Als Siegen noch geholfen hat

25. August 2009, 16:20
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    foto: apa

    "Das war die dritte Goldmedaille" , sagte Toni Sailer den Journalisten nach der Abfahrt bei den Olympischen Spielen 1956 in Cortina. Den Fotografen hat er es auch gezeigt.

Manche Menschen sind mehr als die Summe ihrer Heldentaten. Wer Sailer skifahren gesehen hat, musste froh werden über so viel Schön­heit und über das Beispiel, wie ein Mann die Schwere der Zeit und der Erde mit einem Lächeln bezwang

Wien - Solche Skifahrer machen sie heute nicht mehr. Skifahrer wie Toni Sailer. Der fuhr nicht mit den Skiern wie die aktuellen Rennfahrer. Der "Tonai" fuhr Ski. Der Berg diente ihm nicht zum Gewinnen, der Toni diente dem Berg. Und wenn er gewann, der Toni, was die Regel war, so erging er sich nicht in den selbstapplaudierenden Gesten eines Siegers, sondern er strahlte übers ganze Gesicht, wie einer, der im - mehrfachen Sinn des Wortes - glücklich angekommen, heruntergekommen, heimgekommen ist.

Sailer wusste um den tödlichen Ernst der Berge, und er behandelte ihn mit der spielerischen Leichtigkeit, die nur der erringt, der sich gewissenhaft auf die Gefahr vorbereitet hat. Das Lächeln im Gesicht, der eisenharte Wille in der Brust.

Wahrscheinlich hat sich nie wieder ein Skifahrer so umfassend mit dem Geheimnis des Skischwungs auseinandergesetzt, und nur die wirklich Begnadeten haben die Rätsel des Skifahrens in vergleichbar eleganter Form gelöst. Franz Klammer, der in den 1970ern von Sailer gecoacht wurde. Hermann Maier erzählt dieser Tage, dass er als kleiner Bub einmal mit Sailer am Lift den Kitzsteinhorn-Gletscher hinaufgefahren ist. "Ein nettes Gespräch" habe sich entwickelt. Maier vereinigte die Sehnsüchte der Österreicher in sich wie seit Klammer keiner mehr und wie nur Sailer vor ihm.

Sailer erschien am 17. November 1935 in der Wintersportmaschine Kitzbühel. Wie viele Knaben dort hatte er mit zwei Jahren Skier an den Füßen. "Hab so lang rumgeraunzt, dass ich sie schon zehn Tag vor dem Geburtstag bekommen und im Haus umeinanderg'schleppt hab, bis ich dann zum ersten Mal mit den Skiern draußen dahing'flogen bin." Es war der Winter 1937/38, Monate vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Alle Sportarten, "die nix gekostet haben" , habe er betrieben, erzählte er Anfang der 1990er. Von den Eislaufschuhen der Schwester schlug er die Eisen herunter, schraubte eineinhalb Zentimeter hohe Stoppeln drauf. "Plötzlich war ich ein Riese von einem Tormann."

Der Vater war Spenglermeister, vier Jahre im Ersten Weltkrieg. "Gott sei Dank wiederkumman." Die Mama Hausfrau. Zwei Buben, zwei Mädel. Die Buben arbeiteten in der Spenglerei, am Wochenende fuhren sie Rennen. "Am Montag um sieben musste ich in der Bude sein."

Mit zehn konnte ihm kein Hang mehr was erzählen, und mit 23 Jahren beendete er das ernsthafte Skifahren. Die drei Goldenen von den Winterspielen in Cortina, sieben Weltmeistertiteln, und einem Vertrag als Filmschauspieler in der Tasche. Damals gingen die Leute ins Café, um dem Toni im Fernsehen sehen zu können, aber sie liebten den Toni, so viele Buben wurden damals Toni getauft wie nie wieder.

Anton Engelbert Sailer war der Kleinste in seiner Klasse. Ein Zniachtl. "Und ich bin jeden Tag in die Kirche gegangen zum Beten, damit ich wachse." Nach der Volksschule, mit zehn Jahren, fing er mit dem "Rennafoahn" an. Mit gnadenloser Konsequenz arbeitete er sich in die winzige Gruppe der alpinen Privilegierten hinein. In den späten 1940ern bis Mitte der 50er war das "weiße Wunderteam" aus Kitzbühel - eine Anknüpfung an das Fußball-Wunderteam 1931/32 mit Mathias Sindelar - die weltbeste Skiriege - Christian Pravda, Ernst Hinterseer, Hias Leitner, Fritz Huber, Anderl Molterer. Sailer war der Beste von ihnen. Der Einzige, der Pravdas Talent, die Kraft des Italieners Zeno Colo und die Artistik des Stein Eriksen in sich vereinigte. "Aus diesen dreien hab ich mir meinen Brei gekocht."

Sailer bestritt zwar, ein "Vorbild" gehabt zu haben. Der charismatische Norweger Eriksen, der erste Ski-Superstar, aber dürfte Sailers Leitbild gewesen sein. Er wurde größer als der Norweger. Das Talent hatte er, den Plan auch. Fehlte das Wichtigste: die Arbeit. Sailer modellierte seinen Körper zu einem perfekten Arbeitsgerät, die Leichtigkeit verdankt er seinem Fleiß. Kein anderer Skifahrer trainierte so hart. "Die Hauptarbeit muss im Sommer passieren" , dozierte Sailer. "Beinand sein wie ein Bär, der sausen kann wie der schnellste Hund."

Eriksen gewann 1952 die Goldene im Riesenslalom, vier Jahre später räumte Sailer bei den Winterspielen von Cortina alle Goldenen ab, im Slalom, im Riesenslalom und in der Abfahrt. Eine nicht für möglich gehaltene Serie. Die ausgehungerten Österreicher hatten ihr Vorbild. Sailer sprach gern über seine Moral: "Wir sand wer, wir können was."

Er lehrte die Österreicher arbeiten und an sich selber glauben. Als er 1958 nach fünf Jahren (!) das Skifahren aufgibt - auch er hatte einen kleinen Wickel mit dem IOC wegen "Werbung" - und sich der Schauspielerei hingibt, webt er am Sailer-Österreich-Mythos ("Der schwarze Blitz" ) weiter. Er drehte mehr als 20 Filme, spielte in TV-Serien mit, machte in Japan das Skifahren populär und arbeitete in der Kitzbüheler Skischule seines Bruders Rudi mit. Einige Jahre lang trainiert er das ÖSV-Team, später leitet er das Kitzbüheler Rennbüro. Die Skimaschine hat die ganze Welt eingewickelt, und der Mensch gewordene Bergheilige verlieh dem Tourismusgetöse Glanz. Es wird nie wieder sein wie früher. Aber das Wichtigste ist, dass er für einige Jahre vorbeigeschaut hat.

Er kämpfte schon lange mit der Krankheit Krebs. Am 24. August verlor Toni Sailer den Kampf. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 26.8. 2009)

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Posting 1 bis 25 von 42
1 2
living reef
10
27.8.2009, 07:07
mehr als peinlich

"Maier vereinigte die Sehnsüchte der Österreicher in sich wie seit Klammer keiner mehr und wie nur Sailer vor ihm." wie kommt journalist dazu in einem nachruf auf einen insgesamt gesehen vorbildhaften sportler und menschen solch eine lobhudelei für einen gewissen "HM" hineinzuschreiben. der egomane und selbstdarsteller "HM" hält weder im sportlichen noch im menschlichen einen vergleich mit toni sailer stand.

His Floness
 
01
27.8.2009, 13:39

Vielleicht einfach weil Journalist Recht hat?

ODB Wu
02
26.8.2009, 15:21
...ein super Nachruf.

aunty
00
26.8.2009, 16:57

stimmt.
wenn man den in der "tiroler tageszeitung" liest wird einem schlecht......

Ihr Beitrag wird in Kürze veröffentlicht
03
26.8.2009, 12:29
skocek du kerl

ein thema zum zerschreiben und zerreden und wischi-waschi-verbreiten und - nein, der skocek verweigert das alles und schreibt einen sowas von gefühlvollen text, dass ich mir den am liebsten an die wand picken möcht, wenn's dabei nicht grad um einen verstorbenen ginge.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
26.8.2009, 14:21
Dafür hat er sich kürzlich pcto Amateur und Brundage und Schranz

einen DERARTIGEN Sch**s erlaubt, daß er eigentlich in hohem Bogen aus jeder Qualitätszeitung rausfliegen müssert.
Gemeinerweise wird nämlich derzeit wegen der Erinnerungen des Frl. Bergmann, das die Nazis einige Zeit als Alibijüdin für Berlin 1936 an der Nase herumführten, exemplarisch gemacht, was der Brundage für fiese....r .... Charakter war. Übrigens ein strammer Antisemit durch und durch, der sich nicht entblödete, auf Einwendungen der Berliner Jüdischen Gemeinde wg. Ausschlüssen aus Turnerbünden etc. zu erwidern: "Mein Club in Chicago nimmt auch keine Juden auf" - was stimmt, natürlich, aber dem einen oder anderen nichtjüdischen Ami spätestens seit 1933 zumindest peinlich war.

Van the Man
01
26.8.2009, 08:39
Tolle Doku gestern,

die gezeigt hat was für ein Ausnahmathlet er gewesen ist.
Ich denke man sollte sich seine Einstellung und Trainingsintelligenz in vielen Bereichen zum Vorbild machen. Turnen, Eislauf, Skispringen, Intervalllauf zum Hahnenkamm rauf, vollgas wieder runter,... ´
Wahrscheinlich wird heutzutage viel zu einseitig trainiert, und diese tollen Attribute die Sailer hatte, bleiben auf der Strecke. 3 Vorbilder - super!
Maier, Miller und Kjus zb... von jedem das beste!

root66
00
26.8.2009, 11:13
Hab´ vor ca. einem Jahr ...

... einen Bericht über das Training von Nachwuchs-Torläufern gesehen und bin zu selbigem Schluss gekommen: Wär´ auch gut für FußballerInnen (u.v.a.), was Schulung der Wendigkeit, Reaktion, Koordination etc. betrifft. Bin auch der Meinung, dass vor allem im Nachwuchsfußball zu kompliziert und teilweise falsch trainiert wird. Da sollte öfters über den Zaun geschaut werden ......

hack in den sack
 
43
26.8.2009, 08:05
Bestellt der Toni da gerade drei Bier???

His Floness
 
00
26.8.2009, 22:07

Laaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig!

Captain Smoker
10
26.8.2009, 09:48

Und warum ist Gert Fröbe links am Bild?

ilrio xxxxx
 
00
26.8.2009, 10:56
Und warum ist Gert Fröbe links am Bild?

ich weiß nicht wer da links am bild ist, aber 100 % nicht der gert fröbe.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
26.8.2009, 14:21
Christoph Fälbl?

Captain Smoker
00
26.8.2009, 11:00

Geh, wirklich? ;)

Roter Baron
00
26.8.2009, 08:54

na er war ja ka nazi

Peter Hofer7
00
26.8.2009, 07:29
mit 23

Weiß jemand hier, warum er schon mit 23 eine derart glänzende Karriere beendete?
Wenn ichi mir da den Opa Hermann Maier anschaue der offenbar bis zum 50er fahren will.

pfffffff

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
26.8.2009, 14:24
1) er hat ALLES gewonnen was es zu gewinnen gab, es hätt nimmer besser werden können

2) finenziell gabs schon auch was, auf Umwegen, aber halt nicht sehr verläßlich und vor allem nicht so wahnsinnig viel
Da schien es
3) ergo vernüngtig, mit den image und Ruhm und Bekanntheit was zu machen, was wirklich Kohle brachte - und das waren eben Schlager und Film. Wo er im Gegensatz zu vielen anderen einschlägig versuchten Sportlern nur in Ausnahmefällen peinlich wirkte, meist aber sehr ansprechende, solide Leistungen erbrachte.

Elef
00
26.8.2009, 10:36
Schätze mal...

... dass sich Schifahren damals mangels Sponsoring fianziell noch nicht so gelohnt hat wie heute... Und würden Sie lieber wertlose Goldheferl sammeln oder schauspielern und damit sogar Geld verdienen?

Poldi Fesch
00
26.8.2009, 10:15
weil man damals

nicht wirklich davon leben konnte

Captain Smoker
00
26.8.2009, 09:46

Weil er schon alles erreicht hatte und keine Motivation mehr hatte weiter zu fahren.

Und wie lange Maier fahren soll wenn er will, hängt ja wohl nur von seiner Leistung ab, so lange die stimmt, wird ihn niemand daran hindern können. In der heutigen Zeit fahren sehr viele (Cuche, Büchel, ...) so lange es geht und sie Spaß daran haben.

Araquin
00
26.8.2009, 11:18
Nein, von seinen Sponsorenverträgen!

Captain Smoker
00
26.8.2009, 11:29

Meinen Sie diese Sponsorverträge die automatisch weiterlaufen wenn er seine aktive Karriere beendet? Er würde fast das Gleiche weiterhin verdienen ohne sich so quälen zu müssen. Er würde seinen Marktwert ja nicht verlieren.
Und er hätte Zeit um solche Schitouren mit Millionären zu machen (wenn er das überhaupt möchte) wie zB ein Klammer - was viel mehr bringt.
Wenn es Maier nur ums Geld ginge, könnte er also viel einfacher an mehr Geld kommen.

Bis zum Hirnstamm und nicht weiter
01
26.8.2009, 07:21

Fuer Leute, die lange nach Sailers Olympiasiegen geboren wurden, war Sailer eine Legende im wahrsten Sinne des Wortes. Eine schifahrerische Grundstimmung in den Medien, in den Erwaehnungen der Eltern. Er hat sich nie in Szene gesetzt, war aber immer wieder praesent, wenn auch manchmal nur als Vergleich mit Klammer, Stenmark oder Maier. Man wusste, ohne ihn erlebt zu haben, dass er schifahrerisch das Mass aller Dinge war.

Ich B. Sisyphos
 
24
26.8.2009, 03:43

Jedem anderen würde diese Handgeste zum Problem werden. ;-)

living reef
00
27.8.2009, 07:11
ist der arm nach oben gestreckt?

wenn schon auf gesten bezug genommen wird, dann sollten schon die unterschiede erkennbar sein. die freudensgeste sailers in der er auf die dritte goldmedaille hinweist hat absolut nichts mit dem mittlerweile bekannten rechtsradikalengruß aber absolut nichts gemein!

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