"Michael Jackson wurde getötet"

25. August 2009, 19:22
125 Postings

Todesursache: Eine Überdosis Narkosemittel - Leibarzt droht Anklage wegen Totschlags

Die Luft wird dünner für Dr. Conrad Murray. Wie die Los Angeles Times am Montag berichtete, wertet die Gerichtsmedizin den plötzlichen Tod von Michael Jackson vor zwei Monaten als Totschlag. Der Popstar soll an einer "tödlichen Dosis" des Narkosemittels Propofol gestorben sein (siehe Wissen unten). Ein Mittel, das ihm der Mediziner am Tag seines Todes als Schlafmittel injizierte.

Das geht aus dem 32-seitigen Dokument der Gerichtsmedizin hervor. Demnach hatte der Kardiologe sechs Wochen lang den unter Schlaflosigkeit leidenden Jackson mit Propofol behandelt, ihm täglich angeblich 50 Milligramm Propofol gespritzt. Er habe jedoch eine wachsende Abhängigkeit befürchtet, sagt Murray und versucht, die Dosis zu reduzieren. Starke Schlafmittel sollten Propofol ersetzen.

In der Nacht zum 25. Juni hat Jackson, laut Report, erneut über Schlaflosigkeit geklagt. Murray verabreichte in den darauffolgenden sechs Stunden zuerst Valium, dann ein Mittel gegen Angstzustände und schließlich ein weiteres verschreibungspflichtiges Schlafmittel.

Doch selbst dieser Medikamentencocktail sorgte nicht für den ersehnten Schlaf. Um elf Uhr morgens verlangte Jackson schließlich seine "Milch", wie er das starke Narkosemittel nannte. Murray spritzte schließlich 25 Milligramm Propofol - und ließ den Entertainer "nur kurz" allein, um zu telefonieren. Aus Telefonprotokollen geht jedoch angeblich hervor, dass er drei Telefonate führte - mehr als 47 Minuten.

Als der Arzt wieder nach Jackson schaute, soll dieser bereits bewusstlos gewesen sein - Herzstillstand. Murrays Anwalt Ed Chernoff widersprach am Montag dem Bericht der Gerichtsmedizin in Teilen. "Vieles darin ist faktisch richtig, aber vieles ist auch Polizeitheorie", erklärte er.

Gegen Murray wurde von Beginn an ermittelt. Anklage gegen den Arzt, der für 150.000 Dollar im Monat im Dienste des Superstars stand und ihn nach London begleiten sollte, wurde bislang nicht erhoben. Wenn dies nun auch wahrscheinlicher wird, heißt das Fazit "Totschlag" nicht automatisch, dass der Sänger einem Verbrechen zum Opfer fiel. Während Murray behauptet, ihn gegen elf Uhr früh leblos vorgefunden zu haben, wurde der Notarzt erst 90 Minuten später gerufen. Auch verschwieg Murray dem Rettungsdienst, dass er Propofol injiziert hatte.

Ex-Manager unterstützt Wien

In Wien laufen indes die Vorbereitungen für den großen Tribute Konzert am 26. September weiter: Michael Jacksons ehemaliger Manager Ron Weisner werde Co-Produzent der Veranstaltung sein, wie Organisator Georg Kindel am Dienstag bekanntgab. (Rita Neubauer aus San Francisco, DER STANDARD Printausgabe, 26.08.2009)

WISSEN: Euphorie und Atemstillstand

Der Wirkstoff Propofol wird im deutschsprachigen Raum unter Handelsnamen wie Disoprivan und Recofol vertrieben, in den USA auch als Diprivan.

Das Narkosemittel kommt vor allem bei Operationen sowie bei Magen- und Darmspiegelungen zum Einsatz. Es wird meist in einer Lipidemulsion (Sojaöl) gelöst und besitzt daher ein milchig-weißes Aussehen. Als Droge missbraucht wird Propofol, weil es euphorisierend wirkt und angenehme Träume auslösen kann. Zudem mildert es Übelkeit. Spritzt man sich selbst eine Dosis, wird man nach fünf bis zehn Minuten wieder wach.

Propofol, das schnell süchtig machen kann, verlangsamt die Atmung. Eine Überdosierung des Narkosemittels führt deshalb zu Herzversagen und Atemstillstand.

Die Kombination mit schmerzstillenden Substanzen wie Valium und Morphium verstärkt diesen Effekt nochmals. Weshalb eine strikter ärztliche Überwachung notwendig ist. Propofol wurde in den USA erstmals 1986 zugelassen, in Deutschland und Europa wird es seit 1996 verwendet. (red)

  • Conrad Murray steht unter Verdacht, schuld am Tod von Michael Jackson
zu sein: Er soll dem Popstar ein starkes Narkosemittel verabreicht und
ihn dann eine Dreiviertelstunde alleingelassen haben.
    foto: epa/thomas nguyen

    Conrad Murray steht unter Verdacht, schuld am Tod von Michael Jackson zu sein: Er soll dem Popstar ein starkes Narkosemittel verabreicht und ihn dann eine Dreiviertelstunde alleingelassen haben.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Jackson nannte sein Narkosemittel "Milch".

Share if you care.