Antisemitismus 2.0

26. August 2009, 08:36
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Der nette Herr Strache, der nur "über alles reden" will, ist ein Etikettenschwindel

Jetzt ist schon wieder was passiert. FPÖ-Mann Dieter Egger, jenseits des Arlbergs bisher gänzlich unbekannt, findet, einen "Exil-Juden aus Amerika in seinem hochsubventionierten Museum" gehe die österreichische Politik nichts an. Schon komisch, dass FPÖ-Politiker immer wieder rechts außen vom Regierungssessel rutschen.

Ein paar Tage später sitzt Heinz-Christian Strache im ORF, und nicht nur der blitzblaue Pullover, den der FPÖ-Chef um die Schultern trägt, wirkt weichgespült. Strache ist geduldig, freundlich, fast zahm. Mit der Kabarettistin Monica Weinzettl wolle er "über alles reden", und woher der als "Exil-Jude" titulierte Museumsdirektor, den Parteifreund Egger so unzweideutig antisemitisch attackierte, komme, sei "vollkommen gleichgültig". Ein Zufall wohl, dass Egger sicherheitshalber "Amerika" dazusagt.

Der Strache des Fernsehens ist ein freundlicher Mann. Freilich gibt es auch jenen Strache, der am Viktor-Adler-Markt steht und den Zu-kurz-Gekommenen seine heisere Stimme leiht. Er schreit dann, dass Asylwerber und Kriminelle dasselbe seien, genauso wie Islam und Islamismus. Er ruft, "ich will die Pummerin weiter läuten hören".

Doch der weichgespülte Primetime-Strache ist schon schlimm genug. Im ORF-Sommergespräch gibt er einfache Antworten, die irgendwie gut klingen. Aber nur irgendwie. "Multi-Kulti"-Gesellschaft könne eben nicht funktionieren, pflegt der FPÖ-Chef ein Gesellschaftsbild, so komplex wie ein Kochrezept von der Jetti-Tant'. Steuern runter bei mehr Sozialleistungen: Einen solchen Widerspruch löst Strache nicht auf, er überspielt ihn mit dumpfen Tiraden. Und ja, natürlich gibt es in Österreich Städte mit Integrationsproblemen von Zuwanderern. Straches Rhetorik will sie nicht zunichte, sondern größer machen.

Strache sagt am Dienstagabend auch, er sei "mutig", die anderen Politiker seien "feig". Es ist dieselbe altbackene Kerl-Attitüde, mit der die FPÖ plakatiert: "Tag der Abrechnung". Eine Politik, die niedere Gefühle bedient. Für die treueste Klientel, die Narben im Gesicht und Kränze auf Gräber trägt, bedient man - wie in Vorarlberg - auch schon mal antisemitische. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 26.8.2009)

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