Hochschulbereich wird neu geordnet

25. August 2009, 19:05
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Ein "Titanenprojekt" für die Wissenschaftspolitik

Alpbach - Mehr als 80 Prozent der Österreicher haben eine gute Meinung von den heimischen Universitäten und Hochschulen und halten sie im internationalen Vergleich für "besser" oder "gleich gut" . Zum Vergleich: Nur 68 Prozent geben diese Noten den österreichischen Pflichtschulen. "Alles paletti" , sagte Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) angesichts dieser aktuellen GfK-Umfrage trotzdem nicht. Die im internationalen Vergleich relativ niedrige Absolventenquote von 75 Prozent sei etwa verbesserungswürdig.

Deswegen will Hahn nun, wie im Regierungsprogramm vorgesehen, ein "Titanenprojekt" in Angriff nehmen: die Diskussion für einen "Österreichischen Hochschulplan" . Dieser soll "maximale Abstimmung" und "klare Aufgabenteilung und Schwerpunktsetzung" zwischen allen Hochschulen schaffen. Bis Herbst will Hahn konkrete Fragen ressortintern gestellt haben. Danach folgt ein Diskussionsprozess, wie Friedrich Faulhammer, seit kurzem Generalsekretär des Wissenschaftsministeriums, ergänzte. Der Diskurs soll so offen wie möglich ablaufen: Geplant sind ein Dialogforum im Frühjahr 2010 und ein Online-Forum. Am Ende soll ein "Weißbuch" stehen.

Natürlich müsse hinterfragt werden, ob Mehrfachstandorte zu einem bestimmten Thema sinnvoll sind. Von Schließungen wollte Faulhammer aber nichts wissen. Für Hahn stellt sich auch die Frage, ob das Hochschulsystem auf der Ebene der Bachelor-Abschlüsse wirklich alle Ausbildungsbedürfnisse befriedigt und wie man eine bessere "Berufsqualifikation erzeugen" könnte. Bei Master-Studien und Postgraduate-Programmen soll es mehr Freiräume für eine Hochschullaufbahn geben. Hahn will ein optimiertes Schnittstellenmanagement zwischen FHs und Unis, aber auch zwischen den Unis. Nicht jede Hochschule müsse ein Bachelor- und Master-Studium in einem Fach anbieten, man könne im Sinne der stets geforderten Mobilität auch den Studienort wechseln.

Ein Problem dürfte aber auch das "Weißbuch" nicht lösen - den neuerlichen Studentenansturm durch den fast hundertprozentigen Wegfall der Studiengebühr. Im Sommersemester 2009 inskribierten um 22 Prozent mehr Studierende als 2008. Hahn: "Man kann mir nicht einreden, dass dieser Anstieg allein auf die Finanzkrise zurückzuführen ist." (Peter Illetschko, DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2009)

 

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