Österreich darf auf Goldenen Löwen hoffen

25. August 2009, 12:02
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"Lourdes" von Jessica Hausner und Koproduktion "Women Without Men" im Wettbewerb - Vier weitere Filme mit Österreich-Bezug im Programm

Venedig - Mit dem ersten österreichischen Wettbewerbsbeitrag seit 2006 ("Fallen" von Barbara Albert) beginnen in einer Woche die 66. Internationalen Filmfestspiele von Venedig (2.-12. September). Die 36-jährige Wiener Regisseurin Jessica Hausner rittert dort mit ihrem Spielfilm "Lourdes" gegen 23 weitere Produktionen um den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des neben Cannes und Berlin renommiertesten Filmfestivals der Welt. Eine dieser Konkurrentinnen ist die Iranerin Shirin Neshat, deren Film "Women Without Men" teilweise ebenfalls mit österreichischen Geldern produziert wurde, aber für Deutschland startet. Insgesamt laufen sechs Filme mit Österreich-Bezug am Lido.

Koproduktionen

Koproduziert wurden sowohl "Lourdes" als auch "Women Without Men" von der Wiener Produktionsfirma coop 99, die Hausner gemeinsam mit Studienkollegen wie Barbara Albert oder Martin Gschlacht gegründet hat. Gschlacht zeichnet bei beiden Filmen für die Kamera verantwortlich. "Lourdes", auch mit deutschen und französischen Geldern entstanden und mit Sylvie Testud und Bruno Todeschini in den Hauptrollen, ist laut Hausner ein "böses Märchen" und erzählt vom "Widerspruch vom Glauben an das Gute im Angesicht von Willkür und Vergänglichkeit". Die Videokünstlerin Neshat widmet sich in ihrem ersten Spielfilm wiederum dem religiösen Fanatismus im Iran.

US-Filme sind Konkurrenz

Die beiden Filme erwartet in Venedig keine leichte Aufgabe, befinden sich doch - nach der Polemik der vergangenen Jahre wegen der Abwesenheit amerikanischer Produktionen - dieses Jahr gleich sechs US-Filme im Wettbewerb. Unter anderem wurden Tom Fords "A Single Man" mit Colin Firth und Julianne Moore, Werner Herzogs "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" mit Nicolas Cage, Eva Mendez und Val Kilmer sowie Michael Moores jüngste Doku "Capitalism: A Love Story" und George Romeros "Survival of the Dead" eingeladen.

Internationales Setting

Auch sonst liest sich das Aufgebot im Wettbewerb gut: Der deutsch-türkische Regisseur Fatih Akin stellt seinen Film "Soul Kitchen" vor. Frankreich ist mit Patrice Chereaus "Persecution", Claire Denis' "White Material", Jacques Rivettes "36 vues du Pic Saint Loup" und Jaco Van Dormaels "Mr Nobody" vertreten. Und Italien schickt mit den Regisseuren Giuseppe Tornatore ("Baaria"), Giuseppe Capotondi ("La doppia ora"), Francesca Comencini ("Lo spazio bianco") und Michele Placido ("Il grande sogno") gleich vier Mitstreiter ins Rennen und stellt mit Tornatores "Baaria" auch den Eröffnungsfilm.

Vielfältiges Programm

In den vier Hauptschienen des Festivals sind insgesamt 75 Filme vertreten - aus so vielen Ländern wie seit Jahren nicht, wie Biennale-Präsident Paolo Baratta und der künstlerische Festivaldirektor Marco Müller stolz berichteten. Auch vier weitere österreichische (Ko-)Produktionen befinden sich in diesem Teilnehmerfeld: "Toto" von Diagonale-Preisträger Peter Schreiner und der ebenfalls von coop99 koproduzierte "Pepperminta" der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist laufen in der Reihe "Orizzonti", in der die Filmemacherin Bady Minck als Jurymitglied dabei ist. In der "Giornate degli Autori" ist "Wüstenblume", Sherry Hormanns Adaption der Biografie von Waris Dirie, zu sehen. Und in die "Settimana della critica" wurde Patric Chihas "Domaine" eingeladen.

Start des "Filmwunders"

Für die Austrian Film Commission (AFC) spricht die starke Präsenz in Venedig für ein "weiteres spannendes Kapitel in der jüngeren Erfolgsgeschichte" des österreichischen Films. Vor genau zehn Jahren hatte in Venedig das vielzitierte "Filmwunder" seinen Ausgang genommen, als Nina Proll für ihre Rolle in Barbara Alberts Wettbewerbsbeitrag "Nordrand" den Marcello-Mastroianni-Preis erhielt. 2001, also zwei Jahre später, wurde Ulrich Seidl am Lido für "Hundstage" mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Nach den Erfolgen in Cannes, Berlin und bei den Oscars könnte nun in Venedig wieder Geschichte geschrieben werden. (APA)

  • Jessica Hausners "Lourdes" rittert gegen 23 weitere Produktionen um den Goldenen Löwen in Venedig.
    foto: stadtkino

    Jessica Hausners "Lourdes" rittert gegen 23 weitere Produktionen um den Goldenen Löwen in Venedig.

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