Kärntner Hypo mit 162 Millionen Euro Verlust

25. August 2009, 09:56
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Kreditrisikovorsorgen stiegen um 119 Prozent

Klagenfurt - Die Hypo Group Alpe Adria mit Sitz in Klagenfurt hat im ersten Halbjahr 2009 einen Verlust von 162 Mio. Euro geschrieben. Zwar habe die Bank ein positives operatives Ergebnis vorzuweisen, dieses habe jedoch die negativen Effekte der Finanzmarktkrise - insbesondere durch gestiegene Kreditrisikovorsorgen (plus 119 Prozent) - nicht auffangen können, hieß es am Dienstag in einer Aussendung. "Wir werden in den kommenden Monaten weiter unsere Portfolien bereinigen und Risiken abbauen", kündigte Vorstandsvorsitzender Franz Pinkl an.

Für das Gesamtjahr rechnet Pinkl mit einem "klar positiven operativen Ergebnis vor Risikovorsorgen", das Konzernergebnis dürfte jedoch negativ ausfallen.

Die Bilanzsumme der mehrheitlich der Bayrischen Landesbank (BayernLB) gehörenden Hypo sank um 3,7 Prozent auf 41,7 Mrd. Euro. Die zahl der Standorte wurde von 384 auf 376 verringert. Beim Nettozinsergebnis legte die Bank jedoch um 14,5 Prozent auf 389,8 Mio. Euro zu. "Mit unseren Erfolgen im operativen Geschäft des ersten Halbjahres zeigen wir nicht nur, dass wir erfolgreich am Markt agieren können, sondern auch, dass wir hart daran arbeiten, dem in uns gesetzten Vertrauen gerecht zu werden" erklärte Pinkl.

Die Zuführung von Kreditrisikovorsorgen stieg gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 190 Mio. Euro auf 349 Mio. Euro und damit um 119 Prozent. Das sei vor allem auf hohe Vorsorgen im Leasingbereich in den Ländern Kroatien, Ukraine und Bulgarien zurückzuführen, hieß es seitens der Bank. Trotz des auf die Finanzkrise zurückzuführenden Rückgangs der Provisionserträge im Wertpapier- und Girogeschäft wurde das Provisionsergebnis durch den Anstieg der Provisionserträge im Kreditgeschäft mit 60,2 Mio. Euro konstant auf dem Niveau des Vorjahres gehalten.

Die Eigenmittelquote sank minimal von 11,9 Prozent zu Jahresende 2008 auf 11,8 Prozent, die Kernkapitalquote erreichte 8,1 Prozent. Die gesamten anrechenbaren Eigenmittel werden mit 3,95 Mrd. Euro ausgewiesen, die gesetzliche Mindesterfordernis lag bei 2,65 Mrd. Euro.

Schwierige Rahmenbedingungen

Pinkl geht nach wie vor von einem Anhalten der schwierigen wirtschaftlichen Situation in den wesentlichen Märkten der Hypo aus. Gleichwohl seien erste, wenn auch noch schwache Signale für ein Ende der Rezession erkennbar. Die Bank sei jedoch in den richtigen Märkten aufgestellt. Pinkl: "Nach der Krise haben unsere Kernregionen beste Aussichten, wieder wirtschaftliche Triebkräfte zu werden."

Die Hypo Group Alpe Adria gehört zu 67,08 Prozent der Bayerischen Landesbank, die GraWe hält 20,48 Prozent, das Land Kärnten über die Landesholding 12,42 Prozent und die Mitarbeiterstiftung 0,02 Prozent. Sie ist in den Ländern Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Deutschland, Ungarn, Bulgarien, Mazedonien und der Ukraine vertreten und beschäftigt inklusive der Leasingsparte mehr als 8.500 Mitarbeiter.

Staat muss auf Zinszahlungen verzichten

Der Staat Österreich wird im Jahr 2009 wohl auf die Zinszahlung der Kärntner Hypo verzichten müssen, die der Republik für die Gewährung der 900 Mio. Euro an Partizipationskapital aus dem Bankenhilfspaket an die Hypo Group Alpe Adria zustehen würde. Die Zahlungen sind nämlich nur fällig, wenn die Bank am Ende des Jahres Gewinn macht.

In der Vereinbarung vom Dezember 2008 ist Folgendens festgeschrieben: Zahlt die Hypo dem Staat das Kapital zurück, muss sie 110 Prozent der Summe berappen. Die Dividende von acht Prozent wird nur fällig, wenn Gewinne geschrieben werden. Rein rechnerisch wären dies also 72 Mio. Euro, die heuer dem Staatssäckel entgehen dürften. In den Jahren, in denen der Bund keine Dividende erhält, gibt es allerdings auch keine Boni für die Bankmanager.

Während der Staat jederzeit direkt bei der Hypo einsteigen kann, darf die Hypo erst in fünf Jahren das PS-Kapital in Stammaktien umwandeln. Die Hypo erhält eine Call-Option, mit der sie jederzeit Käufer für das Partizipationskapital des Bundes namhaft machen kann. Zu den staatlichen Auflagen für die Bank gehört neben der Bedingung, binnen drei Jahren 1,8 Mrd. Euro für die Vergabe von Krediten und Leasingfinanzierungen an Klein- und Mittelbetriebe zur Verfügung zu stellen, auch die Vorlage eines Konzepts zur Kosteneffizienz. Darin muss auch eine Beschränkung der Bezüge enthalten sein, die laut Finanzministerium "keine unangemessenen Elemente" enthalten dürfen. (APA)

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