"Unsere First Lady des Sports"

26. August 2009, 22:06
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Caster Semenya, Weltmeisterin über 800 m, wurde daheim in Süd­afrika stürmisch empfangen. Sie selbst wirkte bedrückt und in sich gekehrt. Ergebnis des Tests zur Geschlechtsbestimmung steht noch aus

Johannesburg - Tausende Menschen haben 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya am Dienstag auf dem Flughafen von Johannesburg willkommen geheißen. Nur langsam konnte sich die wegen ihres männlichen Aussehens und ihrer tiefen Stimme umstrittene 18-Jährige den Weg durch die tanzende Menschenmasse bahnen, unter der auch ihre Familie war.

Dabei wirkte die Hauptdarstellerin zwei Tage nach Ende der Leichtathletik-WM in Berlin bedrückt und in sich gekehrt. "Hallo zusammen", rief sie ihren Anhängern zwar zu, lachte ansonsten aber kaum. Auf Schildern huldigten die Menschen "Unsere First Lady des Sports". "100 Prozent Frau" und "Simply the Best", hieß es weiter. Auch Winnie Mandela, die Ex-Frau von Ex-Präsident Nelson Mandela, stand Spalier. Das Fernsehen übertrug live. Am Nachmittag war ein Treffen mit Präsident Jacob Zuma geplant, der Semenya und 800-m-Weltmeister Mbulaeni Mulaudzi sowie das gesamte südafrikanische WM-Team in Pretoria empfing, ehe ein Autokorso durch die Stadt anstand.

"Caster ist ein Mädchen. Ich mache mir keine Sorgen. Sie ist wie mein Kind", sagte ihr Onkel Ben Semenya. Die in diesem Jahr aus dem Nichts in die Weltspitze vorgestoßene Semenya muss sich auf Druck des Weltverbandes IAAF derzeit einem Sex-Test unterziehen, mit dem ihr Geschlecht bestimmt werden soll. Diese Nachricht hatte ihren WM-Sieg (1:55,45 Minuten) überschattet und in Südafrika eine Welle des Protests losgetreten. Der IAAF wurde Rassismus vorgeworfen. Südafrika kündigte an, sich bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen zu beschweren.

Unterdessen berichtet der englische Telegraph unter Berufung auf eine nichtgenannte Quelle, das Niveau des männlichen Sexualhormons Testosteron sei in Semenyas Körper dreimal so hoch wie normalerweise bei Frauen. Das hätten Tests im Vorfeld der WM gezeigt.

Schon vor einigen Tagen hatte die Schweizer Zeitung Blick geschrieben, Semenya sei nachweislich ein Zwitter mit der Chromosomen-Kombination XY - ein sogenannter Hermaphrodit. Als Informant war ein Trainer genannt worden, der lange in Südafrika tätig war. Der Coach sagte: "Südafrika hat die Tests bereits im März gemacht. Das Ergebnis ist klar. Semenya hätte in Berlin nicht bei den Frauen starten dürfen. Doch ihre Funktionäre haben voll auf die Karte Risiko gesetzt." Verbandspräsident Leonard Chuene spielte auf einer Pressekonferenz am Dienstag den Unwissenden. "Unser Verband hat nicht gewusst, dass Caster infrage gestellt wird." (red; DER STANDARD PRINTAUSGABE 26.8. 2009)

 

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    Caster Semenya wird in Südafrika der Rücken gestärkt, auch von Präsident  Jacob Zuma (re). Dieser kritisierte, der Internationale Leichtathletik-Verband habe eine ehrliche und professionelle Athletin öffentlich gedemütigt.

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