"Manche Zeitungen hier verstehen nichts von Fußball"

26. August 2009, 10:48
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Austria-Stürmer Diabang schaut gegen Metallurg Donezk wegen seiner Gelb-Rot-Sperre nur zu. Er wehrt sich gegen Zeitungen, die ihm "Dummheit" nachsagen und rechnet mit dem Aufstieg

Wien - "Diabangs Dummheit verhindert den Sieg" titelte die "Kronen Zeitung" am Tag nach dem 2:2-Hinspiel der Wiener Austria in Donezk. Auch andere Medien sprangen auf den Sündenbock-Zug auf. So pauschal, so einfach. Mamadou Diabang tauchte in Donezk in ein Wechselbad der Gefühle. Einem heißen Tor folgten zwei abkühlende Gelbe Karten, wegen Ballsperren und als sich der Stürmer nach einem angeblichen Foul den Torschuss nicht verkneifen konnte. Ein gebrochener Diabang schlich in Donezk vom Platz. Im medialen Lager wurde über eine Strafe für den Austria-Angreifer spekuliert, der Verein winkte ab: "So etwas gibt es sicher nicht". Diabang sprach mit Simon Hirt über den Ausschluss in der Ukraine, die österreichische Fußballberichterstattung und was Rückspielgegner Metallurg Donezk nach Wien mitbringt.

derStandard.at: In der Ukraine sind Sie innerhalb weniger Minuten vom "Matchwinner" zum "Buhmann" geworden, wie haben Sie die Situation erlebt?

Mamadou Diabang: Ich habe den Pfiff des Schiedsrichters gehört, war aber zu sehr auf das Spiel konzentriert und konnte meine Euphorie nach dem ersten Tor nicht bremsen. Es war kein Foul von mir, die ukrainischen Fans haben den Schiedsrichter mit ihren Pfiffen beeinflusst, nach der Roten Karte war ich total enttäuscht.

derStandard.at: Einige Medien und auch Trainer Daxbacher haben von einer „Dummheit" gesprochen, gehen solche Formulierungen zu weit?

Diabang: Ja, von einer Dummheit zu sprechen ist nicht okay. Es war eine blöde Situation und ein Fehler von mir. Ich habe viel darüber nachgedacht, wenn wir weiterkommen, kann ich die Sache vergessen. Manche Zeitungen hier verstehen aber einfach nichts von Fußball. Bevor man kritisiert, muss man das Spiel verstehen. Sie sollen schreiben was sie wollen, ich lese keine österreichischen Zeitungen mehr.

derStandard.at: Wie würden Sie ihr "Standing" innerhalb der Austria-Mannschaft beschreiben?

Diabang: Ich habe nicht die Möglichkeiten eines Jun oder eines Okotie, die immer von Anfang an spielen. Okotie bekommt viel Unterstützung vom Verein und von den Medien. Es ist schwer bei Kurzeinsätzen sein Potential abzurufen, dazu gehört auch Glück. Wenn ich kontinuierlich spielen würde, würde ich auch mehr Tore machen. Niemand sitzt gerne auf der Ersatzbank, als Profi muss man das aber akzeptieren können. Ich gebe immer mein Bestes und bin gut drauf, das letzte Wort hat aber der Trainer.

derStandard.at: Im Sommer wollten Sie die Austria verlassen, warum wurde nichts daraus?

Diabang: Ich hatte einige Angebote, bei Duisburg habe ich im Probetraining überzeugt, die Leute im Verein und die Fans kennen mich dort. Schlussendlich haben sie einen Stürmer aus Wolfsburg bekommen, der war kostenlos und der Austria hätten sie etwas zahlen müssen.

derStandard.at: Haben Sie vor Ihrem Wechsel nach Österreich etwas über die Austria, die Fußballliga hier gewusst?

Diabang: Ich wusste gar nichts über Österreich. Imre Szabics hat mir gesagt, dass die Austria eine gute Adresse ist. Ich denke, die österreichischen Top-Vier könnten auch in Deutschland mitspielen.

derStandard.at: Was machen Sie aus der Situation bei der Wiener Austria?

Diabang: Das Geschäft ist schnelllebig, als Stürmer bist du entweder oben oder ganz unten. Jetzt bin ich hier und versuche Alles zu geben.

derStandard.at: Metallurg hat sich als spielstarker Gegner erwiesen, was kommt da im Rückspiel auf die Austria zu?

Diabang: Sie werden nicht so aggressiv agieren wie im ersten Spiel, da wir den Heimvorteil haben. Hinten sind sie langsam, wenn Okotie fit ist, können wir ihnen locker ein Tor machen.

derStandard.at: Auf was muss die Austria aufpassen?

Diabang: In der Offensive liegen ihre Stärken, dort spielen sie wahnsinnig schnell.

derStandard.at: Zum Abschluss, ganz österreichisch, bitte noch eine Einschätzung der Aufstiegschancen?

Diabang: Wenn wir gegen diesen Gegner nicht aufsteigen, haben wir in der Gruppenphase nichts verloren. Unsere Chancen liegen bei 60 Prozent. (derStandard.at, 26. August 2009)

ZUR PERSON: Mamadou Laminé „Momo" Diabang ist ein senegalesischer Fußballspieler, mit deutschem Pass. In Deutschland stürmte er bereits für den FC Oberneuland, Arminia Bielefeld, VfL Bochum, Kickers Offenbach, FC Augsburg. Im Sommer 2008 verpflichtete die Wiener Austria den Angreifer und stattete ihn mit einem Vertrag bis 30.06.2010 aus.

  • "Wenn wir gegen diesen Gegner nicht aufsteigen, haben wir in der Gruppenphase nichts verloren."
    foto: derstandard.at/hirt

    "Wenn wir gegen diesen Gegner nicht aufsteigen, haben wir in der Gruppenphase nichts verloren."

  • "Sie sollen schreiben was sie wollen, ich lese keine österreichischen Zeitungen mehr."
    foto: derstandard.at/hirt

    "Sie sollen schreiben was sie wollen, ich lese keine österreichischen Zeitungen mehr."

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    Mamadou Diabang traf heuer gegen beide Europa League-Gegner der Veilchen.

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