"Sie stellen keine großen Ansprüche"

25. August 2009, 18:23
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Warum die Bewohner der "Pankahyttn" nicht alles geschenkt bekommen und Wien das "Haus Johnstraße" braucht

Sozialschmarotzer werden sie geheißen. Ein bequemes Leben auf Kosten der Steuerzahler würden sie sich machen. Warum bekommen sie eine Wohnung zum Betriebskostenpreis, während andere hart arbeiten um teure Mieten zu bezahlen? Es könnte ja schließlich jeder kommen und vom Staat eine billige Wohnung fordern. Am Ende sogar gratis. Wäre ja noch schöner.

So, oder so ähnlich lesen sich die meisten Postings auf derStandard.at wenn es um die „Pankahyttn" geht. Die „Pankahyttn", wie sie deren Bewohner nennen, oder „Haus Johnstraße" - Wohn- und Lebensraum für junge Erwachsene mit sozialarbeiterischen Betreuungsangeboten - wie der vom Hausbesitzer Stadt Wien installierten Betreiber, der Fonds Soziales Wien (FSW) das Wohnprojekt bezeichnet - war bis zu deren Einzug im Winter 2008 ein altes Zinshaus mit schimmelnden Wänden, undichten Fenstern und veralteten Heizkörpern. Ein Spekulationsobjekt, vom ehemaligen Besitzer jahrelang leerstehend gelassen. „Da hätte sonst sowieso keiner wohnen wollen", sagt Bewohner Bernie, wenn man danach fragt, ob er die Aufregung um Pankahyttn verstehe. Außerdem stehe die „Hyttn" für eine der Grundforderungen der „Initiative Pankahyttn": „Mietfreies Wohnen für alle."

Mehr Wohnraum

„Das Haus Johnstraße ist ein betreutes Wohnhaus für vormals obdachlose junge Erwachsene und das wird es auch immer bleiben", sagt Projektleiter Heimo Rampetsreiter. Dass die Punks das Haus geschenkt bekommen hätten, sei eine Illusion, sagt Rampetsreiter. Es gehöre der Stadt Wien und sei ein Angebot für obdachlose Junge, die anderswo nicht unterkämen. „Und dass die politischen Forderungen der Bewohner nach mehr Wohnraum nicht aufhören werden, nur weil es das Haus gibt, ist klar." Er könne sie gewissermaßen verstehen, sagt Rampetsreiter: „Immerhin stehen in Wien einerseits tausende Wohnungen leer, andererseits können sich viele Junge keinen eigenen Wohnraum leisten."

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ist es mittlerweile ruhig geworden um das Haus in der Johnstraße 45. Im gefegten Innenhof stehen drei abgewetzte Sofas um einen Couchtisch, aus Fensterkisten wuchern Kräuter, einzig ein paar bunt bemalte Fensterrahmen im taubengrauen Bau verweisen auf die Punks. „Sie stellen keine großen Ansprüche: Sie wollen einen leistbaren, selbstgestaltbaren Wohnraum", sagt Rampetsreiter. Auch das Gezanke mit den Nachbarn habe aufgehört. „Seitdem wir neue Fenster haben, geht es besser", sagt Bernie, „Im Innenhof hallt es einfach sehr stark." Zweimal sei in den letzten sechs Monaten die Polizei wegen Lärms ausgerückt, bestätigt Rampetsreiter. In einer Großstadt nicht weiter ungewöhnlich.

Betreutes Wohnen

Momentan werden gerade die ersten Nutzungsverträge mit den rund 20 Bewohnern abgeschlossen. Zu bezahlen haben sie die anfallenden Betriebskosten - wie auch in anderen betreuten Wohneinrichtungen. Peter Hacker, Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien versteht das Haus Johnstraße als „höher qualifizierte Betreuungseinrichtung." Der Kostenaufwand bewege sich jedoch in einem ähnlichen Rahmen, wie bei vergleichbaren betreuten Wohneinrichtungen der Stadt.

Von einer Pankahyttn will er nichts wissen: „Die hat in einer Großstadt sicher auch Platz, aber es ist keine städtische Aufgabe, sie mittels Steuergelder zu finanzieren", sagt Hacker. „Unsere Aufgabe ist es, die Leute wieder auf die Schienen zu stellen, anstatt die Situation eskalieren zu lassen." (derStandard.at, Birgit Wittstock, 25.08.2009)

  • Eine der Grundforderungen der „Initiative Pankahyttn": „Mietfreies Wohnen für alle."
    foto: derstandard.at/wittstock

    Eine der Grundforderungen der „Initiative Pankahyttn": „Mietfreies Wohnen für alle."

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