Ökologische Katastrophe

25. August 2009, 19:51
1 Posting

Athen wird noch lange Folgen spüren - Umweltschützer machen Politiker für das Ausmaß der Brandschäden verantwortlich: Nichtbeachtung ökologischer Gebote

Die Waldbrände rings um Athen sind unter Kontrolle, doch diese "ökologische Katastrophe" wird nach Ansicht von Umweltexperten noch lange fortwirken. Die Lebensqualität der rund 4,5 Millionen Einwohner der griechischen Hauptstadt werde auf Jahre beeinträchtigen sein, sagt Dimitris Karavellas, Direktor des World Wildlife Fund (WWF) für Griechenland. "Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass die Region Attika brennt, aber Feuer von solchem Ausmaß, das ist ein Novum hier." Die Umweltschützer machen Politiker und Behörden für das Ausmaß der Brandschäden mitverantwortlich.

Nichtbeachtung ökologischer Gebote

Durch die Nichtbeachtung ökologischer Gebote seien Feuer in diesem Ausmaß erst möglich geworden, glaubt die Umweltwissenschaftlerin Christina Theohari. So wurde beispielsweise ein auf dem Berg Pentelikon im Jahr 1998 abgebranntes Gebiet damals offiziell als Bauland eingestuft - ohne einen Bebauungsplan auszuarbeiten. "Die Bautätigkeit in Zonen ohne Bebauungsplan ist erlaubt, aber wenn die Infrastruktur nicht angepasst wird, dann haben wir eine Situation wie jetzt, dass es zum Beispiel in ganzen Gebieten keine Hydranten gibt", erläutert Theohari. "Es scheint, als habe auch niemand etwas gelernt aus dem Sommer 2007." Damals hatten gewaltige Waldbrände im Süden Griechenlands 77 Menschen getötet und mehr als 250.000 Hektar Land verwüstet.

Mangel an Grünflächen

Durch die aktuellen Brände verlor die Hauptstadt Athen, die schon jetzt unter erhöhter Luftverschmutzung und einem akuten Mangel an Grünflächen leidet, "einen wertvollen Filter für die Entgiftung ihrer Luft", erklärt Karavellas. "Es wird auch Auswirkungen auf das Klima haben mit einem Anstieg der Temperaturen - die ganze Lebensqualität der Athener wird beeinträchtigt."

Einige der von den jetzigen Bränden betroffenen Gebiete hatten bereits in den Jahren 1993, 1995 und 1998 in Flammen gestanden. Ihre Aufforstung wird immer schwieriger. "Die andere Gefahr ist die Verwüstung. Wir müssen schleunigst Stützarbeiten auf den Weg bringen, damit das Regenwasser nicht wegläuft, ohne zu versickern und den Boden befestigen", sagt die Ökologin Theohari. In die Zukunft blickt sie eher pessimistisch: "Es wird Jahre dauern, bis das ökologische Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Die Athener müssen sehr wachsam sein, damit die verbrannten Gebiete geschützt werden, wie vom Gesetz vorgesehen, und nicht als Bauland enden wie schon oft in der Vergangenheit."

Kritik an Regierung

Nach der Eindämmung der Waldbrände vor Athen wird in Griechenland Kritik am Krisenmanagement laut. Die Feuerwehrleute brachten erst am Dienstag dank abflauender Winde die Flammen in der Hauptstadtregion Attika unter Kontrolle. "Wenn das, was wir in Attika gesehen haben, die besten Bemühungen der Regierung sind, dann müssen wir sie ersetzen", schrieb die liberale Tageszeitung Ethnos. Die konservative Regierung erklärte, die starken Winde hätten die Feuerbekämpfung erschwert. Das konservative Blatt Kathimerini titelte: "Fatale Fehler und Defizite". Die Behörden hätten die gleichen Fehler begangen wie 2007, als bei Waldbränden 65 Menschen starben. (Reuters/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Umweltschützer machen Politiker und Behörden für das Ausmaß der Brandschäden mitverantwortlich.

Share if you care.