RSF weist israelische Attacken gegen Schweden zurück

25. August 2009, 23:43
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Nur "Aftonbladet" für Berichte über Organdiebstahl verantwortlich

Paris - In dem israelisch-schwedischen Streit um einen Zeitungsbericht über angeblichen Diebstahl von Organen getöteter Palästinenser hat die internationale Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) die heftigen Attacken der israelischen Regierung gegen Schweden zurückgewiesen. Nur die Zeitung "Aftonbladet" sei verantwortlich für ihre Artikel, hieß es in einer Erklärung der internationalen Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit mit Sitz in Paris. Wenn der Staat Israel sich verleumdet fühle, solle er die Gerichte anrufen, erklärte RSF.

Die schwedische Zeitung hatte unter Berufung auf Palästinenser berichtet, israelische Soldaten hätten getöteten Palästinensern Organe entnommen. Israel hatte daraufhin die schwedische Regierung zu einer Verurteilung dieses als "antisemitisch" eingestuften Artikels aufgefordert und gleichzeitig das Verhalten des neutralen Schweden im Zweiten Weltkrieg kritisiert. Schweden hat die israelischen Forderungen unter Hinweis auf die Meinungsfreiheit strikt abgelehnt.

Laut RSF hatte der Verfasser des Artikels, Donald Boström, seinen Bericht auf Interviews mit Angehörigen getöteter Palästinenser gestützt, deren Leichen nach Israel gebracht und einige Tage später zurücktransportiert worden seien. Boström habe seitdem nach eigenen Angaben zwei Briefe mit Todesdrohungen erhalten, Israel habe zwei "Aftonbladet"-Journalisten die Akkreditierung verweigert.

Zwei Klagen wegen "Aufstachelung zum Rassismus"

Nach einem schwedischen Pressebericht über den angeblichen Handel israelischer Soldaten mit Organen getöteter Palästinenser sind Beim Justizministerium in Stockholm sind mittlerweile zwei Klagen gegen Aftonbladet wegen Aufstachelung zum Rassismus eingegangen. Wie das Ministerium am Dienstag mitteilte, wird es darin aufgefordert, sich mit dem Fall zu befassen.

Nach der schwedischen Gesetzgebung muss sich jetzt Justizkanzler Göran Lambertz dazu äußern, ob der vergangene Woche in "Aftonbladet" veröffentlichte Beitrag gegen das Meinungsfreiheitsgesetz verstößt. Danach ist die Veröffentlichung eines Artikels strafbar, der eine Bevölkerungsgruppe in Zusammenhang mit ihrer Rasse, Hautfarbe, nationaler oder ethnischer Herkunft bedroht oder verächtlich macht.

Der Justizkanzler ist eine Art Ombudsmann der schwedischen Regierung und kann als einziger Staatsanwalt medienstrafrechtliche Ermittlungen führen. Die israelische Regierung hatte scharf auf den "Aftonbladet"-Artikel reagiert und gefordert, die schwedische Regierung müsse diesen verurteilen. Stockholm hat dies unter Verweis auf die Pressefreiheit abgelehnt.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum rief unterdessen Dänemark und die Niederlande auf, die Unterstützung für die palästinensische Nachrichtenagentur Maan einzustellen. Die Agentur habe mit einem Artikel über Organdiebstahl die "verleumderischen Behauptungen" von "Aftonbladet" stützen wollen. Bei einer weiteren Finanzierung von Maan könnten Dänemark und die Niederlande als "Komplizen der Angriffe von Maan gegen Juden und seiner Sabotage des Friedensprozesses" gelten. "Die große Organlüge über den jüdischen Staat ist Goebbels-würdig", erklärte das Zentrum. (APA/dpa)

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