Solarbranche ohne Chinaschutzfaktor

25. August 2009, 17:32
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Führende europäische Produzenten von Modulen zur Herstellung von Strom aus Sonnenenergie kämpfen ums Überleben – auch wegen starker Konkurrenz aus China

Wien - "Uns geht es nicht besser als der gesamten Branche in Europa" . Manfred Heidegger, Geschäftsführer des Fotovoltaik-Spezialisten Solon Hilber aus Steinach am Brenner musste aufgrund des Auftragseinbruchs Anfang August den Großteil der Belegschaft in Kurzarbeit schicken. "Wir haben die Kurzarbeit für vier Monate angemeldet, betroffen sind 136 der 160 Beschäftigten in Steinach" , sagte Heidegger dem Standard.

Grund für den Auftragsnotstand bei Solon Hilber, einer Tochter der Solon AG in Berlin, sei die Kreditklemme. "Wir bauen große Fotovoltaikanlagen für Projektgesellschaften, Energieversorger und Investoren. Weil die aber nur mehr schwer Geld bekommen, stockt das Geschäft" , sagte Heidegger.

Teilweise noch dramatischer ist die Situation in Deutschland, wo ein Großteil der Hersteller von Modulen zur Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie (Fotovoltaik) sitzen. Ob Q-Cells, Solarworld oder die Solon AG in Berlin: Alle mussten im ersten Halbjahr kräftige Verluste hinnehmen. Einerseits sind die Absatzzahlen konjunkturbedingt eingebrochen, andererseits gibt es zunehmend Konkurrenz durch Billigware aus China. Dort machen die Produktionskosten nur einen Bruchteil der in Europa üblichen Sätze aus.

Boom bei Solarwärme

Und noch ein Faktum spielt eine nicht unwesentliche Rolle: Beflügelt durch die lukrativen Einspeiserückvergütungen in Europa (in Österreich bis zu 45,99 Cent je Kilowattstunde bei Marktpreisen von derzeit rund 4,5 Cent) hat die Fotovoltaikbranche massiv in Kapazitätserweiterungen investiert. Mit dem Einbruch der Nachfrage Ende 2008 sitzen die Hersteller auf gewaltigen Überkapazitäten.

Deutlich besser geht es den Herstellern thermischer Solaranlagen. Allein die Förderanträge für Neuanlagen sind im 1. Halbjahr 2009 um 29 Prozent gestiegen, das waren um 1916 Anträge mehr als im Vergleichszeitraum 2008. "Das war ein Rekordzuwachs" , sagte der Geschäftsführer von Austria Solar, Roger Hackstock, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen.

Drittes Quartal abwarten

Um eine Aussage über das Gesamtjahr zu treffen, müsse das dritte Quartal abgewartet werden. Hackstock: "In den ersten zwei Quartalen sind noch Förderanträge für Anlagen drinnen, die 2008 errichtet wurden. Erst im dritten Quartal wird man sehen, wie viel effektive Neuanträge es gibt."

Die Fördersätze für thermische Solaranlagen, die zur Warmwasseraufbereitung und immer mehr auch zur Heizungsunterstützung eingesetzt werden, liegen in Österreich bei durchschnittlich 20 Prozent der Investitionskosten. Sie seien damit doppelt so hoch wie in Deutschland, aber nur halb so hoch wie in Frankreich oder Italien, sagte Hackstock. Eine klassische Warmwasseranlage koste rund 6000 Euro, eine zur Heizungsunterstützung verwendbare Anlage sei um 12.000 Euro zu haben.

Preisdruck merke man in dem Segment nicht, weil chinesische Hersteller mit einer Technologie am Markt seien, die in Europa weniger Anklang finde.(Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2009)

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    Hersteller von Fotovoltaikmodulen sind stark unter Druck gekommen. Konkurrenz aus China hat die Preise ruiniert, die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe hat zu einem Absatzeinbruch geführt.

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