"Wir haben nichts gelernt"

25. August 2009, 14:46
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Regierungssprecher wies Vorwürfe zurück

"Es ist, als ob wir wieder und wieder den gleichen Alptraum erleben", sagt der 30 Jahre alte Ingenieur Aris Ioannidis. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren beklagten die Griechen nach verheerenden Waldbränden 77 Menschenleben. "In den letzten drei Tagen haben wir im Norden von Athen zwei Millionen Bäume verloren - das tut auch weh", sagt der junge Mann. Sein Haus in Pikermi konnte er in letzter Minute retten - Nachbarn halfen mit Gartenschläuchen und Eimern. Hart ging die griechische Presse am Dienstag mit allen griechischen Regierungen der vergangenen zehn Jahre um: "Der Staat des (Umwelt) Verbrechens" war die Schlagzeile in der linksliberalen "Eleftherotypia".

"Wir haben wohl durch die fürchterlichen Erlebnisse 2007 auf Peloponnes nichts gelernt", hieß es in einem Radiokommentar des Athener Nachrichtensenders Skai. Der konservative Ministerpräsident Kostas Karamanlis hatte damals versprochen, "den Staat von vorneherein neu zu strukturieren und zu koordinieren".

"Fatale Fehler und Versäumnisse"

"Fatale Fehler und Versäumnisse", lautete der Tenor selbst in der regierungsnahen konservativen Zeitung "Kathimerini". Unter einem überdimensionalen Foto von der Katastrophe rund um die historische Ortschaft Marathon hieß es dann: "Die Koordination zwischen den zuständigen Behörden hat wieder mal versagt und alles wird wieder dem starken Wind in die Schuhe geschoben." "Vor zwei Jahren war es Olympia. Heute ist es Marathon - was kommt beim nächsten Mal? Die Akropolis?", fragte ein Kommentator besorgt im Radio.

Anders stellte die Lage der Regierungssprecher Evangelos Antonaros dar: "Vorrangig waren Menschenleben zu schützen. Und das ist uns gelungen", sagte er vor Journalisten. Bei den schweren Bränden um Athen gab es in den vergangenen fünf Tagen keine Toten und keine ernsthaft Verletzten. "Wer glaubt, man kann mit einem Zauberstock so schlimme Brände löschen, der irrt sich", sagte er weiter.

Die griechische Presse klagte an, dass das Wettrüsten Griechenlands und der Türkei wegen der Streitigkeiten um Hoheitsrechte in der Ägäis zulasten der Umwelt gehe. "97 Milliarden Euro in zehn Jahren für die Rüstung - nur 300 Millionen Euro für neue Löschflugzeuge", kritisierte die Zeitung "Eleftherotypia".

"Es ist doch egal. Alle Politiker lügen. Die jetzt dran sind und die, die gestern dran waren - alle!", schrie eine Frau, deren Haus in Pikermi vom Feuer zerstört wurde, am Dienstag im Fernsehen.

Diskussion um Freiwillige Feuerwehr

Erneut kommt nun ins Gespräch, eine Freiwillige Feuerwehr einzuführen, die in Griechenland praktisch nicht existiert. "Freiwillige haben wir viele. Keiner führt sie aber. Und sie haben keine richtige Ausrüstung", heißt es immer wieder in den Medien.

Der Präsident des kleinen Verbands der Freiwilligen Feuerwehr mit etwa 2.000 Mitgliedern, Nikos Sachinidis, sagte der dpa: "Ich hatte es vor zwei Jahren bei den Bränden auf Peloponnes gesagt. Ich sage es wieder: Wir sehen jetzt wieder, wie wichtig eine Freiwillige Feuerwehr ist. Hätten wir überall so ein System und so viele Leute wie es in Deutschland der Fall ist, dann würden wir jetzt nicht so viele Tränen vergießen müssen." (APA)

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