Endloses Ringen

GM erhöht Druck auf Berlin

25. August 2009, 19:16

Experten interpretieren General Motors Opel-Rückkaufplan als Drohgebärde, ein Spitzentreffen endet mit Stillschweigen

Frankfurt/Berlin/Dresden - Je länger sich der Poker um Opel in die Länge zieht, umso vielfältiger werden die Varianten für die Zukunft des Autobauers. Während GM in den vergangenen Monaten mit den Interessenten Magna und RHJ verhandelt hat, prüft die ehemalige Opel-Mutter nun Kreisen zufolge auch einen Verbleib des Rüsselsheimer Autobauers im Konzern. Experten sehen in diesem überraschenden Schlenker aber eher Verhandlungstaktik, um neben dem von der deutschen Regierung bevorzugten Angebot von Magna eine Alternative zu schaffen. "GM baut eine Drohkulisse auf, sie wollen Stärke demonstrieren", heißt es in Finanzkreisen.

Indes ist am Dienstagabend ein weiteres Opel-Spitzentreffen in Berlin zu Ende gegangen. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Die deutsche Seite und GM hätten Stillschweigen vereinbart, hieß es in Berlin aus Verhandlungskreisen. General Motors plant aber laut dpa ein weiteres Treffen mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna. GM-Vize John Smith will sich demnach am Mittwoch mit Magna-Managern treffen.

Der ehemals weltgrößte Autobauer GM hat gestützt durch milliardenschwere Hilfen der US-Regierung sein Insolvenzverfahren in der Rekordzeit von 40 Tagen durchlaufen und will nun an die Größe vergangener Tage anschließen. Die Europatochter mit jährlich 1,5 Millionen verkaufter Wagen ist dabei höchst willkommen.

Taktische Variante

Für Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sind die Pläne von GM für einen Rückkauf von Opel zwar ernst zu nehmen. "Aber auf der anderen Seite ist es auch eine berühmt-berüchtigte Nebelkerze von GM, um insbesondere den Druck der deutschen Bundesregierung auf GM wegzunehmen. Ich schätze das als interessante taktische Variante von GM ein", sagte Franz. Die Bundesregierung hatte vergangene Woche lediglich Staatshilfen für Magna und nicht für den von GM lange präferierten Bieter RHJ in Aussicht gestellt und damit den Druck auf den US-Konzern erhöht. Dennoch hatte der GM-Verwaltungsrat keine Entscheidung getroffen und sich stattdessen offenbar Alternativszenarien überlegt.

Der Plan, Opel zu behalten, hat allerdings einen Haken - GM fehlen für den Rückkauf die finanziellen Mittel. Zunächst müsste der US-Konzern 1,5 Mrd. Euro aufbringen um den in Deutschland von Bund und Ländern gewährten Überbrückungskredit abzulösen. Danach müsste GM weitere Milliarden für die Sanierung des Autobauers aufbringen. Derzeit hält eine Treuhand 65 Prozent an Opel, 35 liegen bei GM.

Woher das Geld kommen soll, ist unklar. Die US-Regierung hat im Zuge der Sanierung von GM zwar rund 60 Mrd. Dollar (41,9 Mrd. Euro) in den Autobauer gesteckt, allerdings nur für Standorte in Nordamerika. Kein US-Steuergeld war ins Ausland abgeflossen. Beobachter halten es daher für unwahrscheinlich, dass die US-Regierung von dieser Strategie abrückt und nun Geld in Opel steckt.

Ebenso wenig dürfte die deutsche Regierung bereit sein, GM Staatshilfen zu gewähren, um Opel wieder zurückzukaufen. Sie will nur eine dauerhafte Abspaltung der deutschen Tochter von dem US-Konzern unterstützen. Als Alternative zu staatlicher Hilfe könnte GM Kreisen zufolge auch Teile seines Asien-Geschäfts verkaufen oder verpfänden, um an Geld für einen Opel-Rückkauf zu kommen. Allerdings gilt das wichtige Geschäft auf dem Hoffnungsmarkt als eine tragende Stütze für den Konzern angesichts weltweit rückläufiger Automärkte. Ein Verkauf dürfte daher keine wirkliche Option sein.

Bleibt eine Finanzierung über die nach der Finanzkrise wieder halbwegs liquiden Kreditmärkte. GM dürfte allerdings nur mit Staatsgarantien ihrer Mehrheitseigentümerin, der US-Regierung, an Kredite kommen. Eine eigene Bonitätsnote von Ratingagenturen wie Standard & Poor's hat GM nach der Insolvenz nicht mehr.

Klare Aussage verlangt

Der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat GM eine klare Aussage zu den Plänen für Opel verlangt. Zu Medienberichten, wonach der US-Autokonzern Opel möglicherweise behalten wolle, sagte Guttenberg am Dienstag in Dresden, ob an der Geschichte etwas dran sei, wolle man von dem Konzern nun selbst hören. Er bekräftigte zugleich die Absicht der Regierung, die Verhandlungen mit aller Klarheit fortführen zu wollen.

Guttenberg sagte, an manche Nachricht müsse man mit einer gewissen Vorsicht herangehen. Er verwies darauf, dass ein solcher Schritt für den Konzern, der gerade selbst aus dem Insolvenzverfahren gekommen sei, eine erhebliche finanzielle Belastung bedeuten würde. Es sei aber auch kein Geheimnis, dass General Motors ein Unternehmen sei, "dass uns in den letzten Monaten gelegentlich überrascht hat". Dies sei noch eine milde und diplomatische Formulierung, sagte der Minister.

Guttenberg erklärte, die Regierung habe ihre Hausaufgaben gemacht. So seien die Bieter mit sehr viel Druck dazu gebracht worden, ihre Angebote entsprechend nachzubessern. "Was ich aber nicht übernehmen kann, ist eine Entscheidung des Verwaltungsrats von GM", betonte er.

Belegschaft protestiert

Aus Protest gegen die Hinhaltetaktik von GM haben die 25.000 Beschäftigten bei Opel ihren Verzicht auf das Urlaubsgeld zurückgenommen. Die entsprechende Betriebsvereinbarung sei gekündigt, das Urlaubsgeld müsse mit der nächsten Monatsabrechnung ausgezahlt werden, heißt es in einem internen Schreiben des Betriebsrates. "Für ein "Zurück zu General Motors" gibt es keinen Cent Beitrag der Beschäftigten", schreibt der Betriebsrat darin. In diesem Fall werde auch der Vertrag über die noch ausgesetzte Tariferhöhung und Einmalzahlung von der IG Metall umgehend gekündigt. GM-Europe-Chef Carl-Peter Foster versucht indes den Unmut der Beschäftigten zu dämpfen. "Die Entscheidung über den Weg der Zukunft für Opel erfordert von allen Parteien vollen Einsatz, denn es handelt sich um eine komplexe Aktion mit vielfältigen Auswirkungen", schrieb Forster in einem Brief an die Mitarbeiter. "Es ist deshalb äußerst wichtig, dass diese Entscheidung, die für General Motors genauso wie für Opel eine große Tragweite haben wird, nur nach sehr reiflicher Überlegung getroffen wird." (APA/Reuters)

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kaiser franz jussuf
00
26.8.2009, 09:11
Stronach leichenblass und schmähstad

wer den Frankie gestern in Ober Waltersdorf gesehen hat, weiß daß der Deal geplatzt ist.

Marcel Baum
00
26.8.2009, 09:09
Ein lasches Europa das sich nicht wehren will

Die deutsche Regierung hält alle Trümpfe in der Hand und wagt es nicht sie auszuspielen.
1) Merkel macht Obama klar, das die Causa eine schwere Belastung der Beziehung DE USA darstellt.Überdenken der außenpolitischen Unterstützung der USA durch DE in sensitiven US Positionen.
2) sofortiges Fälligstellen der 1,5 Milliarden Garantie von DE, die ja als Überbrückung bis zum Vertragsabschluß mit einem Investor gedacht war, wegen Wegfall der Basis der Entscheidung.
3) Bestreiken der Opelproduktionsstätten in Europa.
4) Reduktion des Beteiligungssatzes von GM ausgehend von den 35% um 5%/2 Monate Vertragsverzögerung.
So schnell wie die GM Zentrale dann unterschreiben würde, kann man sich gar nicht vorstellen.
Denn die Sprache verstehen die Amis.

toc poc
20
26.8.2009, 09:06
USA tricksen immer mehr, Lebensinn = Abzocken

egal ob beim war on terror oder beim Pleite gehen lassen von Banken, oder beim ungehemmten Dollar-Drucken
oder beim Foltern oder bei Opel.
Die "Führungsnation" der Welt ist zum riesigen Sumpf geworden. Übrigens 9/11 war ein inside job, in 3 Wochen
gibt es in einem angesehenen US Medium eine Sondermeldung.

uni kum
00
26.8.2009, 08:33

Die mit 60 Mrd. $ Staatsgeld aufgeblähten Muskeln zeigen. Wahrlich eine Leistung!

Ano
00
26.8.2009, 08:07

Was für eine Posse!
Opel zwangsverstaatlichen und gut is, die Amis sollen sich schleichen.

Poldi Fesch
00
26.8.2009, 11:43
unter welchen

Titel willst denn verstaatlichen ?

Orakel1
00
26.8.2009, 07:44
Wieso Stillschweigen? Guttenberg hat spätabends...

...das Publikum ausführlich informiert: GM präferiert eine Verkaufslösung an den Finanzinvestor und Magna scheint für GM keine Rolle mehr zu spielen. Doch wenn GM es allein machen sollte, ist das ohne Griff in eine fast leere Kasse nicht möglich. GM müßte rund 6 Milliarden Euro aufwenden (rd. 8,5 Milliarden $). Ausserdem herrsche im neuen Verwaltungsrat von GM ein miserabler Informationsstand.

Doch meine Meinung: Merkel ist vorzuwerfen, dass sie sich durch Betriebsrat und SPD auf den falschen Dampfer namens Magna hat locken lassen. Sie wurde von denen, die einerseits Wahlkampf betreiben und andereits egoistische Interessen verfolgen, von ihrer Position abbringen lassen. Nur Guttenberg kann sich als moralischer Sieger fühlen.

mstislav raskachlovitsch
00
26.8.2009, 07:43
Magna ist raus.....

...was ich persönlich sehr bedauere! GM hatte ohnehin NIE vor den Opel-Zweig abzugeben....Rein taktische (und miese) Vorgangsweise............
Der Opel-Belegschaft kann ich nur empfehlen, dass sie auf KEINERLEI Leistung verzichtet - spielt alles nur in die Hände von GM, die den Verkauf vereiteln und bei passender Gelegenheit Opel sowieso fallen lassen....Meine Empfehlung an die Mitarbeiter bei Opel: suchts schon heftig nach Ersatz-Jobs!

Keyser
00
26.8.2009, 04:29

Sollte das ganze nur eine Taktik von GM sein, so könnte die deutsche Regierung wieder Boden wett machen, indem sie einfach sagen - entweder kommt eine klare Ansage im Zeitraum XY - oder weder Magna noch RHJ bekommen Staatsgeld bei einer möglichen Übernahme. - Macht was ihr wollt, aber eure Spielchen könnt ihr woanders spielen. -

Das wäre wenigstens mal eine klare Ansage. Ist zwar ein Spiel mit dem Feuer, aber allemal besser, als dieses ständige Verhandeln und den Nachrichten aus irgendwelchen "Kreisen".

Wäre schön wenn die "Kreise" mal beim Namen genannt würden. Damit wir als Leser und Innen mal einschätzen können, wie die ernstzunehmend die Aussagen der "Kreise" nun wirklich sind.

- just my 2 cent -

toc poc
00
25.8.2009, 23:27
Leute verkauft jetzt schnell die Magna-Aktien!

eh schon wissen...

undwieso
01
25.8.2009, 22:00
Abgekartet

Das Tauziehen wird bis nach den deutschen Wahlen dauern, dann kommt wahrscheinlich der Gang in die Insolvenz. Herr von und zu Guttenberg hat ja die Präferenz für diese Lösung vor Wochen schon angekündigt. Alles andere ist Wahltheater.

Wien, heiter, 1000°
51
25.8.2009, 21:49

Ich kann das Wort Opel mittlerweile nicht mehr hören.

Die Autos sind schon der letzte Schiss, jetzt geht mir das ganze Unternehmen total auf den Wecker.

Jürgen Rembremerding
00
25.8.2009, 23:25
"Die Autos sind schon der letzte Schiss"

http://www.stern.de/auto/serv... 45966.html

hachen von torje
00
25.8.2009, 19:46
Magna fliegt aus dem Bieter-Rennen raus

der Augen hat lese/schaue einflußreiche US Medien
wie CNN , Fox, NY Times, Wallstreet Journal.
Da ist jetzt die Tendenz ziemlich eindeutig: Aus für Magna.

Poldi Fesch
00
25.8.2009, 23:57
und dann ?

die einzigen waeren Fiat gewesen u. die wuszten auch, wie der Hase laeuft

Ivan Bukov
00
26.8.2009, 11:38

Fiat war tatsaechlich die beste Option. Die Amerikaner haben den Italienern die Milliarden der Put Option nie verziehen...

Poldi Fesch
00
26.8.2009, 12:12
vor allem war ihnen

klar, dasz sie das "daheben" , nur wenn GM weiter herumwurstelt ist Chrysler fertig aufgestellt u. dann werden sich eiin paar wundern. Nicht vergessen, Marchione ist eigentlich Kanadier, der kennt die Spielchen

deNadie
11
25.8.2009, 18:57
Verständnisfrage zu Mehrheiten: 65% Treuhand, 35% GM

Also wer hat hier die Mehrheit und damit sagen? Woher nimmt GM das Recht, einen Opel-Verkauf entgegenzustehen?
Wenn 65% in "Deutscher Hand" sind würde ich vorschlagen, man sollte das GM-Management bei Opel vor die Tür setzen und mit der bestimmenden Mehrheit Tatsachen schaffen als weiter mit einer konkursreifen Firma zu verhandeln.
Klar wird damit das Verhältnis zu den USA belastet, aber das sollte die Beziehung aushalten. Es ist alles reiner Kapitalismus, d.h. wer die Kohle hat, macht die Musik.

C’est la vie
 
00
25.8.2009, 19:25
ohne den Artikel

gelesen zu haben - und nur "drübergestolpert" bin - mit 25% + 1 Aktie haben sie ne Sperrminorität - d.h. - wichtige Entscheidungen können sie damit blockieren ....

max 1231
 
11
25.8.2009, 19:19
was sie nicht verstehen ist

da sind mental beschränkte sogenannte politiker am werk. die bringens nicht wie ein normaler mensch, auf gut deutsch gesagt, die sind zu doof zum business !

Daniel Drüsendieb
01
25.8.2009, 18:49
GM als Paradebeispiel

für den verkommenen Casino-Kapitalismus: Gerade eben noch insolvent und schon wieder gierig.

nukularteilchen
015
25.8.2009, 18:21

So wie GM Opel und die Deutschen behandelt gehen die Amerikaner mit dem Rest der Welt um. Ein egositischer rücksichtsloser Haufen der sich nur um sich selbst kümmert. Am Ende zahlt auch noch die Welt die Eskapaden der Amerikaner.

eddö vom kamptal
10
25.8.2009, 18:04
Magna ist aus dem Rennen

die Amis wollen keine Russen (Bank) im Boot.
Es ist aus, c èst fini.

Doc Steel
18
25.8.2009, 17:43
prolongation

das kommt davon, dass eine bankrotte firma nicht in den konkurs geschickt wird.

die steuerzahler zahlen die zeche, einige höchstbezahlte "manager" zocken wieder ab.

die amis sanieren sich auf kosten der restlichen welt.

anton burger
02
25.8.2009, 18:02
absolut richtig

Die alte fuehrungsriege von GM war genauso korrupt wie die neue; soblad sie ihre schaefchen im trockenen haben, lassen sie die firma wieder absaufen. Wagoner erhielt etwa $110m in den letzten 5 jahren und Henderson zielt aufs gleiche hinaus. Diese brueder sollten entlassen werden und GM unter staatsaufsicht gestellt werden - immerhin zahlt der steurzahler eienn grossen teil der rechnung.

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