Männer können gute Väter sein

29. August 2009, 17:20

"Es war so, als wäre sie immer schon da gewesen": Dominik M. Rosenauer war nach der Geburt seiner Tochter zwei Jahre in Karenz

Ich schreibe euch, wenn ich auch keine Frau bin. Weil in unserer kleinen Familie war ich zuhause. Unser Mädchen hat sich entschieden, nicht über den "normalen" Weg zu kommen, sondern mit Hilfe der Chirurgie. Von den ersten Geburtsmomenten an habe ich das Leben meiner kleinen Tochter erlebt.

Das spannendste war, dass ich mich meinem Kind vom ersten Moment an verbunden gefühlt habe. Bei der Geburt hat sich gezeigt, dass der PH-Wert ein halbes irgendwas unter dem Normalwert war. Daher kam sie auf die Neonatologie und wurde einmal vorsorglich gescreened. Das hat zwei Stunden gedauert - in denen ich meine Sitzposition nie verändert habe. Hätte mich wer gefragt, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass das nicht mehr als 15 Minuten waren. Ich habe ihr auch die erste Windel angelegt. Die Mama bekam sie nach diesen zwei Stunden das erste Mal zu Gesicht - und auch da hat die Natur sofort ihre Wunder gewirkt. Es war so, als wäre sie immer schon da gewesen.

Im Spital waren dann die Nächte der Mama vorbehalten. Diese Zeit war sicher eine schwierige Umgewöhnung, weil die Abläufe noch nicht so rund liefen. Dass man einfach nicht mehr durchschlafen kann ist halt etwas, an das man sich wahrscheinlich nie wirklich gewöhnt. Wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich sehr wohl schlief und auch nicht aufwachte, wenn sie weinte. "Ammenschlaf" ist also scheinbar etwas, das eher Frauen betrifft als Männer - trotz aller Versuche meinerseits, so modern wie möglich zu sein.

Meine Frau ging nach dem Mutterschaftsurlaub wieder arbeiten. Da hat die normative Kraft des Faktischen (Geld) über die Wünsche der Mutter Oberhand behalten müssen. Denn meine Frau verdient einfach wesentlich mehr als ich. Ich war zwei Jahre in Karenz, habe mit meiner Tochter fast jeden Tag verbracht, hatte aber auch das Glück, dass beide Großeltern in der Nähe wohnen und sich um meine Tochter kümmern konnten, wenn ich keine Zeit hatte.

Daraus hat sich eine Routine entwickelt, die - soweit man das heute sagen kann - sehr erfolgreich war. Meine Tochter ist an beide Eltern sehr sicher gebunden, verträgt es aber auch, wenn jemand anderer, den sie kennt, auf die aufpasst.

Die Anmeldung für den Kindergarten haben wir offenbar ein wenig verschlafen. Als ich mit meiner einjährigen Tochter ein paar Kindergärten anrief, gab es nur noch Wartelisten-Plätze. In einen öffentlichen wollten wir sie nicht geben, mittlerweile haben wir einen Platz in einem sehr netten privaten Kindergarten gefunden. Bei unserem zweiten Kind werden wir wahrscheinlich noch früher anfangen zu suchen...

Die Elternschaft hat uns und unser Leben so verändert, dass wir viele Hobbies (Urlauben, Wandern, Weggehen) einfach nur sehr eingeschränkt ausüben konnten. Früher waren wir wahrscheinlich jeden Monat im Kino, haben uns öfters Karten für Theater oder Oper besorgt und waren länger - und ungebunden - bei Freunden eingeladen. Heute zählen wir zu den Ersten, die von Parties verschwinden, weil unsere Tochter einfach nicht lange schläft und in der Früh im Bett steht - egal wann wir schlafen gegangen sind. Aber das lange Aufbleiben soll eh nicht so gesund sein :-)

Mittlerweile genieße ich die Vormittage ohne meine Tochter. Das trau ich mich hier zu schreiben. Es ist einfach ein wunderbares Geschenk, wenn man Dinge machen kann, ohne mit einem Ohr zu hören, was die Kleine gerade macht. Das ist eine wiedergewonnene Freude, die wahrscheinlich nur Eltern nachvollziehen können. Für solche Aussagen hätte ich mir vor ein paar Jahren wahrscheinlich das Jugendamt an den Hals gehetzt :-)

Alles in allem bin ich froh, dass wir das so gemacht haben. Ja, ich glaube, Männer können gute Väter sein! (Dominik M. Rosenauer, dieStandard.at, 26.8.2009)

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    "Meine Frau ging nach dem Mutterschaftsurlaub wieder arbeiten. Da hat die normative Kraft des Faktischen über die Wünsche der Mutter Oberhand behalten müssen. Denn meine Frau verdient einfach wesentlich mehr als ich. Ich war zwei Jahre in Karenz, habe mit meiner Tochter fast jeden Tag verbracht", schreibt Dominik M. Rosenauer.

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