Angehörigen wurden die falschen sterblichen Überreste übergeben - Mann war 1973 ermordet worden
Santiago de Chile - Der chilenische Staat muss die
Familie eines unter der Militärdiktatur verschwundenen Mannes
entschädigen, weil ihr fälschlicherweise die sterblichen Überreste
eines anderen Diktatur-Opfers übergeben wurden. Die Ehefrau und die
drei Kinder von Patricio Duque Orellana sollten mit umgerechnet gut
32.000 Euro für ihren "Schmerz und das moralische Unrecht"
entschädigt werden, entschied am Montag ein
Berufungsgericht in der Hauptstadt Santiago de Chile. Die Behörden
hatten der Familie sterbliche Überreste übergeben, die angeblich von
dem 1973 verschwundenen Orellana stammten. Nachdem die Angehörigen
diese bestattet hatten, kam heraus, dass die Knochen von einem
anderen Diktatur-Opfer stammten.
Der Staat hätte nach Auffassung des Gerichts nicht behaupten
dürfen, die Knochen seien sicher als sterbliche Überreste von
Orellana identifiziert worden, obwohl dies technisch gar nicht
möglich gewesen sei. Zunächst war der Staat zu einer Entschädigung
von umgerechnet 126.000 Euro verurteilt worden, die Zahlung wurde nun
herabgesetzt. Die Angelegenheit war 2006 ins Rollen gekommen, als
herauskam, dass mehr als hundert Gebeine aus einem 1991 entdeckten
Massengrab falsch zugeordnet worden waren.
Während der Militärdiktatur von General Augusto Pinochet in den
Jahren 1973 bis 1990 waren mehr als 3000 Menschen getötet worden oder
verschwunden. Der spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón hatte
den 2006 verstorbenen Pinochet im Dezember 1998 wegen Völkermordes,
Terrorismus und Folter angeklagt. Der Ex-Machthaber, der durch einen
blutigen Putsch gegen den demokratisch legitimierten
Staatspräsidenten Salvador Allende an die Macht gekommen war, konnte
in London vorübergehend festgenommen werden. Da ihm jedoch
Prozessunfähigkeit bescheinigt wurde, konnte Pinochet 15 Monate
später in seine Heimat zurückkehren. (APA)