Außenminister will ultraorthodoxen Juden und arabischen Israelis Zugang zu Diplomatenausbildung versperren
Tel Aviv - Israels ultrarechter Außenminister
Avigdor Lieberman hat mit einem neuen Anforderungsprofil für künftige
Diplomaten einen Sturm der Entrüstung im eigenen Land ausgelöst. Nach
seinen Plänen sollen nur noch jene Israelis an der
Diplomatenausbildung teilnehmen können, die aktiven Wehrdienst oder
Wehrersatzdienst geleistet haben. Als Folge könnten beispielsweise
weder arabische Israelis und strengreligiöse Juden, die vom
Wehrdienst freigestellt sind, noch ausgemusterte Personen in die
Diplomatenlaufbahn eintreten. Die israelische Tageszeitung "Yedioth
Ahronoth" zitierte am Dienstag den arabischen Knesset-Abgeordneten
Taleb al-Sana, der von einer "miesen und rassistischen" Entscheidung
sprach.
Derzeit gibt es in Israel elf nichtjüdische Diplomaten. In einem
Kommentar von "Yedioth Ahronoth" heißt es, selbst unter dem früheren
Außenminister Shimon Peres, dem heutigen Staatspräsidenten, der
zusammen mit Yitzhak Rabin und Yasser Arafat den Friedensnobelpreis
erhielt, wären keine arabischen Kandidaten für die Diplomatenlaufbahn
Schlange gestanden. Denn schließlich müssten sie Israel als jüdischen
Staat im Ausland repräsentieren.
Verwarnung gefordert
Kommentatoren wiesen darauf hin, dass Liebermans Vorschlag wegen
des Verstoßes gegen das Antidiskriminierungsgesetz sowie das Recht
auf freie Arbeitsplatzwahl weder das Parlament noch das oberste
Gericht passieren dürfte. Sozialminister Yitzhak Herzog von der
Arbeiterpartei forderte Regierungschef Benjamin Netanyahu auf,
Lieberman zu verwarnen. "Liebermans ständige nicht tolerierbare
Erklärungen untergraben das Image sowie die Erfolge der Regierung",
sagte Herzog.
Liebermans Partei "Unser Haus Israel" hatte bereits während des
Wahlkampfes für Schlagzeilen gesorgt, als sie unter anderem einen
Loyalitätseid zu Israel als Voraussetzung für die Staatsbürgerschaft
einführen wollte. Kritiker werfen dem aus Moldawien stammenden
Lieberman seit langem vor, er sei araberfeindlich und rassistisch.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich geweigert, Lieberman
bei einem Besuch in Paris zu empfangen, und laut Medienberichten
Netanyahu den Rat erteilt, sich von diesem Außenminister zu trennen. (APA/dpa)