Häuser von Christen in Istanbul gekennzeichnet

25. August 2009, 19:03

Kurdische Vertreter im Parlament verlangen Aufklärung - Noch ist ungeklärt, wer hinter der Aktion steckt

Die kurdische Parlamentsabgeordnete Sebahat Tuncel sorgt mit einer Parlamentsanfrage über eine mögliche Kennzeichnung christlicher Häuser derzeit für Aufsehen: Demnach wurden in den letzten Wochen Häuser in Sisle und Samatya, Gegenden in Istanbul, in denen viele Armenier und Griechen leben, mit roten oder grünen Zetteln gekennzeichnet. Tuncel will von Innenminister Besir Atalay wissen, wer hinter dieser Kennzeichnung steckt und welchen Sinn das haben soll.

Die Anfrage von Sebahat Tuncel geht auf einen Bericht in der armenisch-türkischen Wochenzeitung Agos zurück. Wie Agos-Redakteur Ariz Nalci dem Standard bestätigte, hätten beunruhigte, "überwiegend ältere Angehörige der armenischen Community" bei der Zeitung angerufen und darüber berichtet, dass an ihren Häusern kleine rote oder grüne Zettel pickten. Man ging der Sache nach und stellte fest, dass rund 100 Häuser, in denen nicht immer, aber doch sehr häufig Armenier leben, mit diesen Zetteln, die ungefähr die Größe eines U-Bahn-Tickets haben, beklebt seien.

"Wir wissen nicht, was das bedeuten soll", sagte Nalci, aber etliche Leute seien beunruhigt. Nachfragen bei der Stadtverwaltung und der Polizei haben bislang kein Ergebnis gebracht. "Niemand weiß davon", sagt Nalci, weshalb nun die Abgeordnete Tuncel den Innenminister aufgefordert hat, die Sache aufzuklären. "Es kann ein schlechter Scherz sein", sagte Nalci, "es kann aber auch einen ernsten Hintergrund haben."

So geht aus der Anklageschrift gegen die nationalistische Erge- nekon-Gruppe, der vorgeworfen wird, einen Putsch gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan vorbereitet zu haben, hervor, dass Anschläge auf Armenier als ein Mittel für eine gezielte Destabilisierungskampagne vorgesehen waren.

Vor zweieinhalb Jahren wurde der Chefredakteur von Agos, Hrant Dink, vor der Redaktion von einem rechtsradikalen Jugendlichen erschossen. Die Hintermänner dieses Mordes werden ebenfalls bei Ergenekon vermutet.

Bis sich jetzt Sebahat Tuncel der Geschichte mit den Zetteln annahm, war das Ganze lediglich eine lokale Geschichte. Weder der Sprecher des griechischen Patriarchats, Dositeos Anagnostisois, noch der Pfarrer der evangelischen Gemeinde, Holger Nollmann, wussten davon. Agos und Sebahat Tuncel verlangen nun, dass die Polizei eine offizielle Untersuchung vornimmt, um die Betroffenen zu beruhigen. "Sie sollen öffentlich dazu Stellung nehmen", sagte Nalci, "damit wir wissen, was los ist."

In der Vergangenheit, zuletzt 1955, war es mehrmals zu Ausschreitungen gegen die christlichen Minderheiten gekommen. (Jürgen Gottschlich aus Istanbul/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2009)

Kommentar posten
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1 2
Der Wählerwille
 
00
4.10.2009, 12:53
Cp6uja
25
geil ...

die ungewollten sind eben doch die besten ...

da werden die noch nicht gestohlenen christlichen immobilien in konstantinopel markiert und erster ansprechpartner ist - natürlich - der "staat" ...

also staat und stadt waren es diesmal nicht? gut zu wissen ...

mfg

Udys
410
28.8.2009, 09:14
„Yurtta Sulh, Cihanda Sulh“ Teil 1 (Rechtliche Benachteiligung der Christen)

Bereits seit Gründung der Republik 1923 regelt das Lausanner Abkommen für die damals neu entstehende Türkische Republik die Rechte der in der Türkei lebenden nichtmuslimischen Minderheiten. Und seitdem haben die Behörden den Neubau und die Renovierung von Kirchen praktisch unmöglich gemacht oder verhindert, die seit 1970 geschlossenen theologischen Seminare dürfen nicht wiedereröffnet werden. Der an Armeniern und assyrischen Christen und Pontusgriechen verübte Völkermord während des I. Weltkrieges - also vor der Gründung der heutigen Türkei - wird bis heute geleugnet, abweichende Meinungen können mit schweren Strafen geahndet werden.

aiuto
102
Gesamtschau der Dinge

Man muss halt immer die ganze Geschichte kennen, und nicht nur vom Völkermord an den Armeniern reden (so traurig ein solcher ist), sondern auch die Rolle der Armenier im und nach dem 1. Weltkrieg beleuchten.
Das alles muß in einer Gesamtschau aufgearbeitet werden, denn nur dann ist in Zukunft ein Zusammenleben in guter Nachbar shcaft möglich.

Udys
31
@ aiuto: Der Völkermord an den Armeniern und die Legende der Täter blieben im Gedächtnis und Gewissen der Welt bestehen,

doch welchen grund hatte das Türkentum, einen Völkermord an so kleine Gemeinden wie die der Christen syrisch-jakobitischer, syrisch-katholischer, nestorianischer oder chaldäischer Konfession zu begehen, ihr Leid ist fast unbekannt.

Generell finde ich, man sollte auch nicht vom Genozid an den Armeniern, sondern vom Genozid an der Christenheit in der Türkei reden (mindestens 1,5 Mil. Christen würden um 1915 in der Türkei ermordet, der Rest vertrieben).

Außer das es eben Christen waren, welche Bedrohung stellten gerade diese kleinen Gemeinden für das Türkentum dar?

Mit welche Legende (ausrede) wird der Völkermord an diesen kleinen Gemeinden gerechtfertigt?

Man muss halt immer die ganze Geschichte kennen...

Udys

Sahin A.
11
Soso, Mindestens 1,5 Millionen?

Vor einiger Zeit waren es 1 Mio, in den 50ern waren es sogar 500 000.

Die Zahlen steigen und steigen und keiner kann beweisen woher diese Zahlen herstammen.

Man muss halt immer die ganze Geschichte kennen...

s.c
 
186
28.8.2009, 10:23
wie viele Osmanen sind den von Armeniern und Griechen zu diesen zeitpunkt massakriert worden??

Ich möchte dir einen anhaltspunkt geben:

es waren hunderttausende!!

Heimwerkerking
 
10
Wenn das wahr ist:

Dann waren die kampferprobten und gut bewaffneten Osmanen, immerhin die Gläubigen einer Kriegsreligion, keinen Ghazis und Glaubenskrieger, so wie sie sich oft selbst darstellten, sondern Wurschteln.
Sich von ein paar Armeniern und sonst. Christen die schon aufgrund des Glaubens nicht wissen wollen, wo beim Gewehr vorne und hinten ist massakrieren zu lassen, ist keine mil. Glanzleistung der ruhmreichen osm. Armee gewesen.

AntiFa201
59
29.8.2009, 17:03

hat ihnen das großvater atatürk so erzählt? und was wenn papa atatürk befohlen hätte jeden freitag um 15 uhr laut zu bellen? hätten sie dann wuff wuff gemacht? armes armseliges ding sind sie.

s.c
 
113
30.8.2009, 18:17
so schwierig die frage zu ebantworten??

wie viele Osmanen sind den von Armeniern und Griechen zu diesen zeitpunkt massakriert worden??

Du gehörst zu den bellenden Hunden dazu!!!

Mario1938
 
95
29.8.2009, 19:27
deutshe sprache schwere sprache ;)

Udys
310
28.8.2009, 09:14
„Yurtta Sulh, Cihanda Sulh“ Teil 2 (Rechtliche Benachteiligung der Christen)

Unter Berufung auf ein Stiftungsgesetz von 1935 kommt es jetzt - ganz aktuell - in der Türkei zu Enteignungen von Grundeigentum und Immobilien von christlichen Gemeinden und zum Verbot, neues Eigentum zu erwerben. In Deutschland dagegen können türkische Muslime selbstverständlich Eigentum erwerben, um in ihnen Gebetshäuser und Moscheen zu errichten.

Interrupt
81
life sux

tja, sowas nennt man dann "andere länder, andere gesetze".

wenn's nicht gefällt gibt es zwei möglichkeiten:
a. den in deutschland lebenden türken das eigentum wegnehmen
b. "life sux balls" beherzigen

Udys
49
28.8.2009, 09:12
http://www.vsp-vernetzt.de/soz/000816.htm

Gerade den faschistoiden "Grauen Wölfen", die mit ihrer Partei MHP (Partei der Nationalen Bewegung) in der Türkei die Regierungspolitik mitprägen, fällt bei der Radikalisierung des türkischen Nationalismus in Deutschland eine wichtige Aufgabe zu. Sie versuchen, mit ihren Dachverbänden, wie der Türk-Föderation (ADÜTDF - Föderation der Idealistenvereine in Deutschland), und ihren Nebenorganisationen ein wichtiger Treffpunkt von MigrantInnen und Migrantenjugendlichen zu sein, die auf Identitätssuche sind.

s.c
 
238
26.8.2009, 09:24
ich dachte dass es keine Christen in der Türkei gibt??? Jetzt aufeinaml gibt es doch christen in der Türkei??

Sebahat Tuncel... eine PKK Aktivistin!!! AUsgerechnet die regen sich jetzt auf?

Haben die Bewohner der betroffenen keinen Mund? Als Dink niedergestreckt wurde haben die aber sehr wohl für sich slebst gesprochen!!

Sebahat Tuncel soll lieber ihren Mund halten und sich gegen die Machenschaften der PKK Terroriten mobilisieren!

Srta. Ofelia
26

Es sind genau Leute wie sie, die den schlechten Ruf der Tk. rechtfertigen.

emanze c
59
28.8.2009, 09:16
99% in der Türkei sind muslimisch - in einem 70 Millionen Land bleiben da durchaus noch einige Christen übrig, die das 1% fast ausschließlich stellen.



Christen können in der Türkei de facto nur in fast ausschließlich christlichen Gemeinden oder in Großstädten leben, hauptsächlich in Istanbul. Daher gibt es recht große christliche Viertel/Konzentration va in Istanbul. Zu groß wäre die Angst vor Übergriffen am Land - wie die Ermordung von Leitern eines christlichen Verlags in Anatolien deutlich gezeigt hat vor einigen Jahren.

Und ja - die PKK "regt sich auf". Sie hat aus ihrer eigenen Erfahrung der Verfolgung ihrer Minderheit immer glaubwürdig Rechte für ALLE Minderheiten gefordert, und Konsequenzen bzw Schuldeingeständnisse für ALLE Massaker, Vertreibungen und Genozide, ob an Kurden, Griechen, Armeniern oder Aleviten, gefordert bzw eine Verfolgung der gemeinsamen Feinde, der Faschisten.

objective observer
08
27.8.2009, 01:31
Christen in der Türkei..

Nur um Ihre Wissenslücke hier aufzufüllen. Es gibt durchaus Christen in der Türkei. Rund 100.000 Christen gibt es offiziell. Die meisten im Raume Istanbuls. Was Sie auch wundern dürfte: Es gibt auch rund 40 Kirchen in Istanbul..

Der_Klingone
610
27.8.2009, 10:33
Eigentlich gibt es sogar mehr als 40 Kirchen ...

... wenn man auch noch die hinzuzählt, die in Moscheen "transformiert" wurden.

karagul35
72
28.8.2009, 12:18
welche bitte???? Wenn Sie Hagia Sofia meinen - ist dieser keine Moschee sondern ein Museum... Nennen Sie mir bitte andere, die in "aktive" Moscheen "transformiert" wurden - ich möchte bitte Beispiele haben...

Jules Winnfield sr.
48
29.8.2009, 13:14

Konstantinos-Lips-Kloster, Fenari Isa Camii,
Myrelaion-Kirche, Bodrum Camii,
Kyriotissa-Kirche (Akataleptos-Kirche), Kalenderhane Camii,
Theodoros-Kirche, Molla Güramii Camii,
Pantokrator-Kirchen, Molla Zeyrek Camii,
Pammakaristos-Kirche, Fethiye Camii,
Chora - Kirche, Kariye Camii (Museum)
Ioannes Prodromos en Trullo Kirche, Ahmet Pasa Camii,
Nikolaus Kirche, Kefeli Mescid,
Theodosiakirche, Gül Camii,
Pantepoptes Kloster, Eski Imaret Camii,
usw, usw..
Übrigens einige Links zur Lage der Christen in der Türkei fürden Interessierten:
http://www.igfm.de/index.php?id=120
http://www.gfbv.de/inhaltsDo... 54d915e1ea
http://www.spiegel.de/politik/d... 45,00.html

Interrupt
113
27.8.2009, 12:49
vielleicht sollte man sich überlegen ...

... diese "siegessymbole" des christentums aus istanbul zu entfernen.

Madame Haram
59
29.8.2009, 15:31
Welchen "Sieg" haben denn die verbliebenen Christen in der Türkei zu feiern? Dass sie noch nicht ermordert o. vertrieben wurden wie Hunderttausende ihrer Glaubensbrüder u. -schwestern? Aber das kennen wir ja schon:Wenn in Gebieten,wo bereits Christen

lebten als es den Islam noch gar nicht gab, Christen systematisch vernichtet wurden u. bis heute werden, hat das schon alles seine Richtigkeit.

Wenn sich allerdings in Europa allmählich Stimmen mehren, die darauf verweisen, dass es eigentlich nicht nötig ist, dass sich die ach so tolerante Friedensreligion - noch dazu mit unserer Billigung - nun auch im Westen ausbreitet, gibt man sich (vordergründig) beleidigt.
Und fühlt sich unter Umständen auch ertappt. Weil für einen selbst die Zeiten der Eroberung noch längst nicht vorbei sind u. es ein reizvoller Gedanke ist, über die Multikulti-Masche vor Jahrhunderten gescheiterte Missionen zu vollenden. Was ja manch türk. Politiker auch ganz offen ausspricht.

Hakim Bey
38
29.8.2009, 12:13

oh man, was für eine idee? ich frage mich, was du machen wirst, wenn eines tages die neonazis kommen und meinen, vielleicht sollte man das türkische element aus wien entfernen.

bist kein spur besser als die. manchmal frage ich mich iwrklich, was die standard redaktion so falsch macht

h.b
56
26.8.2009, 13:22
ich wünschte du könntest lesen sadi

Die Anfrage von Sebahat Tuncel geht auf einen Bericht in der armenisch-türkischen Wochenzeitung Agos zurück. Wie Agos-Redakteur Ariz Nalci dem Standard bestätigte, hätten beunruhigte, "überwiegend ältere Angehörige der armenischen Community" bei der Zeitung angerufen und darüber berichtet, dass an ihren Häusern kleine rote oder grüne Zettel pickten. Man ging der Sache nach und stellte fest, dass rund 100 Häuser, in denen nicht immer, aber doch sehr häufig Armenier leben, mit diesen Zetteln, die ungefähr die Größe eines U-Bahn-Tickets haben, beklebt seien.

aber es ist eindeutig zu viel, einen nationalisten zu finden, der auch lesen kann? :)

selten so gut gelacht wie heute (nur einmal noch als atagay in youtube zu sehen war)

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