Eine Million Yuan für totgeprügelten Jungen

25. August 2009, 19:53
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Entschädigung für Eltern des getöteten Internetsüchtigen - Im Juli erst hat China Elektroschocks als Therapiemittel gegen Internetsucht verboten

Die Familie des in einem Therapiecamp in Südchina von kriminellen Aufsehern totgeprügelten 15-jährigen Jugendlichen Deng Senshan hat am Dienstag eine Millionen Yuan (110.000 Euro) Entschädigung erhalten. Das ist das höchste Sühnegeld, das bisher in China gezahlt wurde. Der tragische Fall des internetsüchtigen Jugendlichen hatte landesweit Entsetzen und eine Debatte über "Pseudotherapien" ausgelöst, schrieb die Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Verwaltung des geschlossenen Qihang-Trainingslagers zahlte eine halbe Millionen Yuan, eine beteiligte Technologieschule 400.000 und ein lokales Medienunternehmen, das für das Training geworben hatte, 100.000 Yuan. Die Mutter des Jungen liegt nach einem völligen Zusammenbruch nach der Todesnachricht im Krankenhaus.

Kein Einzelfall

Die Tragödie des Schülers Deng Senshan ist kein Einzelfall, sondern wird als Warnsignal für eine Gesellschaft gesehen, in der alles in Extremen passiert, vom rapiden Wachstum der Wirtschaft, protzenden Millionären in Superstädten inmitten eines für der Masse noch bitterarmen Entwicklungslandes. Mit 338 Millionen Online-Nutzern hat China die größte Internetpopulation der Welt, aber auch Millionen sich asozial verhaltender Internetsüchtiger unter Jugendlichen.

Kein Camp ist offiziell zugelassen

400 Camps gegen Internetsucht lassen sich heute in China ihre "Therapien" teuer bezahlen. Keines ist offiziell zugelassen. Korrupte Behörden drücken beide Augen zu. In Peking streiten noch die Experten, was Internetsucht ist.

Elektroschocks als Therapiemittel verboten

Nach Deng Senshan wurden zwei weitere Fälle von Jugendlichen in Camps in Sichuan und Guangdong bekannt, die fast totgeprügelt wurden. Quälereien und brutale Drillübungen sind an der Tagesordnung. Eines der Prügelheime flog auf, weil Jugendliche Leintücher mit Hilferufen an Gitterfenster hängten. Im Juli hatte das chinesische Gesundheitsministerium landesweit Elektroschocks als Therapiemittel gegen Internetsucht bei Strafe verboten. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD Printausgabe, 26.08.2009)

 

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