Softwarebau mit Qualitätsanspruch

25. August 2009, 19:49
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Die Informatikerin und Femtech-Expertin Ruth Breu entwirft IT-Systeme

Schlechte Software kann Leben gefährden: etwa wenn ein medizinisches Gerät nicht funktioniert. Oder wenn die Steuerung von Telekommunikations- und Energieinfrastruktur ausfällt und damit eine ganze Gesellschaft zum Stillstand bringt. Die Informatikerin Ruth Breu beugt solchen Zwischenfällen vor. Unter dem Begriff "Quality Engineering in der IT" fasst die Leiterin der gleichnamigen Forschungsgruppe an der Uni Innsbruck alle Maßnahmen zusammen, die notwendig sind, um "gute" Software zu erstellen.

Die Femtech-Expertin des Monats August nennt Sicherheit, Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Ergonomie als Qualitätsmerkmale für IT-Systeme. Mit der zunehmenden Vernetzung steigen auch die Sicherheitsanforderungen. Zum Beispiel, wenn elektronische Krankenakte vom Hausarzt zum Spital übermittelt werden.

Die 44-Jährige beschäftigt sich mit frühen Phasen des Entwerfens von Software. Dabei kommen Modelle zum Einsatz, vergleichbar der Konstruktion von Gebäuden und Autos. Vom Software-Engineering schlägt sie die Brücke zum IT-Management, wobei das Steuern und Überprüfen der Qualität Aufgaben sind, die Mensch und Maschine gemeinsam bewältigen müssen.

Seit 2002 Professorin für Informatik und Institutsleiterin, nimmt sie im September auch als Leiterin des Laura Bassi Exzellenzzentrums "Q(uality) E(ngineering) LaB" die Arbeit auf. "Als erste Forschungsinstitution werden wir uns dem Spannungsfeld von Kooperation, Qualität und Flexibilität zusammen mit vier Industriepartnern widmen", sagt Breu.

Die gebürtige Berchtesgadenerin studierte an der Universität Passau und habilitierte an der TU München. Danach war sie einige Jahre als selbstständige IT-Beraterin tätig. An der Uni Innsbruck fand die Informatikerin, deren Antrieb das gestalterische Arbeiten ist, schließlich ihre goldene Mitte: fundiert, längerfristig und anwendungsnah zu arbeiten.

Ihren Führungsstil beschreibt sie als fördernd und fordernd: "Ich versuche, meine Leute bestmöglich zu betreuen und ihnen gleichzeitig früh Verantwortung und Freiraum zu geben." Der Frauenanteil in ihrer Gruppe ist mit 30 Prozent vergleichsweise hoch, was wohl auch an der guten Kommunikation liege. Außerdem müsse die Arbeit natürlich auch Spaß machen. Im Gegensatz zu dem, was man Beschäftigten in der IT-Branche nachsagt, gebe es bei ihr keine Geeks ohne soziale Kontakte.

Bei Konferenzen und Auslandsaufenthalten hat die dreifache Mutter bewusst Abstriche zugunsten ihrer Familie gemacht und es dennoch geschafft, sich weltweite Netzwerke aufzubauen: "Diese sind wichtig, um als Frau vermehrt verantwortungsvolle Positionen zu besetzen." Gemeinsam haben ihr Mann und sie ein balanciertes Familien-Modell entwickelt - um den Preis, "keine Zeit für sich selbst zu haben und viel Geld in hochwertige Kinderbetreuung und Haushalts-Outsourcing zu stecken". Die Freizeit wird entsprechend intensiv genutzt: beim Sport oder der gemeinsamen Leidenschaft Geoca-shing, einer Art GPS-Schnitzeljagd. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 26.08.2009)

  • Ruth Breus Antrieb ist das gestalterische Moment beim Software- Engineering.
    foto: privat

    Ruth Breus Antrieb ist das gestalterische Moment beim Software- Engineering.

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