Türkischer Aktionär steigt ein

24. August 2009, 22:53
6 Postings

Mitten in der Wirtschaftskrise holt sich der Baukonzern Porr rund 80 Millionen Euro mittels Kapitalerhöhung über die Börse

Dabei erwirbt das türkische Bauunternehmen Renaissance etwa zehn Prozent.

*****

Wien - Jahrzehntelang haben Vorstände der Porr darauf gewartet, jetzt ist es soweit: Österreichs drittgrößte Baufirma holt sich über die Börse frisches Kapital und zugleich einen neuen Investor an Bord. Die türkische Baufirma "Renaissance" wird in etwa zehn Prozent erwerben.

Bei der jüngsten Hauptversammlung hat sich Porr bereits eine Erhöhung der Grundkapitals um Kapitals um 50 Prozent der Aktien (derzeit zwei Mio. Stämme) genehmigen lassen. Rund 500.000 Aktien soll nun in einer ersten Tranche emittiert werden. Dadurch werden in etwa 80 Mio. Euro in die Kassen der Porr gespült. Am Montag schlossen Porr-Stammaktien bei 138 Euro.

Aller Wahrscheinlichkeit wird die Wiener Städtische Versicherung (sie hält derzeit zehn Prozent der Porr-Aktien) nicht mitziehen. Die restlichen Großaktionäre hingegen schon. 45 Prozent hält die ehemals der Bank Austria zuordenbare B&C-Stiftung, 30 Prozent auf den Tiroler Gebäudetechnik-Unternehmer Klaus Ortner, fünf Prozent auf die Wiener Stadtwerke. Drei Prozent halten die Warimpex-Vorstände Franz Jurkowitsch und Georg Folian, der kleine Rest ist im Streubesitz.

Zu einer oft diskutierten Zusammenlegung von Stamm- und Vorzugsaktien haben sich die immer einigen Eigentümer noch nicht durchringen können.

Der Gründe für die Kapitalerhöhung sind unterschiedlich. Die Porr war immer unterkapitalisiert, weil die Eigentümer oft unterschiedlicher Meinung über die Ausrichtung des Unternehmens waren. Statt einer Kapitalerhöhung wurden Anleihen begeben und ein Teil dieser Anleihen läuft nächstes Jahr aus, also wird mit der Kapitalerhöhung vorgesorgt.

Know-How-Bringer

Durch die Hereinnahme der türkischen Renaissance-Gruppe bekommt die Porr Zutritt zu gut ausgebildeten Arbeitern, die zum Teil in Österreich und Deutschland lernten. Diese Leute sind notwendig, wenn die Porr, wie geplant, internationale Infrastrukturprojekte angehen will. Da hat die Wiener Baufirma das Know-how und die Türken die Mannschaft. Beide Unternehmen ergänzen sich.

Porr hat zudem große Erfahrungen im Tunnel- und Brückenbau, von diesem Wissen kann Renaissance profitieren. Außerdem sind die Türken am russischen Markt sehr präsent und könnten dort der Porr die Türen öffnen.

Strabag Nummer eins

Die Strabag blieb zwar auch 2008 die größte heimische Baufirma. Ihr russischer Partner Oleg Deripaska, ist allerdings in Zahlungsschwierigkeiten, Raiffeisen, selbst Strabag-Aktionär stundet ihm bis Jahresende einen Kredit. Deripaska hat sich vor zwei Jahren um eine Milliarde Euro mit 25 Prozent bei der Strabag eingekauft. Alpine (gehört der spanischen FCC-Gruppe) belegt im Umsatz-Ranking den Platz vor Porr, auf die Swietelsky und Habau folgen.

Zu den Großprojekten der Porr in jüngster Vergangenheit gehören u.a. das Krankenhaus Wien-Nord im Konsortium mit Siemens und Vamed, das EM-Stadion in Klagenfurt oder die Albertina.

Die Porr beschäftigt 11.000 Mitarbeiter. Porr-Chef Wolfgang Hesoun hofft heuer "den Umsatz halten zu können, indem die Einbrüche im privaten Bereich durch Aufträge aus dem öffentlichen Sektor ausgeglichen würden. Es gebe europaweit riesiges Potenzial, alleine in Polen sollen in den kommenden Jahren mit Hilfe einer EU-Kofinanzierung Projekte im Wert von 20 Mrd. Euro ausgeschrieben werden. Ein Drittel der 3,2 Mrd. Euro Umsatz erzielte die Porr bisher im privaten Bausektor.

Noch nicht geklärt hat die Porr mit den Wiener Stadtwerken die Bewertungsfrage bei der Übernahme der restlichen 47,5 Prozent an Teerag Asdag. Die Porr hält den Rest und hat die wirtschaftliche Führung bei der Straßenbaufirma. (Claudia Ruff/DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wolfgang Hesoun, seit zwei Jahren Porr-Chef, „lernte" bei seinem Vorgänger, Horst Pöchhacker.  Hesoun wohnt in Brunn am Gebirge und ist dort Nachbar von Flughafen-Chef Herbert Kaufmann und er ist Neffe von Ex-Sozialminister Josef "Jolly" Hesoun.

Share if you care.