US-Erholung rettet Bernanke den Job

25. August 2009, 17:46
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Viel Kritik hat Fed-Chef Ben Bernanke seit Ausbruch der Finanzkrise einstecken müssen. Nun wird er von den Märkten gefeiert

Washington/Wien - Mit Ben Bernake hat US-Präsident Barack Obama einen Mann für eine zweite Amtszeit als Präsident der Notenbank Federal Reserve nominiert, der in Finanzkreisen bereits als "Retter der Weltwirtschaft" gefeiert wird. Aber noch vor wenigen Wochen konnte Bernanke keineswegs sicher sein, dass er seinen Job über den 31. Jänner 2010 hinaus behalten wird. Heftig wurde er seit Beginn der Finanzkrise von vielen Seiten kritisiert. Erst die jüngste Erholung der US-Wirtschaft ließ seine Kritiker verstummen.

Selten zuvor war ein Mann für eine Krise intellektuell so gerüstet wie Bernanke für den Kollaps der Märkte und der Konjunktur seit 2007. Der stille Nationalökonom (MIT, Princeton)hatte die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre zu seinem Spezialgebiet gemacht und war zum Schluss gekommen, dass die Fed damals einfach hätte Geld drucken und - bildlich gesprochen - mit Hubschraubern übers Land abwerfen sollen. "Helikopter-Ben" war sein Spitzname unter Kollegen.

Als Bernanke im Jänner 2006 die Nachfolge des legendären Alan Greenspan antrat, war von solchen drastischen Maßnahmen keine Rede. Bernanke versprach, Greenspans Kurs fortzusetzen, aber mehr Transparenz in die Geldpolitik zu bringen. Ebenso wie Greenspan hielt er Finanzmärkte für effizient und sah keinen Grund, Blasen zum Platzen zu bringen.

Bei Ausbruch der Subprime-Krise agierte er zunächst eher sprunghaft und zögerlich - und steckte dafür viel Kritik ein. Im Frühjahr 2008 rettete die Fed das Investmenthaus Bear Stearns, aber ließ im September Lehman Brothers pleite gehen. Im darauf folgenden finanziellen Chaos besann sich Bernanke seiner Forschungen, brachte den Zinssatz auf historischen Tiefststand und fand ständig neue Wege, um Liquidität in die Kreditmärkte zu pumpen.

Restrukturierung der Finanzindustrie

Entschlossen betrieb er die Restrukturierung der Finanzindustrie. Seine Ellbogentaktik, mit der er Bank of America zur Übernahme der maroden Merrill Lynch bewegte, wurde vor kurzem im Kongress energisch hinterfragt. Auf noch härteren Widerstand bei den Volksvertretern stieß das Anliegen, die Kontrolle über das fragmentierte Kreditwesen in den Händen der Fed zu bündeln.

Dass der 55-Jährige nominell ein Republikaner ist, stand seiner Wiederbestellung nie im Wege. Doch bei einem Scheitern der teuren Ankurbelungspolitik wäre der Fed-Chef wohl der Sündenbock gewesen und durch Obamas Chefberater Larry Summers ersetzt worden.

Angesichts der starken Börsen und guten Konjunkturdaten stellte sich diese Frage nicht mehr. Mit Bernankes Wiederbestellung behält Obama den populärsten Mann in seinem Wirtschaftsteam und signalisiert klar: "Weiter so."

Die Märkte rechnen nun damit, dass die US-Zinsen noch lange Zeit im Keller bleiben werden. Unbeantwortet aber bleibt die Frage, wie rasch Bernanke an der Zinsschraube wieder drehen wird, wenn die Inflationsgefahr wieder steigt.(Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2009)

 

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    "Weiter so" , signalisiert Präsident Barack Obama mit der Wiederbestellung von Ben Bernanke als Chef der Federal Reserve.

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