Charles Vögele schrieb rote Zahlen

25. August 2009, 19:06
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Weiterer Lagerabbau - Künftiger schneller Wechsel der Kollektionen

Pfäffikon - Die Kunden von Charles Vögele haben im ersten Halbjahr zurückhaltender eingekauft. Der Umsatz des Schweizer Modekonzerns ist mit 743 Mio. Franken (490 Mio. Euro) um 6 Prozent tiefer ausgefallen als im ersten Halbjahr 2008.

Währungsbereinigt lag er 1 Prozent tiefer. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 2,3 Mio. Franken. Im ersten Halbjahr 2008 hat Charles Vögele noch einen Gewinn von 3,1 Mio. Fr. erwirtschaftet. Auf operativer Stufe (EBIT) hat sich das Ergebnis von 15,6 Mio. auf 6,6 Mio. Fr. mehr als halbiert.

Kostensenkungsmaßnahmen seien eingeleitet, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Damit habe der Betriebsaufwand um 8 Prozent auf 357 Mio. Fr. reduziert werden können.

Charles Vögele arbeitet auch weiterhin daran, sein Lager abzubauen. Im ersten Halbjahr ist dies vor allem dank Rabatt-Aktionen gelungen. Im Vergleich zum Juni 2008 hätte die gelagerte Ware nun bereits um 15 Prozent auf 237 Mio. Fr. reduziert werden können. Bis im März 2010 soll das Lager um sämtliche Stücke, die älter sind als 18 Monate, bereinigt sein.

Flucht nach vorne

Doch Charles Vögele ergreift auch die Flucht nach vorne: Kollektionen werden in Zukunft schneller erstellt und häufiger gewechselt. Die starke Stellung im Bereich "aktuelle und preiswerte Mode" soll weiter ausgebaut werden und die Zielgruppe der "mitten im Leben stehenden Menschen" noch stärker ins Zentrum rücken.

Entsprechend gestaltet Charles Vögele das Ladenbaukonzept um und wird seine Werbekampagnen neu auslegen. In den Hauptmärkten werde zudem eine Verdichtung des Filialportfolios angestrebt. Charles Vögele setzt in Zukunft auch auf den Online-Handel. Dieser verzeichne in Europa derzeit die höchsten Zuwachsraten. Darum werde das Unternehmen diesen Kanal zusätzlich erschließen.

Für das Gesamtjahr geht Charles Vögele davon aus, dass sich der flächenbereinigte Umsatz besser als der rückläufige Gesamtmarkt entwickelt.

Kein Optimismus an der Börse

An der Börse hingegen machte sich zunächst keinerlei Optimismus breit. Die Titel verloren zunächst stärker als der Gesamtmarkt. Die Abgaben wurden in Marktkreisen auf die wieder in den Hintergrund getretenen Spekulationen über ein Übernahmeangebot der Migros zurückgeführt. Diese hatte im August ihre Anteile auf über 10 Prozent erhöht. Doch im Verlaufe des Tages erholte sich die Aktie und schloss sogar mit 4,0 Prozent im Plus bei 41,80 Franken.

Charles Vögele hat ein bewegtes Halbjahr hinter sich: Im Frühjahr hatten Finanzinvestoren um den Hedge-Funds Laxey und den Financier Tito Tettamanti den damaligen Verwaltungsratspräsident Bernd Bothe, Vizepräsident Felix Ehrat und zwei weitere Verwaltungsräte von Charles Vögele gestürzt.

Die Finanzinvestoren waren unzufrieden mit der Strategie des bisherigen Vögele-Verwaltungsrates, am Engagement des Unternehmens in zahlreichen europäischen Ländern festzuhalten. Vögele verfügt derzeit über 851 Verkaufsniederlassungen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Slowenien, Ungarn und Polen sowie Tschechien. (APA)

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