Mono: Umstritten aber erfolgreich - oder auch nicht

25. August 2009, 13:48
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Die freie .Net-Variante und ihr Gründer sind weiterhin heiß umstritten - Zwischen Microsoft und Open Source Community

Der in Mexiko geborene Miguel de Icaza gehört nicht nur zu den bekanntesten sondern auch zu den umstrittensten Figuren der Open Source Community. In seinen Frühzeiten als einer der Gründer des GNOME-Projekts wurde er im Jahr 2000 vom TIME-Magazin als einer der "Innovatoren für das neue Jahrhundert" nominiert, bereits 1999 war er vom - durch das MIT herausgegebene - Magazin Technology Review als "Innovator des Jahres" ausgezeichnet worden - die Festrede hielt dabei Free Software Foundation-Gründer Richard Stallman.

Kritisches

Doch unter dieses Lob sollten sich über die folgenden Jahre zunehmend Misstöne und Kritik mischen, wie ein aktueller Artikel bei "The H Open" beleuchtet. Verantwortlich dafür vor allem jenes Projekt, dem sich de Icaza nach GNOME zuwenden sollte: Der freien .Net-Implementation Mono. So manche in der Open Source Community begriffen diesen Schritt schlicht als Verrat, wie könne man sich bloß einer Technologie widmen, die vom langjährigen "Erzfeind" Microsoft stamme, so die recht offen aufgeworfene Frage.

Motivation

Dabei war de Icazas anfängliche Motivation gar nicht so sehr von einer verbesserten Kompatibilität zur Microsoft-Welt geprägt, in den Vordergrund stellte er zunächst den Versuch die Linux-Entwicklung mit besseren Sprachen und Tools zu beschleunigen - .Net selbst war hier einfach ein passendes Mittel auf diesem Weg. Der mögliche Austausch mit der Windows-Welt somit im besten Fall ein netter Bonus, entsprechend bekam auch die Anbindung für das von GNOME verwendete Toolkit GTK+ deutliche Priorität über die WinForms-Unterstützung.

Ziele

Doch die Animositäten gegenüber Microsoft - und zunehmend auch Mono selbst - stehen der Umsetzung dieser Ziele weiter im Weg. Während man technisch praktisch alle selbst gesteckten Ziele erreicht hat, hält sich am GNOME/Linux-Desktop der Mono-Einsatz weiterhin in eng definierten Grenzen. Zwar kann man mit der Bildbearbeitung F-Spot, dem Media-Player Banshee, dem Anwendungsstarter GNOME Do und dem Desktop-Wiki Tomboy auf einige weit verbreitete Programme verweisen, das universelle Entwicklungstool ist Mono aber weiterhin nicht geworden.

Streitigkeiten

Statt dessen ist es zu so etwas wie einem Lieblingszankpunkt in den Online-Foren der freien Softwarewelt mutiert. Jede noch so kleine Änderung, die irgendwie in Verbindung mit Mono steht, wird ausführlichst diskutiert. So sorgte in den letzten Monaten etwa das Hin- und Her des Debian-Projekts über die Aufnahme von Mono in den Default-Install für erhitzte Diskussionen. Doch auch Novell selbst, unter dessen Fittiche de Icazas Team mittlerweile an Mono arbeitet, hat mit nicht unbedingt Feingefühl im Umgang mit der Community bewiesen, als man dem Deal mit Microsoft im Jahr 2006 eine umstrittene Patenklausel anfügte.

Patente

Und dann war da natürlich noch die Kontroverse rund um die  Nutzung von .Net-basierten Applikation, jener Richard Stallman, der noch einige Jahre zuvor die Laudatio für de Icaza gehalten hat, warnt mittlerweile lautstark vor einer "Microsoft-Patentfalle" in die man hier unweigerlich laufen würde. Dem folgte zwar zwischenzeitlich ein neues "Community-Versprechen" von Microsoft, mit dem sich das Unternehmen zu einem Klageverzicht in Bezug auf die Reimplementation der .Net-Kerntechnologien verpflichtet. Die Kritik will freilich weiter nicht verstummen, Microsoft vertraut man einfach nicht, kehrt das Argument auf seinen Kern zurück. Für weitere Kontroversen ist also vorgesorgt. (apo)

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Mono

  • GNOME- und Mono-Gründer Miguel de Icaza
    foto: novell

    GNOME- und Mono-Gründer Miguel de Icaza

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