Charmeur der höchsten Töne

25. August 2009, 17:36
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Tenor Juan Diego Flórez gab einen bejubelten Arienabend

Salzburg - Oft singe er die Arie des Tonio Ah! Mes amis, quel jour de fete! aus Donizettis Regimentstochter auch ein zweites Mal, erzählte Juan Diego Flórez im Daily, der Hauspostille der Festspiele. Das wären dann 18 "hohe Cs" an einem Abend - die unzähligen Spitzentöne, mit denen beinahe jedes von ihm gesungene Stück endet, nicht miteingerechnet.

Diesmal wiederholte der grandiose Belcanto-Tenor aus Lima die Arie nicht. Aber der mitreißende Ausdruck, der strahlende Klang, die schier unendlich langen Phrasen über alle Lagen ohne Spur eines Registerwechsels, all das wird auch ohne "da capo" in Erinnerung bleiben. Kurzum: Spannend mitzuerleben, wie diese technisch geschmeidig und klanglich brillant geführte Stimme aufblühte, an diesem Abend im Großen Festspielhaus.

Das Programm hatte im ersten Teil einen spannenden Kern mit Raritäten des alten Rossini. Dieser hat, nach seinem Rückzug ins Privatleben, neben Kochrezepten doch auch noch kleinere Salonstücke geschrieben und in Sammlungen wie Péchés de vieillesse ("Alterssünden" ) oder Moceaux réservé ("Private Stücke" ) herausgebracht. Juan Diego Flórez hat diesen Pretiosen, die von Sternen, Nymphen, Bacchus und Amor erzählen, feinen Schmelz verliehen. In diesen duftigen, ariosen Klangmalereien erinnert vieles an Chopin, und man hätte sich deshalb einen feinsinnigeren Klavierbegleiter als Vincenzo Scalera gewünscht.

Trotz strahlend-lockerer Spitzentöne und wendiger Kantilene, etwa in der Finalarie des Grafen Almaviva aus Rossinis Barbier, trotz der klanglich differenziert gestalteten Arie J'ai perdu mon Eurydice des Gluck'schen Orphée: Musikalischer Höhepunkt war schließlich doch ein Reigen spanischer Zarzuelas, in denen Werk und Wiedergabe, stimmlicher und sprachlicher Glanz zur vollendeten klangsinnlichen Deckung kamen. Wie viele Farben und Schattierungen Flórez auf seiner Klangpalette hat, wurde in diesen emotional gespannten, dabei introvertierten Stücken besonders deutlich.

Klar: Fünf Zugaben, darunter Una furtiva lagrima oder La donna è mobile - und noch immer war das Publikum kaum zu bewegen, den Saal zu räumen. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD/Printausgabe, 26.08.2009)

Mittwoch, Abschlusskonzert des Young Singers Project im Mozarteum, 19.30 Uhr

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