Priester droht Entzug der Staatsbürgerschaft

24. August 2009, 23:22
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Hatte sich für entmachteten Präsidenten Zelaya eingesetzt - Kirchliche US-Delegation untersucht Berichte über Menschenrechtsverletzungen

Tegucigalpa - Einem katholischen Pfarrer in Honduras droht wegen Unterstützung des abgesetzten Staatspräsidenten Manuel Zelaya der Entzug der Staatsbürgerschaft. Wie Kathpress unter Bezug auf die honduranische Tageszeitung "La Prensa" auf ihrer Website berichtet, erwägt die Übergangsregierung von Präsident Roberto Micheletti entsprechende Schritte.

Der Priester Andres Tamayo hat nach Ansicht der Regierung mit zahlreichen Aktionen gegen die Verfassung verstoßen. Tamayo soll sich demnach aktiv an der Organisation von Demonstrationen für die Rückkehr des von Militärs nach Costa Rica abgeschobenen Zelaya beteiligt haben. In der vergangenen Woche soll der Pfarrer zudem an der Spitze eines Protestzuges in der Hauptstadt Tegucigalpa gestanden sein, bei dem es zu Zusammenstößen mit Anhängern der Übergangsregierung Michelettis kam. Der Priester ist landesweit als Umweltaktivist bekannt, der sich u.a. für die Rechte von Kleinbauern einsetzt.

Die katholische Kirche in Honduras hat die Art und Weise der Entmachtung Zelayas kritisiert, allerdings die Absetzung des Präsidenten als verfassungskonform bezeichnet. Zelaya wollte mit einer Volksbefragung eine Verfassungsänderung durchsetzen, die seine Wiederwahl ermöglicht hätte.

Derzeit hält sich eine kirchliche US-Delegation in Honduras auf, um Berichte über Bürger- und Menschenrechtsverletzungen seit dem Putsch zu untersuchen. Mitglieder der Delegation sind die Vizepräsidentin der internationalen katholischen Friedensbewegung "Pax Christi", Marie Dennis und mehrere Ordensfrauen der "Sisters of Mercy of the Americas", die sich auch in Honduras seit vielen Jahren gegen Armut, Gewalt und für die Rechte von Frauen und Migranten einsetzen.

Bei Treffen mit Kirchenvertretern und Vertretern der Zivilgesellschaft will die Delegation einen Einblick in die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Realitäten in Honduras gewinnen. "Die Situation ist kompliziert und die Gesellschaft ist sehr polarisiert", berichtet Sr. Jean Stokan von den "Sisters of Mercy". Für einen auf Dauer angelegten Frieden in Honduras sei vor allem die Einbindung der armen und an den Rand gedrängten Menschen in das Leben des Landes von Bedeutung, so die Ordensfrau. (APA)

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