in der es nach wie vor eine Überlebenschance hat." (APA)

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20 Postings
darkyat
02
27.8.2009, 10:18

Eine Reformation des Urheberrechts fordern die Piraten schon seit jeher.

www.piratenpartei.at
- Freies Wissen! Freie Kultur! Freie Menschen!

stolmich
00
31.8.2009, 07:33
volle Zustimmung,

grünes Stricherl.

socram
10
26.8.2009, 23:27

der typ hat von technik keine ahnung.

Bernhard Kubicek
02
26.8.2009, 22:50
sinnvolle Beschränkung

des Urheberrechts auf 10 Jahre nach Tod des Kreativen, und vieles wär gelöst.
Aber bitte keine Aufstockungen alle 10 Jahre um 10 Jahre, wies momentan passiert...

Matz8472
10
27.8.2009, 09:13

Das Urheberrecht kennt keine Aufstockung um 10 Jahre (wie das Markenrecht beispielsweise) es ist nur ziemlich lang (70 Jahre nach Tod des Künstlers; ohne jetzt auf diverse Ausnahmen einzugehen)

Siehe § 60ff UrhG

Theodor Schule
10
27.8.2009, 13:32
Äpfel/Birnen = UrhR/LSR = USA/EU

Da verwechseln Sie aber einiges.

Im USA-Fall gehts eben um die USA, nicht um Europa.

Und der EU-Verweis bezieht sich nicht auf die Dauer des Urheberrechtes sondern auf die Dauer des Leistungsschutzrechtes für ausübende Künstler. Diese Frist wird aber nicht nach dem Tod des Rechteinhabers gerechnet sondern ab der Aufnahme des Werks. Im Übrigen ist dieses Vorhaben vor ein paar Monaten (auch Dank österreichischer Widerstände) vorübergehend eingeschlafen.

Nessus
00
29.8.2009, 15:09
Das Problem ist nur...

...dass die USA ihr eigenes Gesetz weltweit durchdrücken wollen. Die Anpassung des EU-Rechts an das US-Recht ist beim derzeitigen Lobbyistendruck nur mehr eine Frage der Zeit (ACTA)

abau
00
26.8.2009, 21:18
Und, wo bleibt die Neudefinition?

"Geistiges Eigentum: Neudefinition gefordert"

Wo genau versteckt sie sich?

Was ist nun "Geistiges Eigentum" ganz konkret?

4freedom
00
26.8.2009, 19:34
Das Urheberrecht ist das Vehikel, um aus dem Internettraffic Geld zu machen.

"Musik" und Filmindustrie haben in der Politk bereitwillige Helfewr gefunden, weil bei Flatrate oder anderer Bezahlung auch Steuern anfallen.

Darum geht es der Industrie und der Politik, die das Vorgehen zusätzlich zur Einschüchterung nutzt.

"Es darf nicht sein, dass es einen rechtsfreien Raum gibt" - weder das Schlafzimmer, noch das Internet dürfen rechtsfrei sein.

her wig
00
26.8.2009, 14:26

Also wenn ich etwas wirklich brauche, dann zahle ich auch dafür. Die typischen Download-Kandidaten wie Musik oder News des Tages erfüllen dieses Kriterium aber nicht, nämlich nicht im einzelnen.

NONE
03
26.8.2009, 13:05

Die Vorstellung einer Pauschalvergütung als Darstellung einer "Kultur-Flatrate" als Lösung ist keine Lösung - dadurch werden die alten Zwangsgebühren weder wegkommen, noch wird DRM wegfallen oder Lobbyisten aufhören Gesetzesvorlagen zu ihren Gunsten (gegen Anwender) hin zu verändern.

IFPI Mitarbeiter sollten sich lieber anständige Jobs suchen anstatt von Pauschalvergütung zu träumen.

Taran Seven
00
28.8.2009, 01:07
Sie werden kassieren und trotzdem die verbreitung verbieten...

Und das Geld streichen die Konzerne und nicht die "Urheber" der Werke ein!

Bumbu
 
01
26.8.2009, 11:17
Eine Möglichkeit sei die Idee, geistige Arbeit mit "Indizes" oder Trademarks zu versehen, die wie Wasserzeichen funktionieren und Originale kennzeichnen.

Hat da jemand zuviele feuchte DRM-Träume gehabt?

Jedenfalls kann in einem bestehenden Text kein „Wasserzeichen“ angebracht werden. In Text kann man nichts verstecken, dazu ist seine Redundanz zu klein. Als Maximum kann man einen kreativen Tippfehler einbauen und hinterher nach dem flaschgeschriebenen Wort googeln. Kommt mir ziemlich lahm vor.

Und mit ein bißchen Umformulieren ist selbst eine (ganz und gar nicht triviale) Wiedererkennung auf der Basis einer Stilanalyse ausgeschlossen.

Leute, das wird nix.

Nessus
00
27.8.2009, 01:29
Genauso funktionierts mit Telefonbüchern

da sind fake-Adressen und Nummern eingebaut, so dass Kopien erkennbar werden.

Bumbu
 
00
27.8.2009, 13:44
fake-Adressen und Nummern

Das ist mir wohl bekannt (Landkartenhersteller hielten es manchmal ähnlich), deshalb habe ich ja auch geschriebenen „bestehende Texte“.

Natürlich, wenn das System mich zwingt, in jeden Absatz einmal ein „goldenes Warzenschwein“ einzubauen, dann glaube ich gerne, daß es die Verbreitung meiner Texte im Web nachvollehen kann. Aber will ich das?

cupertino
10
26.8.2009, 16:40
sudern bringt aber auch nix.

ich finde es durchaus wichtig, dass sich wissenschafter mit diesem thema auseinander setzen (und nicht nur rechteverwerter, die nur an der kohle interessiert sind). viele ideen klingen zwar einleuchtend, bleiben aber akademisch, da sie technisch nicht zu realisieren sind.

abau
00
26.8.2009, 21:18
Naja

"wissenschafter mit diesem thema auseinander setzen"

Auseinandersetzen und unsinnige Vorschläge bringen sind zwei Paar Schuhe!

alter ego
00
26.8.2009, 17:31
inwiefern ...

klingen wasserzeichen in text einleuchtend?

pro.test
00
29.8.2009, 14:03

es gibt nicht nur plaintext...
google zb: pdf wasserzeichen

was das ganze ad absurdum führt ist die tatstache, dass man text immer noch einfach abschreiben, von bilden screenshots machen und audio/video streams aufzeichnen kann.

in japan kann man sich eine mögliche (funktionierende) lösung des copyright problems ansehen.

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