Erneut Empörung über Lieberman

25. August 2009, 16:45

Außenminister will ultraorthodoxen Juden und arabischen Israelis Zugang zu Diplomatenausbildung versperren

Tel Aviv - Israels ultrarechter Außenminister Avigdor Lieberman hat mit einem neuen Anforderungsprofil für künftige Diplomaten einen Sturm der Entrüstung im eigenen Land ausgelöst. Nach seinen Plänen sollen nur noch jene Israelis an der Diplomatenausbildung teilnehmen können, die aktiven Wehrdienst oder Wehrersatzdienst geleistet haben. Als Folge könnten beispielsweise weder arabische Israelis und strengreligiöse Juden, die vom Wehrdienst freigestellt sind, noch ausgemusterte Personen in die Diplomatenlaufbahn eintreten. Die israelische Tageszeitung "Yedioth Ahronoth" zitierte am Dienstag den arabischen Knesset-Abgeordneten Taleb al-Sana, der von einer "miesen und rassistischen" Entscheidung sprach.

Derzeit gibt es in Israel elf nichtjüdische Diplomaten. In einem Kommentar von "Yedioth Ahronoth" heißt es, selbst unter dem früheren Außenminister Shimon Peres, dem heutigen Staatspräsidenten, der zusammen mit Yitzhak Rabin und Yasser Arafat den Friedensnobelpreis erhielt, wären keine arabischen Kandidaten für die Diplomatenlaufbahn Schlange gestanden. Denn schließlich müssten sie Israel als jüdischen Staat im Ausland repräsentieren.

Verwarnung gefordert

Kommentatoren wiesen darauf hin, dass Liebermans Vorschlag wegen des Verstoßes gegen das Antidiskriminierungsgesetz sowie das Recht auf freie Arbeitsplatzwahl weder das Parlament noch das oberste Gericht passieren dürfte. Sozialminister Yitzhak Herzog von der Arbeiterpartei forderte Regierungschef Benjamin Netanyahu auf, Lieberman zu verwarnen. "Liebermans ständige nicht tolerierbare Erklärungen untergraben das Image sowie die Erfolge der Regierung", sagte Herzog.

Liebermans Partei "Unser Haus Israel" hatte bereits während des Wahlkampfes für Schlagzeilen gesorgt, als sie unter anderem einen Loyalitätseid zu Israel als Voraussetzung für die Staatsbürgerschaft einführen wollte. Kritiker werfen dem aus Moldawien stammenden Lieberman seit langem vor, er sei araberfeindlich und rassistisch. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich geweigert, Lieberman bei einem Besuch in Paris zu empfangen, und laut Medienberichten Netanyahu den Rat erteilt, sich von diesem Außenminister zu trennen. (APA/dpa)

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14 Postings
saxophon
51
27.8.2009, 10:24
Wehrdienst ist Bekenntnis zum Staat, wer sich nicht zum Staat bekennt, soll auch nichts von ihm erwarten oder mitbestimmen dürfen

Der Wehrdienst sollte für ALLE Bürger selbstverständlich sein.
Schließlich geht die Sicherheit des Staates alle an.
Wer sagt das geht mich nichts an, sagt damit "Der Staat geht mich nichts an."
Warum solche Personen Zugang zu Staatsämtern, zu Sozialleistungen oder auch nur das Wahlrecht haben sollen, ist schleierhaft.
Denn damit unterstützt der Staat doch jene, denen der Staat egal ist.
Es gibt Teile der Ultraorthodoxen, die wenigstens konsequent sind: die weder Wehrdienst leisten, noch wählen, noch Leistungen in Anspruch nehmen.
Aber natürlich trotzdem indirekt vom Staat profitieren.
Die gefährliche Ideologie "Ich hab die Rechte, die unangenehmen Pflichten sollen andere erledigen." auch noch von Staats wegen zu unterstützen?

Stronger
15
26.8.2009, 13:07

"Als Folge könnten beispielsweise weder arabische Israelis und strengreligiöse Juden, die vom Wehrdienst freigestellt sind, noch ausgemusterte Personen in die Diplomatenlaufbahn eintreten."

Das ist nicht ganz richtig, denn es gibt sehr wohl arabische Israelis, die Militärdienst leisten (v. a. Drusen und Beduinen, aber vereinzelt auch Moslems und Christen). Unter den Ultra-Orthodoxen findet sich ebenfalls eine Minderheit, welche zur Armee geht.

saxophon
41
27.8.2009, 10:25

Eben. Und nur jene die sich ohne Zweifel zum Staat bekennen, haben den moralischen Anspruch von diesem Leistungen zu erwarten bzw. die Geschicke des Staates mitzugestalten.

NONE
03
27.8.2009, 14:30

Warum müssen sie dann Steuern zahlen?

Jeder der Steuern zahlt und Bürger eines Landes ist hat Rechte, die nicht genommen werden können, unabhängig wie sie "Pflichten" sehen wollen.

Nick Tameer
32
26.8.2009, 08:29

Ein Ultraorthodoxer kann Israel sicher gut vertreten, aber doch eigentlich nur in Jerusalem.

soseies
79
25.8.2009, 21:01

etwa die "ultraorthodoxen Juden", die durchgesetzt haben, dass in jerusalems offentlichen verkehrsmittel männer vorne sitzen dürfen und frauen hinten sitzen müssen...

manoman...hätte eher gedacht das sowas in...äh...z. b. teheran vorschrift wäre..

Andreas S.
34
26.8.2009, 10:27

Eigendlich ist das gegenteil von 'durchgesetzt' wahr:

Es gibt in Jerusalem einen privaten bus der auf der strecke der linie zwei faehrt. (linie zwei geht von einem orthodoxen viertel zu klage mauer).

Dieser private verlangt kein geld zum mitfahren aber von maennern das sie vorne von frauen das sie hinten sitzen.

Diese private initiative der orthodoxen entstand weil sich die staatliche verkersbetriebe geweigert haben nach mann und frau zu trennen.

Gilgamesh
36
26.8.2009, 15:32

Und dieses Trennen ist was???

Richtig, RASSISMUS!

Geben sie doch einfach zu, dass mosaische Fundamentalisten kaum besser sind, als moslemische und keiner macht ihnen eine Vorwurf...

Selbst ihre kleine Geschichte zeigt, dass es einen Unterschied zwischen der Religion und dem Staat gibt...


wider den rechten Kanaillen
12
27.8.2009, 01:42

Das ist Sexismus. Frauen sind da weniger wert und müssen hinten sitzen.

Immerhin dürfen sie sitzen und müssen noch nicht aufstehen, wenn Männer sich hinsetzen wollen.

parpar
11
29.8.2009, 23:07

Die Tatsache, dass Frauen hinten sitzen hat nichts damit zu tun, dass sie weniger Wert wären. Die Männer sitzen vorne, damit sie die Frauen nicht sehen müssen (da man beim Sitzen nach vorne schaut) und evtl. einer unkeusche Gedanken bekommt.

doublesix
02
unkeusche Gedanken?

wenn das so ist, dann frag ich mich, warum Gott, der Allmächtige, dann den Frauen ihre (offensichtlich unkeusche Gedanken erregende) Gestalt überhaupt gegeben hat? Um Adams Söhne ein bißchen zu ärgern?

Andreas S.
53
26.8.2009, 17:05

maenner vorn, frauen hinten ist rassismus? man lern nie aus ...

egal, in den anderen dingen stimm ich die zu.
die religioesen radikalen juden sind i.a. nicht besser wie die arabischen. however, sie rennen relativ selten mit einer ak47 herum und neigen kaum dazu zu explodieren ;-) Ihr stellenwert in der politik ist dort wo er hingehoert: eine 8.5% partei (schas) und eine 4.5% partei (torajudentum) und das ist gut so.



NONE
02
27.8.2009, 14:33

Auch Lieberman hat keine besonders grosse Partei, kann aber die Politik massgeblich beeinflussen. Der "Stellenwert" ist immer dann gross wenn sich eben grössere Parteien finden. Und sobald solche Koalitionen existieren kann man Politik mitbestimmen.

Wenn man dies aus der Ferne analysieren möchte dann wendet er sich gegen diese kleineren religiösen Parteien mit seinem Vorschlag - also eine rein strategische Aussage.

soseies
24
26.8.2009, 22:13

"Ihr stellenwert in der politik ist dort wo er hingehoert: eine 8.5% partei (schas) und eine 4.5% partei (torajudentum) und das ist gut so. "

stellenwert vielleicht...aber was wichtig ist, ist der einfluss auf die politik...

und den einfluss haben die kleinen radikalfundamentalistischen parteien...aufgrund ihres "mehrheitbeschaffertums"...weit, weit mehr als der wähleranteil wiederspiegelt...

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