Exil-Juden und Heim-Nazis

25. August 2009, 18:41

Die Gelegenheiten, bei denen die FPÖ ihre Affinität zu Antisemitismus und NS-Gedankengut beweist, sind kaum mehr zu zählen

Die Grundkonstante der österreichischen Politik lautet: Bis zu 25 Prozent der österreichischen Wähler geben ihre Stimme einer Partei mit stark rechtsextremen, antisemitischen und NS-nostalgischen Zügen. Die FPÖ wurde nie ganz konsequent ausgegrenzt. Manchmal wird diese Partei in die Regierung hineingenommen - 1983-1986 von der SPÖ, 2000-2006 von der ÖVP. Jedes Mal erweist sich dabei ihre Regierungsunfähigkeit. Macht nichts, sowohl in der SPÖ wie in der ÖVP gibt es genug Politiker, die aus Schaden dumm werden.

Das ist, in etwa, der Nukleus der österreichischen Politik seit Jahrzehnten.

Die Gelegenheiten, bei denen die FPÖ ihre Affinität zu Antisemitismus und NS-Gedankengut beweist, sind kaum mehr zu zählen. Wenn diese Leute einen in Frankfurt geborenen Vorarlberger Museumsdirektor als "Exil-Juden aus Amerika" bezeichnen, müssen sie es sich wohl gefallen lassen, sich als "Heim-Nazis" bezeichnen zu lassen. Die Begrifflichkeit "Exil - Jude - Amerika" ist fixer Bestandteil der nazistischen und neo-nazistischen Kampfrhetorik.

Der Wahlkampfslogan der FPÖ ("Elterngeld für heimische Eltern" ) entspricht der historischen nationalsozialistischen Politik: üppige staatliche Leistungen - aber nur für die Mitglieder der "deutschen Volksgemeinschaft" .

Macht nix: Der steirische Landeshauptmann Franz Voves kann sich sehr gut vorstellen, mit der FPÖ zu koalieren - auch weil SPÖ und FPÖ einander in "wirtschaftlichen und sozialen Fragen näher seien" . Auch im Sinne des obigen FP- bzw. NS-Modells?

Eine erfolgversprechende Strategie gegen Rechts kann heißen: Erstens endlich die Themen aufgreifen, die Leute zum Rechtswählen veranlassen. Nr.1 ist die "Ausländerfrage" . Man hat Angehörige einer fremden, archaischen Kultur importiert und sie sich dann selbst überlassen ("Wir haben kein Ausländerproblem, sondern ein Türkenproblem" , sagen manche Experten unter vier Augen). Vor allem in Wien wird sich die langjährige Indolenz bitter rächen. Aber es ist nicht zu spät, mit einer gewaltigen Anstrengung die Anpassung zu fördern - und zu fordern.

Der zweite Teil der Strategie ist harte Abgrenzung gegenüber dem rechten Dreck. Die Österreicher sind zwar ziemlich rechts, aber mit politisch kriminellen Verrücktheiten wollen sie sich auch nicht abgeben. Nur muss jemand politisch kriminelle Verrücktheiten klar benennen.

Kleine Ansätze gibt es: Der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber muss mit seiner kompromisslosen Haltung ein Vorbild für die ganze ÖVP sein. SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos untersagt endlich die Teilnahme des Bundesheeres an der SS-Nostalgieveranstaltung am Ulrichsberg. Und, Wunder über Wunder, der Kärntner BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler will nicht hingehen, weil ihm die Atmosphäre dort "zu rechts" ist. Wenn er das auch noch den Brüdern Scheuch sagt, kann aus dem BZÖ wirklich eine bürgerliche Mittelstandspartei werden.

Die Chancen für eine solche Strategie wären gut, aber es gibt keinen Konsens der demokratischen Parteien dafür. Wenn er nicht herzustellen ist, geht Österreich in Richtung Italien oder Ungarn, Slowakei oder Rumänien und Bulgarien: Die harte Rechte diktiert die Politik. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2009)

Kommentar posten
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mika33
31
27.8.2009, 12:00
Würde Hr. Rau auch Vergewaltiger und Mörder als Dreck bezeichnen?

Vermutlich nicht, da würde er einen würdigeren Terminus finden wie "verurteilte Verbrecher"

Nur seine politischen Gegnern kann man ja ruhig als Dreck bezeichnen. Einwenig Anstand sollte übrig bleiben, auch in Kolumnen.

polsport
22
27.8.2009, 04:34
lustiger artikel...

zuerst die Rechten ins Nazi Eck stellen, und dann selber rechts schreiben: "Türkenproblem".

Stimmt ja, aber wieso darf das die FPÖ nicht sagen, sondern nur ein Nazijäger Rauscher?

Wenn 20 Prozent FPÖ wählen, ist FPÖ ausgrenzen völlig undemokratisch! Sachunterricht, 1. Stunde !

Mein Posting zensurieren wäre es ebenfalls, Danke

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
20
26.8.2009, 18:09
Ja, wir haben ein Integrationsproblem, - von in Österreich lebenden Menschen, mit, oder ohne österr. Pass ....

Bei Menschen, die "eigentlich nichts" sind, "nur Österreicher", zeigt sich das als "Ausländerproblem".
Deklassiert (oder: desintegriert) sind sie alle miteinander.

bixente uhudla
 
12
26.8.2009, 17:37

auch wenns weiter unten wieder kritik hageln wird von den semiprofessionellen rauscher-bashern...

ein ganz vortrefflicher und richtiger kommentar-brilliant!

Lubricator
42
26.8.2009, 14:54
Ich fand das Strachegespräch interessant - wo ist der Aritkel?

Zu viele Wphlmeinung für Strache?

Dann muß solcher Text verschwinden, sonst gibt es keine Förderung, passt?

wundbenzin
01
26.8.2009, 14:01
Strache und die MA 2412

Liebe Frau Monica Weinzettl.
das war gestern im Sommergespräch mit Husten Ceuchen Strachelbeere jr. eine ganz schwache Vorstellung; Frau Knackal,mit Push-up, erotisierender Stimme und fundametal ontotheleologischen Weltsichten, hätte, da dulde ich keinen Widerspruch, dem HCS gestern den Sonnenkrätzenkaschierbart rasiert.

Kapitalismus Luege
24
26.8.2009, 12:50
im Nobelvorort gibt's kein Türkenproblem, wohl aber im Arbeiterbezirk

obwohl im Nobelbezirk auch einige Türken wohnen.

Mittlerweile sind die Türken in der 2. Generation. Woher kommen deren "archaischen Strukturen"? Hat man die etwa bei Sprachproblemen in Hauptschule B-Zug abgeschoben? Sind das die, die beim Pisa-test die Angabe nicht verstehen, weil sie nicht einmal der Sprache mächtig sind?

Das "Türkenproblem" in ein Bildungsproblem und ein soziales Klassenproblem aufzuschlüsseln liegt weit hinter dem Wahrnehmungshorizont der Rechtsparteien.

- Vielleicht auch um nicht auf eben dieses Bildungsproblem und soziales Klassenproblem des eigenen Klienteles eingehen zu müssen.

bixente uhudla
 
12
26.8.2009, 17:41

zum teil haben wir es schon mit der dritten generation zu tun...und da gibts tatsächlich "probleme"-vor allem im erziehungs- und bildungsbereich...für mich ist es nicht nachvollziehbar und verständlich,daß kids der 3. generation(wo also schon die eltern hier aufgewachsen sind) der landessprache nur bruchstückhaft mächtig sind...

Lorf
 
25
26.8.2009, 12:38

Sehr guter Artikel. Full ack.

el dus
 
55
26.8.2009, 12:29
Herr Rauscher möchte üppige Sozialleistungen

für die ganze Welt. Alleine wird er die Mittel dafür aber nicht aufbringen. Wen aller möchte er denn gerne zahlen lassen?

1116er
00
28.8.2009, 08:14
sozialleistungen in mehr als ueppiger groessenordnung gibt es doch eh mehr als genug!

sie heissen bloss nicht immer so....
und in der regel bekommen sie die leute, die sie eigentlich brauchen wuerden nicht, sondern andere, eigentlich eh ueberhaupt nicht beduerftige leute!

Hofrat Geiger
12
26.8.2009, 16:28
Sicher nicht die hunderttausenden ...

... Frühpensionisten, die unser System produziert. Das sind ja die eigentlichen "Sozialschmarotzer", die - obwohl arbeitsfähig - so bald wir möglich ihren Pensionsantrag stellen und fürderhin über Jahrzehnte auf Kosten der Allgemeinheit leben. Der letzte Geniestreich in dieser Hinsicht ist ja die "Hacklerregelung", die ausschließlich Sekretärinnen aus staatsnahmen Betrieben, Banken etc. zugute kommt, die 40 Jahre durchgehend abgesessen haben, und jetzt abschlagsfrei mit 55 in Pension gehen dürfen. Die echten "Hackler" (oft mit ausländischen Hintergrund) kommen wegen der Winterpause nie auf ihre 40/45 Jahre und müssen bis 62 werken, wenn sie nicht vorher invalid werden. Aber nachdem wir ja von Pensionistenparteien regiert werden ....

haghag
12
26.8.2009, 17:07
herr hofrat

belieben vielleicht einen blick in die reale arbeitswelt zu werfen, um dann vielleicht weniger gehässig aber informiert urteile über schwerarbeiter, schwer kranke, ausgepowerte usw. zu fällen.
und sich vielleicht das schwere schicksal seiner (fiktiven oder realen) arbeits(?)genossen, also den hof und anderen räten zuzuwenden.

- rau -
00
26.8.2009, 18:47
Die Ausgepowerten kriegen genau nix, die

sogenannte Schwerarbeiter-Pension beziehen 2000 Leute. Die "Hacklerpension" wird hingegen vor allem von Beamten und Büropersonal in Anspruch genommen.

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
00
26.8.2009, 20:45
"Pensionsproblem?"

sie sehen aber schon, dass unser (früh-)pensionsproblem primär ein problem des arbeitsmarktes ist.

(mir tun die vielen arbeitswilligen, fähigen und gut ausgebildeten menschen leid, die nach jahren demütigender arbeitslosigkeit in die dann ohnehin sehr niedrige pension abgeschoben werden - und sich dann noch als "sozialschmarotzer" beschimpfen lassen müssen. seit jahren schon ist österreich schlusslicht aller industrieländer, was die beschäftigung von 50+ angeht. warum ist das so? sind wir um so viel fauler als die anderen?)

rorschach
010
26.8.2009, 14:30
dich

und zwar ganz allein ...

Data100
14
26.8.2009, 12:24
Sehr guter Artikel!

Zwar bin ich der Meinung das selbst in der FPÖ die wirklich gefährlichen in der Minderheit sind aber was solls.
Besonders wichtig ist das im Artikel erwähnte aufgreifen von "Rechten Themen" Stichwort "Türkenproblem". Das einfache verweigern und lächerlich machen von Problemen die nicht der eigenen Weltanschauung entspringen, treibt die Menschen in großen Schaaren zu den Rechten.

Mit alten Ideologien wird die Gegenwart nicht zu bewältigen sein. Die Politker müssen die Befürchtungen der Bevölkerung war nehmen und zu lösen versuchen, ganz egal ob die jweiligen Probleme von irgendjemandem mal in einer Grundlagen Arbeit theoretisch Vorhergesehen wurden oder nicht. Ideologie ist wie Religion.

Timagoras
 
11
26.8.2009, 11:45

wieder mal zustimmung.

bis auf den satz
"sowohl in der SPÖ wie in der ÖVP gibt es genug Politiker, die aus Schaden dumm werden".

statt "werden" müsste es heißen "blieben".


farsad kambiz
12
26.8.2009, 11:42
lieber hans rauscher: ich bin ein fan, hab aber einpaar anmerkungen zu ihrem beitrag:

1983-1986 hatte SPÖ mit einem steger-fpö koaliert die mit jetzigem FPÖ nicht viel gemein hat.
und erst wie der populistische nati haider an spitze des FPÖ gewählt wurde, hat vranizky die FPÖ abgeleht.ich persönlich finde die bezeichnung "Exil-Juden aus Amerika" nur dumm aber nicht kriminell.
der grundgedanke war ja mit so einem satzerl wieder im gespräch zu sein und nochmal darstellen für was FPÖ(faschistische partei östtreichs Anm. mein interpreatation) steht.ad. ausländerproblem: ich finde es gibt eins, und sollte dieses thema nicht FPÖ/BZÖ überlassen.
mit gute ideen kann mann mittelfristig bestimmt was daran ändern.ad. BZÖ: naja wenn ich mich etwas liberal anfärbe und nicht zu diesem nazi-treffen gehe, dann bin kein liberaler!

- rau -
01
26.8.2009, 17:07
danke, aber:

Die Steger-FPÖ war höchstens oberflächlich liberal, die Strukturen blieben voller Kellernazis. Nicht umsonst hieß es bei seinem Sturz 1986 durch Haider "Sieg Heil !" und "Saujud".
Exil-Jude ist so gemeint, wie es gemeint ist: als Verhetzung. Bitte nicht bverharmlosen.
Vranitzky hatte auch mit der Steger-FP nichts am Hut, als Haider kam, war der Ofen endgültig aus.

farsad kambiz
00
26.8.2009, 20:58
vielen dank für ihr kommentar

jedoch:
das ist auch FPÖ-kalkül. Einer aus der zweiten reiher der FPÖ (wer kannte den hrn. egger bis vor kurzem außerhalb vorarlbergs) pfu*rtz (entschuldigen sie bitte den ausdruck). es ist unappetitlich und grauslich, aber deswegen kann er nicht belangt werden. nun kommen medien und machen daraus ein riesen skandal. sogar der betroffen museumdirektor meint: es geht mir am A** vorbei. würde ich auch so machen. solche idi**ten sollte mann ignorieren die sowas sagen um in schlagzeilen zu kommen. stellen sie sich vor, einer pfu*zt und keiner sagt uiii das stinkt.

sociovation
153
26.8.2009, 11:30
Regen Sie sich nicht auf, Herr Rauscher

Die FPÖ ist eine bürgerliche Partei, welche die Steuern für "Leistungsträger" wie Sie mit Sicherheit nicht erhöhen wird.
Die FPÖ ist damit der natürliche Partner für alle "Eliten" und damit auch für Sie.
Ihr Pseudo-Antifa-Gesäusel ist absolut unglaubwürdig.

skip it
00
31.8.2009, 11:46
fpoe waehler...

...haben einen buerger dieser republik net amal noch aus der ferne gesehen.

libera
00
26.8.2009, 18:41

seien sie froh, daß jemand über dieses thema schreibt! wo können sie das sonst noch lesen?

G e o r g
01
26.8.2009, 17:37

Soviel Differenzierung muss schon sein: Klar tendieren die FPÖ-Steuervorschläge zur Flat-Tax, während die vorgeschlagenen Sozialleistungen zu populistischen Almosen tendieren. Daraus folgt aber noch lange nicht, dass es kein bürgerlichen Kritiker der FPÖ geben kann. Auch wenn sie nur einen kleineren Teil des Widerstands bildeten, gab es z. B. konservative Widerstandskämpfer gegen den NS.

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