Eiskaltes Gretchen

25. August 2009, 17:30
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Eine der wenigen deutschen Serien, die funktioniert - Aber wie sollte es weitergehen, wenn schon alles erzählt war?

Eine der wenigen deutschen Serien, die funktioniert: Doctor's Diary. Es gab bald eine eingeschworene Fangemeinde, doch kaum fing es an, war es schon wieder vorbei. Aber nach der ersten war klar, es würde eine zweite Staffel geben! Aber wie sollte es weitergehen, wenn schon alles erzählt war?

Ein wenig absurd. Abgründe taten sich auf: Die Angetraute des Frauenverstehers und Gynäkologen Kaan stellte sich als Prostituierte heraus, der fiese Oberarzt Meier erkannte in Hauptfigur Gretchen seine große Liebe und verließ die böse Schwester Gabi. Gretchen beschloss indes, Meier die kalte Schulter zu zeigen.

In der Folge am Montag hat man sich dann - öffentlich-rechtlich-gemäß - im Bildungsauftrag geübt und machte darauf aufmerksam, wie wichtig ein akademischer Abschluss sei. Über einen solchen verfügt Dr. Gretchen Haase nämlich noch nicht wirklich, worauf sie überdeutlich aufmerksam gemacht wurde. Also schloss sie sich im Labor ein und killte beim Versuch einer Lebertransplantation eine Maus nach der anderen: "Herzstillstand! Tu mir das nicht an! Denk an meine Note!"

Dann erklärte ihr noch der ekelige Dr. Knechtelsdorfer, mit überzeugend österreichischem Dialekt, den Krieg. Da kam ein gewonnener, aber erfundener Maria-Theresia-Preis gerade recht. Wofür der war? Gute Frage? Zumindest so lange, bis Haase herausfand, dass es sich dabei um eine Sympathiebekundung handelte. Am Ende stellte sie sich noch einem Feind ihrer Vergangenheit: ihrer ehemaligen Turnlehrerin - und holte sich die Ehrenmedaille der Bundesjugendspiele.

Half aber alles nix: Am Ende schockgefror sie sich selbst. Wie gesagt: reichlich absurd. (Kathrin Kerndl/DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2009)

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    foto: orf
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